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Compliance Due Diligence - klarer Vorteil beim Unternehmenskauf

Due Diligence Prüfungen vor der Übernahme von Unternehmen oder Unternehmensteilen gehören mittlerweile zum Standard und sind aus der M&A-Praxis nicht mehr wegzudenken. In Ergänzung zu der klassischen Due Diligence Prüfung gehen Unternehmen, Banken und Finanzinvestoren vermehrt dazu über, den Fokus der Prüfung zu erweitern und eine Compliance Due Diligence Prüfung durchzuführen.

Hier­bei unter­schei­det sich die Com­p­li­ance Due Dili­gence Prü­fung nicht grund­sätz­lich von einer Due Dili­gence Prü­fung, sie hat jedoch eine etwas andere Ziel­set­zung und folgt daher einer ande­ren Sys­te­ma­tik. Zudem ist die Com­p­li­ance Due Dili­gence sowohl retro­spek­tiv als auch pro­spek­tiv und geht damit über eine Legal Due Dili­gence hin­aus. Ihr vor­ran­gi­ges Ziel ist es zu über­prü­fen, ob die wesent­li­chen unter­neh­mens­spe­zi­fi­schen recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Unter­neh­mens­ri­si­ken iden­ti­fi­ziert und als Reak­tion hier­auf ange­mes­sene Infor­ma­ti­ons-, Schu­lungs- und Kon­troll­me­cha­nis­men – auch als Com­p­li­ance Mana­ge­ment Sys­tem bezeich­net – eta­b­liert wur­den, um die­sen Risi­ken zu begeg­nen. Es geht daher nicht allein um recht­lich zuläs­si­ges, son­dern dar­über hin­aus um inte­ge­res Ver­hal­ten von Mit­ar­bei­tern und Füh­rungs­kräf­ten. Die­ses sichert und schützt die Repu­ta­tion von Unter­neh­men als wesent­li­chen Unter­neh­mens­wert von zuneh­men­der Bedeu­tung und ver­mei­det oder redu­ziert zumin­dest hier­durch Haf­tungs­ri­si­ken.

© Thinkstock

Am Anfang einer Com­p­li­ance Due Dili­gence Prü­fung steht somit immer die Ermitt­lung der recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Risi­ken, die für das Unter­neh­men wesent­lich sind. Hier­bei kommt es auf die Bran­che und das indi­vi­du­elle Umfeld an, in dem das kon­k­rete Unter­neh­men agiert: Han­delt es sich um einen regu­lier­ten Sek­tor, wie etwa Phar­ma­un­ter­neh­men, Abfall­wirt­schaft oder Ban­ken? Zählt das Unter­neh­men zum pro­du­zie­ren­den Bereich und ist daher Pro­dukt­haf­tungs­ri­si­ken aus­ge­setzt? Ist das Unter­neh­men maß­geb­lich auf den Export aus­ge­rich­tet? Gibt es interne Rege­lun­gen, die über die gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen hin­aus­ge­hen, jedoch wesent­li­che Unter­neh­mens­werte reprä­sen­tie­ren wie etwa Umwelt­schutz und soziale Gerech­tig­keit?

Erfah­rungs­ge­mäß ste­hen bei Com­p­li­ance Due Dili­gence Prü­fun­gen ins­be­son­dere die Berei­che Ein­kauf, Ver­kauf sowie Rech­nungs­we­sen im Fokus, da sich dort erheb­li­che haf­tungs- und ggf. sogar straf­recht­lich rele­vante Risi­ken wie etwa Kor­rup­tion, Kar­tell­ver­stöße, Betrug oder Unt­reue ver­wir­k­li­chen kön­nen, die zudem den Fort­be­stand des Unter­neh­mens gefähr­den kön­nen. Wich­tig ist jedoch, die Mit­ar­bei­ter bei der Durch­füh­rung der Prü­fung mit­zu­neh­men, damit nicht der Ein­druck ent­steht, diese Abtei­lun­gen stün­den unter Gene­ral­ver­dacht. Auch darf die Ana­lyse unter­neh­mens- und bran­chen­spe­zi­fi­scher Risi­ken, etwa Umwelt- oder Pro­dukt­haf­tungs­ri­si­ken, hier­durch nicht ins Hin­ter­tref­fen gera­ten. Aktu­ell zeigt sich zudem, dass ins­be­son­dere die mit dem Ein­satz von Com­pu­tern und dem Inter­net ver­bun­de­nen IT-Risi­ken von zahl­rei­chen Unter­neh­men unter­schätzt wer­den.

Neben der mate­ri­el­len Prü­fung ist Gegen­stand der Com­p­li­ance Due Dili­gence auch eine funk­tio­nelle Prü­fung des Com­p­li­ance Mana­ge­ment Sys­tems des Ziel­un­ter­neh­mens, sofern die­ses über ein sol­ches Sys­tem ver­fügt. Die­ses sollte alle wesent­li­chen Unter­neh­mens­be­rei­che erfas­sen und strin­gent und in sich kon­sis­tent eta­b­liert sein. Auch ist zu klä­ren, wel­che Infor­ma­ti­ons- und Kon­troll­struk­tu­ren es gibt und ob die Mit­ar­bei­ter regel­mä­ßig und in ange­mes­se­nem Umfang geschult wer­den. Von gro­ßer Rele­vanz für den Käu­fer ist die Über­prü­fung des Sys­tems auf Schwach­s­tel­len, aus denen bis­lang unbe­kannte Haf­tungs­ri­si­ken resul­tie­ren kön­nen. Anhalts­punkte für eine Com­p­li­ance Prü­fung las­sen sich dem Prü­fungs­stan­dard 980 des IDW ent­neh­men. Hat das Ziel­un­ter­neh­men bis­lang kein Com­p­li­ance Mana­ge­ment Sys­tem ein­ge­rich­tet, lässt dies ggf. auch Rück­schlüsse auf die Com­p­li­ance Kul­tur und Haf­tungs­ri­si­ken zu, die ent­sp­re­chend im Kauf­preis oder im Garan­tie­ka­ta­log berück­sich­tigt wer­den müs­sen.

Die Ergeb­nisse der Com­p­li­ance Due Dili­gence bestim­men maß­geb­lich den wei­te­ren Ver­lauf der Ver­trags­ver­hand­lun­gen und kön­nen im sch­limms­ten Fall zu ihrem Abbruch füh­ren, etwa bei erheb­li­chen kar­tell-, kor­rup­ti­ons- oder pro­dukt­haf­tungs­recht­li­chen Risi­ken. In jedem Fall flie­ßen die Ergeb­nisse in die Ver­trags­ge­stal­tung, etwa in den Garan­tie- und Gewähr­leis­tungs­ka­ta­log oder in Frei­stel­lungs­re­ge­lun­gen sowie in die Kauf­p­reis­fin­dung ein.

In der Pra­xis hat sich der Trend weg von einer rei­nen Legal-, Tax- oder Finance-Due Dili­gence hin zu einer Com­p­li­ance Due Dili­gence bewährt. Der Käu­fer erhält hier­durch einen umfang­rei­che­ren Ein­blick in das Ziel­un­ter­neh­men, was sowohl das Risiko von Feh­l­in­ves­ti­tio­nen redu­ziert als auch die spä­tere Inte­g­ra­tion des Ziel­un­ter­neh­mens in die eigene Unter­neh­mens­struk­tur erleich­tert. Der mit der Durch­füh­rung einer Com­p­li­ance Due Dili­gence ver­bun­dene Mehr­auf­wand ist somit gut inves­tierte Zeit und gut inves­tier­tes Geld.

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