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Leistungen einer Privatklinik sind in der Regel umsatzsteuerfrei

FG Köln 13.4.2016, 9 K 3310/11

Der BFH hat zwi­schen­zeit­lich wie­der­holt zu­tref­fend ent­schie­den, dass die na­tio­nale Steu­er­be­frei­ungs­vor­schrift auf­grund des dort nie­der­ge­leg­ten Be­darfs­vor­be­halts mit zwin­gen­den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben nicht ver­ein­bar ist, so dass sich der Be­trei­ber ei­ner Pri­vat­kli­nik für die Steu­er­frei­heit sei­ner Leis­tun­gen un­mit­tel­bar auf Art. 132 Abs. 1b MwSt­Sys­tRL be­ru­fen kann. Al­ler­dings ist die Frage, ob sich auch eine Pri­vat­kli­nik, die man­gels Zu­las­sung nach § 108 SGB V und man­gels Ab­schlus­ses ei­nes Struk­tur­ver­trags gem. § 73a SGB V keine ge­setz­lich ver­si­cher­ten Pa­ti­en­ten be­han­delt, auf Art. 132 Abs. 1b) MwSt­Sys­tRL be­ru­fen kann, von grundsätz­li­cher Be­deu­tung.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist eine GmbH und Be­trei­be­rin ei­ner Pri­vat­kli­nik. Sie ist im Be­sitz ei­ner Kon­zes­sion zum Be­trieb ei­ner Pri­vat­kran­ken­an­stalt gem. § 30 GewO. Da­nach wird der Kli­nik­be­trieb aus­schließlich in an­ge­mie­te­ten Räumen ei­nes an­de­ren Kran­ken­hau­ses durch­geführt. Die Kon­zes­sion er­streckt sich auf max. 34 Bet­ten. Sie be­trifft sämt­li­che dia­gnos­ti­schen und the­ra­peu­ti­schen Tätig­kei­ten, die im Ge­sell­schafts­ver­trag der Kläge­rin auf­geführt sind. Eine an­dere Pri­vat­kli­nik nutzt das Kran­ken­haus in ähn­li­cher Weise. So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Zu­las­sun­gen (§ 108 SGB V) oder sons­tige Verträge mit So­zi­al­ver­si­che­rungsträgern (§§ 108 Nr. 3, 109 SGB V, § 73a SGB V) be­ste­hen nicht; die Kläge­rin ist nicht in den Kran­ken­haus­plan (§ 108 Nr. 2 SGB V) des Lan­des NRW auf­ge­nom­men. Sie verfügt über keine Zu­las­sung als me­di­zi­ni­sches Ver­sor­gungs­zen­trum (§ 95 SGB V).

Nach der für das Jahr 2007 vor­lie­gen­den OP-Sta­tis­tik rech­nete die Kläge­rin ihre Leis­tun­gen nach den sog. G-DRG-Fall­pau­scha­len (Ger­man-Dia­gno­sis Re­la­ted Groups als pau­scha­lie­ren­des Vergütungs­sys­tem nach § 17b des Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­set­zes) ab. Darüber hin­aus stellte sie Kos­ten für die Zim­mer­nut­zung in Rech­nung. Diese Ab­rech­nungs­pra­xis be­hielt sie auch im Streit­jahr 2009 bei. Im Streit­jahr gab die Kläge­rin Um­satz­steu­er­vor­an­mel­dun­gen für die Mo­nate Ja­nuar bis ein­schließlich Juni ab, de­nen das Fi­nanz­amt folgte. Für die Mo­nate Juli, Au­gust und Sep­tem­ber gab sie keine Um­satz­steu­er­vor­an­mel­dun­gen ab. Das Fi­nanz­amt schätzte da­her die steu­er­pflich­ti­gen Umsätze so­wie die ab­zugsfähi­gen Vor­steu­er­beträge an­hand der für die vor­he­ri­gen Vor­an­mel­de­zeiträume ab­ge­ge­be­nen Vor­an­mel­dun­gen.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Al­ler­dings wurde we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Sa­che die Re­vi­sion zum BFH zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Der an­ge­foch­tene Um­satz­steu­er­be­scheid 2009 ist rechts­wid­rig.

Die von der Kläge­rin im Streit­jahr 2009 er­brach­ten Leis­tun­gen wa­ren als Kran­ken­haus­leis­tun­gen gem. Art. 132 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL um­satz­steu­er­frei. Die in Art. 132 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL vor­ge­se­hene Steu­er­be­frei­ung für näher be­zeich­nete Kran­ken­haus­leis­tun­gen und ärzt­li­che Heil­be­hand­lun­gen so­wie da­mit eng ver­bun­dene Umsätze hatte der Ge­setz­ge­ber im Streit­jahr 2009 in § 4 Nr. 14b) UStG in na­tio­na­les Recht um­ge­setzt. Die Kläge­rin erfüllte die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen die­ser Vor­schrift zwar nicht. Al­ler­dings hat der BFH zwi­schen­zeit­lich wie­der­holt zu­tref­fend ent­schie­den, dass diese na­tio­nale Steu­er­be­frei­ungs­vor­schrift auf­grund des dort nie­der­ge­leg­ten Be­darfs­vor­be­halts mit zwin­gen­den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben nicht ver­ein­bar ist, so dass sich der Be­trei­ber ei­ner Pri­vat­kli­nik für die Steu­er­frei­heit sei­ner Leis­tun­gen un­mit­tel­bar auf Art. 132 Abs. 1b MwSt­Sys­tRL be­ru­fen kann (BFH-Urt. v. 23.10.2014, Az.: V R 20/14 und v. 18.3.2015, Az.: XI R 38/13).

Die Kläge­rin hatte im Streit­jahr ent­spre­chend ih­rem Sat­zungs­zweck aus­schließlich Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen i.S.v. Art. 132b) MwSt­Sys­tRL durch­geführt. Es han­delte sich bei der Kläge­rin auch um eine "ord­nungs­gemäß an­er­kannte Ein­rich­tung glei­cher Art"; es konnte da­her of­fen blei­ben, ob sich das Er­for­der­nis der An­er­ken­nung nur auf an­dere Ein­rich­tun­gen glei­cher Art, nicht aber auf Kran­ken­an­stal­ten so­wie Zen­tren für ärzt­li­che Heil­be­hand­lung und Dia­gnos­tik be­zog. Schließlich hatte die Kläge­rin ihre Leis­tun­gen im Streit­jahr in so­zia­ler Hin­sicht un­ter ver­gleich­ba­ren Be­din­gun­gen er­bracht wie Kran­kenhäuser, die in öff­ent­lich-recht­li­cher Träger­schaft ste­hen oder nach § 108 SGB V zu­ge­las­sen sind.

Der an­ge­foch­tene Um­satz­steu­er­be­scheid für 2009 war den­noch nicht auf­zu­he­ben, son­dern le­dig­lich im ten­orier­ten Um­fang zu ändern. Denn die Kläge­rin schul­det die von ihr in den Rech­nun­gen des Streit­jah­res 2009 of­fen aus­ge­wie­sene Um­satz­steuer i.H.v. ins­ge­samt 92.218 € gem. § 14c Abs. 1 UStG. Der Vor­steu­er­ab­zug gem. § 15 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 UStG war nicht zu gewähren, da die Kläge­rin die be­zo­ge­nen Leis­tun­gen aus­schließlich zur Er­brin­gung steu­er­freier Aus­gangs­umsätze ver­wen­det hatte. Al­ler­dings ist die Frage, ob sich auch eine Pri­vat­kli­nik, die man­gels Zu­las­sung nach § 108 SGB V und man­gels Ab­schlus­ses ei­nes Struk­tur­ver­trags gem. § 73a SGB V keine ge­setz­lich ver­si­cher­ten Pa­ti­en­ten be­han­delt, auf Art. 132 Abs. 1b) MwSt­Sys­tRL be­ru­fen kann, von grundsätz­li­cher Be­deu­tung, wes­halb die Re­vi­sion zu­ge­las­sen wurde.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text des Ur­teils ist erhält­lich un­ter www.nrwe.de - Recht­spre­chungs­da­ten­bank des Lan­des NRW.
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