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Steuerberatung

Thesaurierungsbegünstigung - keine Änderung durch das Optionsmodell?

Mit dem sog. Optionsmodell soll der Personengesellschaft die Möglichkeit eingeräumt werden, wie eine Kapitalgesellschaft besteuert zu werden. Die Pläne dazu sehen bislang keine Abstimmung mit der bereits bestehenden Thesaurierungsbegünstigung vor.

Die­ser Umstand über­rascht Steu­er­fach­leute bis­lang, wurde doch bereits die The­sau­rie­rungs­be­güns­ti­gung vor gerau­mer Zeit geschaf­fen, um Besteue­rungs­un­ter­schiede zwi­schen den Rechts­for­men zu redu­zie­ren.

Um was geht es bei der The­sau­rie­rungs­be­güns­ti­gung?

Ein­zel­un­ter­neh­mer und Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft haben den auf sie ent­fal­len­den Gewinn des Unter­neh­mens grund­sätz­lich unab­hän­gig davon zu ver­steu­ern, ob sie Ent­nah­men täti­gen oder den Gewinn im Unter­neh­men the­sau­rie­ren. Die dadurch ent­ste­hende steu­er­li­che Mehr­be­las­tung im The­sau­rie­rungs­fall gegen­über Anteils­eig­nern von Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, die nur bei Gewinn­aus­schüt­tung mit Ertrag­steu­ern belas­tet wer­den, kann durch die The­sau­rie­rungs­be­güns­ti­gung für nicht ent­nom­mene Gewinne abge­mil­dert wer­den.

Gesell­schaf­ter von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten und Ein­zel­un­ter­neh­mer kön­nen aber bean­tra­gen, nicht ent­nom­mene Gewinne anstatt mit der tarif­li­chen Ein­kom­men­steuer ganz oder teil­weise mit einem (Son­der-)Steu­er­satz von 28,25 % zu ver­steu­ern. Vor­aus­set­zung für die The­sau­rie­rungs­be­güns­ti­gung bei Gesell­schaf­tern einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ist, dass die Betei­li­gung am Gewinn min­des­tens 10 % oder mehr als 10.000 € beträgt. Wer­den die the­sau­ri­er­ten Gewinne abzüg­lich der dar­auf ent­fal­len­den Steuer in spä­te­ren Ver­an­la­gungs­jah­ren ent­nom­men, kommt es zu einer Nach­ver­steue­rung mit 25 %. Die Inan­spruch­nahme der The­sau­rie­rungs­be­güns­ti­gung lohnt sich daher umso mehr, je höher der indi­vi­du­elle Durch­schnitts­steu­er­satz liegt und je län­ger Gewinne im Unter­neh­men the­sau­ri­ert wer­den. Grund­sätz­lich ist aber zu beach­ten, dass die sich bei Nut­zung der The­sau­rie­rungs­be­steue­rung und der Nach­ver­steue­rung bei spä­te­rer Ent­nahme the­sau­ri­er­ter Gewinne erge­bende Gesamt­steu­er­be­las­tung die Regel­be­steue­rung über­sch­rei­tet.

Wie stellt sich das Zusam­men­spiel mit dem Opti­ons­mo­dell nach den aktu­el­len Plä­nen dar?

Im Gesetz­ent­wurf zum sog. Kör­per­schaft­steu­er­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz, in dem das Opti­ons­mo­dell ent­hal­ten ist, sind bis­lang keine Rege­lun­gen hin­sicht­lich der The­sau­rie­rungs­be­güns­ti­gung ent­hal­ten.

Zu beach­ten ist aber, dass es nach gel­ten­der Rechts­lage bei Betriebs­ve­r­äu­ße­rung oder Betriebs­auf­gabe gen­auso wie bei der Ein­brin­gung des Betriebs oder Mit­un­ter­neh­me­r­an­teils in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft oder dem Form­wech­sel einer Per­so­nen- in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft zur Nach­ver­steue­rung des nach­ver­steue­rungspf­lich­ti­gen Betrags kommt. Da die geplante Option zur Kör­per­schaft­steuer nach dem Opti­ons­mo­dell wie bei einer ech­ten Umwand­lung eine Nach­ver­steue­rung aus­lö­sen würde, würde die Opti­ons­aus­übung hier deut­lich nach­tei­lig wir­ken. Zuvor the­sau­ri­erte Gewinne, für die die The­sau­rie­rungs­be­güns­ti­gung in Anspruch genom­men wurde, müss­ten dann nach­ver­steu­ert wer­den. Das Opti­ons­mo­dell wäre damit für bis­lang die The­sau­rie­rungs­be­güns­ti­gung nut­zende Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten in der Regel wenig attrak­tiv.

Hin­weis: Es bleibt abzu­war­ten, ob im wei­te­ren Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren diese Pro­b­le­ma­tik noch auf­ge­grif­fen wird. Auch wäre zu wün­schen, dass insg. die vor­ge­se­he­nen Rege­lun­gen des Opti­ons­mo­dells mit den beste­hen­den Rege­lun­gen der The­sau­rie­rungs­be­güns­ti­gung abge­stimmt wer­den. Dabei sollte der Gesetz­ge­ber auch in Betracht zie­hen, die bis­lang in der Pra­xis wenig genutzte The­sau­rie­rungs­be­güns­ti­gung attrak­ti­ver zu gestal­ten.

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