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Sanierungskonzepte nach dem neuen IDW S 6

Am 18.7.2018 veröffentlichte das IDW die finale Fassung des IDW S 6 zur Neufassung des Standards zu Sanierungskonzepten. Auf den ersten Blick sehen die Änderungen in der Neufassung des IDW S 6 im Vergleich zum bisherigen Standard massiv aus - allerdings sind die Kernforderungen unverändert geblieben.

Am 18.7.2018 ver­öf­f­ent­lichte das IDW die finale Fas­sung des IDW S 6 zur Neu­fas­sung des Stan­dards zu Sanie­rungs­kon­zep­ten. Auf den ers­ten Blick sehen die Ände­run­gen in der Neu­fas­sung des IDW S 6 im Ver­g­leich zum bis­he­ri­gen Stan­dard mas­siv aus: Der Umfang wird um rund 40 % gerin­ger, obwohl Aus­füh­run­gen zu Kon­zep­ten klei­ne­rer Unter­neh­men ergänzt wur­den. Gleich­wohl sind die Ker­n­an­for­de­run­gen unve­r­än­dert geb­lie­ben.

Sanierungskonzepte nach dem neuen IDW S 6© Thinkstock

Neben der Straf­fung der Aus­füh­run­gen wer­den in der Neu­fas­sung dar­über hin­aus ein­zelne Klar­stel­lun­gen zu rele­van­ten Fra­ge­stel­lun­gen vor­ge­nom­men sowie bei der Beur­tei­lung der Stufe 1 des Sanie­rungs­kon­zepts (Fort­füh­rungs­kon­zept) auf den mitt­ler­weile ver­öf­f­ent­lich­ten IDW S 11 zur Beur­tei­lung des Vor­lie­gens von Insol­ven­zer­öff­nungs­grün­den ver­wie­sen. Des Wei­te­ren wurde der neue Stan­dard um ein Bei­spiel einer Glie­de­rung ergänzt, die einen gro­ben Glie­de­rungs­rah­men für das Sanie­rungs­kon­zept vor­ge­ben soll.

IDW S 6 stellt deut­li­cher als bis­her klar, dass bei klei­ne­ren Unter­neh­men das Aus­maß der Unter­su­chung und die Berich­t­er­stat­tung zu den ein­zel­nen Anfor­de­run­gen an die ggf. gerin­gere Kom­ple­xi­tät des Unter­neh­mens anzu­pas­sen sind.

Meist reicht etwa eine knappe Dar­stel­lung der stra­te­gi­schen Posi­tion und des Leit­bilds des sanier­ten Unter­neh­mens. Aus­füh­run­gen sind zudem nur dann erfor­der­lich, wenn sie eine für die Sanie­rung rele­vante Bedeu­tung haben.

IDW S 6 stellt das Stu­fen­kon­zept bei der Erstel­lung von Sanie­rungs­kon­zep­ten deut­li­cher als bis­her her­aus. Nach der Auf­trag­s­an­nahme ist in einer Vor­stufe zunächst eine unver­züg­li­che Beur­tei­lung der Insol­venz­an­trags­gründe erfor­der­lich. Wird eine akute Illi­qui­di­täts­lage fest­ge­s­tellt, müs­sen unver­züg­lich Maß­nah­men zu deren Besei­ti­gung kon­k­re­ti­siert und umge­setzt wer­den.

Auch wäh­rend der Erstel­lungs­phase ist von den gesetz­li­chen Ver­t­re­tern, aber auch vom Kon­zep­ter­s­tel­ler sicher­zu­s­tel­len, dass keine Insol­venz­reife ein­tritt. Am Ende der Erstel­lungs­phase trifft der Kon­zep­ter­s­tel­ler auf­trags­be­zo­gen eine Aus­sage zur Fort­füh­rungs­fähig­keit (Fort­füh­rungs­kon­zept) oder zur Sanie­rungs­fähig­keit (Sanie­rungs­kon­zept):

Fort­füh­rungs­fähig­keit (Stufe 1) liegt vor, wenn eine posi­tive insol­venz­recht­li­che Fort­be­ste­hen­s­prog­nose vor­liegt, aus der sich ergibt, dass plan­ge­mäß mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit die beste­hen­den und künf­ti­gen Ver­bind­lich­kei­ten im rele­van­ten Prog­no­se­zei­traum ent­sp­re­chend ihrer Fäl­lig­keit bedi­ent wer­den kön­nen.

Sanie­rungs­fähig­keit (Stufe 2) setzt vor­aus, dass die Fort­füh­rungs­fähig­keit (Stufe 1) vor­liegt und dar­über hin­aus durch geeig­nete Maß­nah­men – in einem ggf. ent­sp­re­chend ver­län­ger­ten Prog­no­se­zei­traum – auch nach­hal­tig sowohl die Wett­be­werbs­fähig­keit als auch die Ren­di­te­fähig­keit wie­der­er­langt wer­den kann.

IDW S 6 for­dert wie schon bis­her, dass ein sanier­tes Unter­neh­men wie­der attrak­tiv für Eigen- und Fremd­ka­pi­tal­ge­ber sein muss. Mit­hin wird eine Ren­ta­bi­li­tät bzw. Ren­di­te­fähig­keit und eine ange­mes­sene Eigen­ka­pi­tal­aus­stat­tung für not­wen­dig erach­tet, die sich im Rah­men des Markt­üb­li­chen bewegt und eine Refi­nan­zie­rung ermög­licht. Hin­sicht­lich die­ser Anfor­de­run­gen stellt der neue IDW S 6 klar, dass, soweit der Tur­na­round im Sanie­rungs­kon­zept auf­ge­zeigt wird, es aus­rei­chend erscheint, dass sich die Ren­di­te­fähig­keit und die Eigen­ka­pi­tal­aus­stat­tung im letz­ten Plan­jahr am unte­ren Ende der bran­chen­üb­li­chen Band­b­reite ori­en­tie­ren.

Anders als im ursprüng­li­chen Ent­wurf vor­ge­se­hen, ist es bei der Beur­tei­lung der Eigen­ka­pi­tal­aus­stat­tung zuläs­sig, neben dem bilan­zi­el­len Eigen­ka­pi­tal auch nachran­gige und lang­fris­tig zur Ver­fü­gung ges­tellte Fremd­ka­pi­tal­be­stand­teile zu berück­sich­ti­gen. Auch kann die Ren­dite anhand alter­na­ti­ver Kenn­zah­len wie bspw. dem Ver­hält­nis von Net­to­ver­schul­dung zu EBIT nach­ge­wie­sen wer­den.

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