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StaRUG macht Krisenfrüherkennung zur Pflicht!

Noch kurz vor Jahresende verabschiedete der Gesetzgeber das sog. Gesetz zur Fortentwicklung des Sanierungs- und Insolvenzrechts, kurz SanInsFoG. Darin enthalten ist das sog. Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen, kurz StaRUG, das die Implementierung eines Systems zur Krisenfrüherkennung und des Krisenmanagements bei haftungsbeschränkten Unternehmen vorsieht.

Die bis­her bereits an Akti­en­ge­sell­schaf­ten gerich­tete Anfor­de­rung, bestands­ge­fähr­dende Risi­ken durch ein Sys­tem zur Kri­sen­früh­er­ken­nung zu über­wa­chen und zu mana­gen, wurde damit auch für alle ande­ren haf­tungs­be­schrän­k­ende Rechts­for­men kodi­fi­ziert. Mit Blick auf die Geschäfts­lei­ter tref­fende Pflich­ten sollte sich diese Kri­sen­früh­er­ken­nung auf einen Zei­traum von 24 Mona­ten erst­re­cken.

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Kri­sen­früh­er­ken­nung und Kri­sen­ma­na­ge­ment gesetz­lich ver­an­kert

Mit der all­ge­mei­nen gesetz­li­chen Fest­sch­rei­bung einer Kri­sen­früh­er­ken­nung und eines Kri­sen­ma­na­ge­ments bezweckt der Gesetz­ge­ber, dass Ent­wick­lun­gen, die den Fort­be­stand des Unter­neh­mens gefähr­den kön­nen, früh­zei­tig erkannt wer­den. Des­halb sieht das

Sta­RUG rechts­form­über­g­rei­fende Rege­lun­gen für Geschäfts­lei­ter haf­tungs­be­schränk­ter Unter­neh­men, also juris­ti­scher Per­so­nen, wie etwa einer GmbH oder AG bzw. über § 1 Abs. 2 Sta­RUG einer GmbH & Co. KG, im Bereich der Kri­sen­früh­er­ken­nung und -bewäl­ti­gung vor.

Hin­weis: Die Rege­lungs­dichte ist hoch: Wei­ter­ge­hende, bereits beste­hende spe­zial­ge­setz­li­che Rege­lun­gen, wie etwa in § 91 Abs. 2 AktG (von dem bereits eine Aus­strah­lungs­wir­kung auf andere Rechts­for­men aus­ging), § 92 Abs. 1 und § 93 Abs. 2 AktG, § 25a Abs. 1 Satz 3 KWG, § 49 Abs. 2 und 3 GmbHG sowie §§ 15a ff. InsO sind zusätz­lich zu beach­ten.

Was muss die Geschäfts­füh­rung tun?

§ 1 Abs. 1 Satz 1 Sta­RUG verpf­lich­tet die Geschäfts­lei­ter zur Über­wa­chung von Ent­wick­lun­gen, die zur Bestands­ge­fähr­dung des Unter­neh­mens füh­ren kön­nen. Der kon­k­rete Umfang die­ser Pflicht ist von der Größe, Bran­che, Struk­tur und auch der Rechts­form des jewei­li­gen Unter­neh­mens abhän­gig, wobei in der Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs betont wird, dass über­schau­bare Ver­hält­nisse bei klei­nen Unter­neh­men nicht zu einer Über­frach­tung der Risi­ko­über­wa­chung­s­an­for­de­run­gen füh­ren dür­fen.

Es wird jedoch aus­drück­lich klar­ge­s­tellt, dass die Geschäfts­lei­ter in jedem Fall gehal­ten sind, die Ver­hält­nisse des Unter­neh­mens und die Ent­wick­lun­gen, die für die Tätig­keit des Unter­neh­mens rele­vant sind, lau­fend dar­auf­hin zu beo­b­ach­ten und zu über­prü­fen, ob sie das Poten­zial haben, bei unge­hin­der­tem Fort­gang den Fort­be­stand des Unter­neh­mens zu gefähr­den. Um eine dro­hende Zah­lung­s­un­fähig­keit als bestand­ge­fähr­den­des Risiko zu über­wa­chen, muss der Betrach­tungs­zei­traum 24 Monate umfas­sen. Bei sich abzeich­nen­den Risi­ken einer Krise stei­gen zudem die Anfor­de­run­gen an deren Über­wa­chung.

Kon­k­ret bedeu­tet dies, dass der Geschäfts­lei­ter für eine Orga­ni­sa­tion sor­gen muss, die ihm die zur Wahr­neh­mung sei­ner Pflich­ten erfor­der­li­che Über­sicht über die wirt­schaft­li­che und finan­zi­elle Situa­tion des Unter­neh­mens jeder­zeit ermög­licht. Dazu muss er die wirt­schaft­li­che Lage des Unter­neh­mens lau­fend beo­b­ach­ten.

Dazu ist ein Früh­er­ken­nungs­sys­tem im Unter­neh­men ein­zu­rich­ten, das bestands­ge­fähr­dende Ent­wick­lun­gen erkennt. Die aus der Risi­ko­früh­er­ken­nung gewon­nen Erkennt­nisse, etwa aus der Innen­re­vi­sion oder dem Con­trol­ling, müs­sen der Geschäfts­lei­tung zeit­nah zur Kennt­nis gebracht wer­den. Für die prak­ti­sche Umset­zung emp­fiehlt sich die Fest­le­gung ein­deu­ti­ger Zustän­dig­kei­ten, ein regel­mä­ß­i­ges Berichts­we­sen und hin­rei­chende Doku­men­ta­tion.

Zeich­net sich nach den Infor­ma­tio­nen die­ses Frühwarn­sys­tems eine Krise ab, muss der Geschäfts­lei­ter recht­zei­tig geeig­nete Gegen­maß­nah­men erg­rei­fen, § 1 Abs. 1 Satz 2 Sta­RUG. Wel­che Maß­nah­men ergrif­fen wer­den, rich­tet sich nach den Erfor­der­nis­sen des Ein­zel­falls. Im Zwei­fel muss der Geschäfts­lei­ter kun­di­gen exter­nen Rat ein­ho­len. Zu den Maß­nah­men kann auch der sog. präv­en­tive Restruk­tu­rie­rungs­rah­men die­nen, der im Rah­men die­ses Geset­zes neu ein­ge­führt wurde.

Bei Anzei­chen einer Krise ist zudem den zur Über­wa­chung der Geschäfts­lei­tung beru­fe­nen Orga­nen (Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung, Bei­rat, Auf­sichts­rat) unver­züg­lich Bericht zu erstat­ten.

Kommt der Geschäfts­füh­rer die­sen Pflich­ten nicht nach, kann er allein schon auf­grund des Feh­lens eines Kri­sen­früh­er­ken­nungs­sys­tems haft­bar sein.

So kön­nen wir hel­fen

Mit unse­ren inter­dis­zi­p­li­nä­ren Leis­tun­gen unter­stüt­zen wir die Geschäfts­lei­ter bei der Erfül­lung ihrer Pflich­ten und ste­hen ihnen bei Hand­lungs­be­darf mit Lösungs­vor­schlä­gen und Kon­zep­ten zur Seite. Dabei kön­nen wir sowohl prü­fe­risch als auch bera­tend tätig wer­den.

StaRUG macht Krisenfrüherkennung zur Pflicht!
 

Kon­zep­tio­nie­rung und Imp­le­men­tie­rung eines Sys­tems zur Früh­er­ken­nung und Steue­rung von bestands­ge­fähr­den­den Risi­ken durch Auf­bau eines Über­wa­chungs­sys­tems

  • Unter­stüt­zung beim Auf­bau einer Metho­dik für die Risi­ko­auf­nahme, Risi­ko­be­wer­tung und Risi­ko­steue­rung (z.B. Fest­le­gung von Risi­ko­ka­te­go­rien, Vor­ge­hens­weise bei der Bestim­mung der Risi­ko­trag­fähig­keit und der Fest­le­gung von Wesent­lich­keits­g­ren­zen etc.)
  • Unter­stüt­zung bei der Durch­füh­rung einer ini­tia­len Risi­ko­in­ven­ta­ri­sie­rung und Risi­ko­be­wer­tung, z.B. für eine Pilot­ge­sell­schaft oder einen Pilot­be­reich / -pro­zess.
  • Unter­stüt­zung beim Auf­bau eines Repor­tings an die Geschäfts­lei­ter und ggf. die Über­wa­chung­s­or­gane z.B. in Form von z.B. Heat­maps und Dash­boards.
  • Defini­tion eines kenn­zah­len­ba­sier­ten Früh­er­ken­nungs­sys­tems
    • Erar­bei­tung eines Sets an rele­van­ten Kenn­zah­len (finan­zi­ell, ope­ra­tiv)
    • Aus­wahl und Eva­lu­ie­rung eines geeig­ne­ten BITools zur hand­hab­ba­ren kurz­fris­ti­gen Über­wa­chung
  • Unter­stüt­zung bei der Umset­zung: Fest­le­gung von Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Regel­pro­zes­sen, Ein­füh­rung von Tools (z.B. Luca­Net, BI-Tools etc.), Über­prü­fung (recht­lich) der Kon­for­mi­tät mit den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen, Bewer­tungs­sys­te­ma­tik für eine gesamt­hafte Betrach­tung etwai­ger Risi­ken, Ablei­tung von (recht­li­chen) Hand­lungs­emp­feh­lun­gen zum Risi­ko­ma­na­ge­ment (ver­si­chern, abwäl­zen, ver­mei­den, akzep­tie­ren).

Zusätz­li­che Leis­tun­gen bei Anzei­chen von unter­neh­mens­ge­fähr­den­den Ent­wick­lun­gen

  • Erstel­lung einer Liqui­di­täts­pla­nung zur Abde­ckung der nächs­ten 52 Wochen (12 Monate, siehe § 19 Abs. 1 Satz1 InsO n.F.)
  • Imp­le­men­tie­rung von rol­lie­ren­den Fore­cast-Pro­zes­sen für rele­vante finan­zi­elle und ope­ra­tive Kenn­zah­len - auch als Basis für Unter­neh­mens­pla­nun­gen; ggf. Ein­füh­rung unter­stüt­zen­der Tools (z.B. Pro­phix)
  • Erstel­lung einer sze­na­ri­o­fähi­gen Unter­neh­mens­pla­nung zur Simu­la­tion der mit­tel­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen der mög­li­chen Ent­wick­lun­gen

Zusätz­li­che Leis­tun­gen bei Anzei­chen von wahr­schein­lich unter­neh­mens­ge­fähr­den­den Ent­wick­lun­gen

  • Kon­zep­tio­nie­rung von Gegen­maß­nah­men
    • Kurz­fris­tige Maß­nah­men (liqui­di­täts­ge­trie­ben)
    • Struk­tu­relle Maß­nah­men (ertrags­ge­trie­ben)
    • Stra­te­gi­sche Maß­nah­men (ertrags- und geschäfts­mo­dell­ge­trie­ben)
  • Umset­zungs­un­ter­stüt­zung zur Absi­che­rung des Maß­nah­men­er­folgs

Prü­fungs­leis­tun­gen als Nach­weis für ein ange­mes­se­nes und wirk­sa­mes Risi­ko­früh­er­ken­nungs bzw. Risi­ko­ma­na­ge­ment­sys­tems

  • Quick-Check des Risi­ko­früh­er­ken­nungs­sys­tems im Hin­blick auf die Erfül­lung der Anfor­de­run­gen des IDW PS 340 n.F. und die gute Unter­neh­mens­pra­xis
  • (frei­wil­lige) Prü­fung des Risi­ko­früh­er­ken­nungs­sys­tems nach den Vor­ga­ben des IDW PS 340 n.F. 
  • Quick-Check Risi­ko­ma­na­ge­ment­sys­tem nach IDW PS 981
  • Prü­fung der Ange­mes­sen­heit und/oder Wirk­sam­keit des Risi­ko­ma­na­ge­ment­sys­tems nach IDW PS 981
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