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Zum Ort der Übernahme bei Rückgriff auf einen Unterfrachtführer

BGH 13.3.2014, I ZR 36/13

Die Zuständig­keits­re­ge­lun­gen des Art. 31 Abs. 1 CMR kom­men auch dann zur An­wen­dung, wenn ein (wei­te­rer) Un­ter­frachtführer als bloße Hilfs­per­son des Haupt­frachtführers von des­sen Auf­trag­ge­ber oder vom Rechts­nach­fol­ger des Auf­trag­ge­bers we­gen Ver­lusts oder Be­schädi­gung des Trans­port­gu­tes aus De­likt auf Scha­dens­er­satz in An­spruch ge­nom­men wird. Als Ort der Über­nahme i.S.d. Art. 31 Abs. 1 S. 1b CMR ist in einem sol­chen Fall re­gelmäßig nicht der Ort der Über­nahme des Gu­tes durch den Un­ter­frachtführer, son­dern der Ab­gangs­ort der ge­sam­ten Beförde­rung an­zu­se­hen.

Der Sach­ver­halt:
Die M-AG aus Es­sen hatte das in Köln ansässige Spe­di­ti­ons­un­ter­neh­men D. im April 2008 zu fes­ten Kos­ten mit dem Trans­port von Note­books von En­ni­ger­loh/Deutsch­land nach Großbri­tan­nien be­auf­tragt. D. gab den Auf­trag an das nie­derländi­sche Fracht­un­ter­neh­men W. wei­ter. Die­ses holte einen Teil des Gu­tes in En­ni­ger­loh ab und brachte es zu ih­rem in den Nie­der­lan­den ge­le­ge­nen La­ger. Mit der Wei­ter­beförde­rung nach Großbri­tan­nien be­auf­tragte W. die Be­klagte, ein in den Nie­der­lan­den ansässi­ges Trans­port­un­ter­neh­men.

Bei der Ent­la­dung des Gu­tes in Großbri­tan­nien sol­len nach der Dar­stel­lung der Kläge­rin 120 Note­books ge­fehlt ha­ben. W. war des­halb vor dem LG Müns­ter im Wege ei­nes Rück­griffs von dem Ver­kehrs­haf­tungs­ver­si­che­rer D. er­folg­reich auf Scha­dens­er­satz i.H.v. 66.415 € in An­spruch ge­nom­men wor­den. Der Be­klag­ten wurde in die­sem Rechts­streit von W. der Streit verkündet.

Die Kläge­rin be­haup­tete, als Ver­kehrs­haf­tungs­ver­si­che­rer von W. zum Aus­gleich der ti­tu­lier­ten For­de­rung ins­ge­samt 76.185 € ge­zahlt zu ha­ben. Nach nie­derländi­schem Recht finde ein Überg­ang des Scha­dens­er­satz­an­spruchs auf den Haft­pflicht­ver­si­che­rer statt. Die in­ter­na­tio­nale Zuständig­keit der deut­schen Ge­richte er­gebe sich dar­aus, dass das ab­han­den ge­kom­mene Gut ur­sprüng­lich in Deutsch­land über­nom­men wor­den sei. Die Be­klagte machte hin­ge­gen gel­tend, es sei sys­tem­fremd, für Strei­tig­kei­ten aus einem Trans­port­ver­trag zwi­schen zwei nie­derländi­schen Par­teien mit einem Über­nah­me­ort des Gu­tes in den Nie­der­lan­den und einem Ab­lie­fe­rungs­ort in Großbri­tan­nien die Zuständig­keit deut­scher Ge­richte an­zu­neh­men.

Das LG hat die in­ter­na­tio­nale Zuständig­keit deut­scher Ge­richte durch Zwi­schen­ur­teil be­jaht; das OLG hat sie ver­neint und die Klage als un­zulässig ab­ge­wie­sen. Die hier­ge­gen ge­rich­tete Re­vi­sion der Kläge­rin blieb vor dem BGH er­folg­los.

Gründe:
Die in­ter­na­tio­nale Zuständig­keit des von der Kläge­rin an­ge­ru­fe­nen LG Müns­ter er­gab sich nicht aus Art. 31 Abs. 1 S. 1b CMR.

Da­nach kann der Kläger we­gen al­ler Strei­tig­kei­ten aus ei­ner der CMR un­ter­lie­gen­den Beförde­rung die Ge­richte ei­nes Staa­tes an­ru­fen, auf des­sen Ge­biet der Ort der Über­nahme des Gu­tes oder der für die Ab­lie­fe­rung vor­ge­se­hene Ort liegt. Die Zuständig­keits­re­ge­lung gem. Art. 31 Abs. 1 S. 1b CMR gilt so­wohl für ver­trag­li­che als auch für außer­ver­trag­li­che An­sprüche, etwa aus De­likt, so­fern sie mit der Güter­beförde­rung in einem sach­li­chen Zu­sam­men­hang ste­hen.

Nach BGH-Recht­spre­chung kom­men die Zuständig­keits­re­ge­lun­gen des Art. 31 Abs. 1 CMR grundsätz­lich auch dann zur An­wen­dung, wenn ein (wei­te­rer) Un­ter­frachtführer als bloße Hilfs­per­son (Art. 3 CMR) des Haupt­frachtführers von des­sen Auf­trag­ge­ber oder vom Rechts­nach­fol­ger des Auf­trag­ge­bers we­gen Ver­lusts oder Be­schädi­gung des Trans­port­gu­tes aus De­likt auf Scha­dens­er­satz in An­spruch ge­nom­men wird. Maßgeb­lich ist dann der Ge­samt­beförde­rungs­ver­trag, da die­ser die Grund­lage für die vom Auf­trag­ge­ber oder sei­nem Rechts­nach­fol­ger gel­tend ge­mach­ten Er­satz­an­sprüche bil­det.

Als Ort der Über­nahme i.S.d. Art. 31 Abs. 1 S. 1b CMR ist in einem sol­chen Fall in der Re­gel nicht der Ort der Über­nahme des Gu­tes durch den Un­ter­frachtführer, son­dern der Ab­gangs­ort der ge­sam­ten Beförde­rung an­zu­se­hen. Die im vor­lie­gen­den Fall ge­ge­bene Ge­stal­tung war nicht mit der­je­ni­gen ver­gleich­bar, über die der Se­nat in der Re­vi­si­ons­sa­che I ZR 70/06 mit Ur­teil vom 20.11.2008 ent­schie­den hatte. Der vor­lie­gende Fall un­ter­schied sich in einem maßgeb­li­chen Punkt von der dort zu­grun­de­lie­gen­den Fall­kon­stel­la­tion.

In je­nem Fall war der be­klagte Un­ter­frachtführer als Hilfs­per­son (Art. 3 CMR) des Haupt­frachtführers von dem Rechts­nach­fol­ger, einem Trans­port­ver­si­che­rer, des Ur­sprungs­ver­sen­ders we­gen Be­schädi­gung von Trans­port­gut aus De­likt auf Scha­dens­er­satz in An­spruch ge­nom­men wor­den. Grund­lage für die di­rekte In­an­spruch­nahme des Un­ter­frachtführers durch den Auf­trag­ge­ber des Haupt­frachtführers oder des­sen Rechts­nach­fol­ger war der Ge­samt­beförde­rungs­ver­trag, den der Ur­sprungs­ver­sen­der mit dem Haupt­frachtführer ge­schlos­sen hat, und nicht das Ver­trags­verhält­nis zwi­schen dem Haupt/Un­ter­frachtführer und einem (wei­te­ren) Un­ter­frachtführer.

Link­hin­weis:

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