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Neufassung des IDW S 6 Anforderungen an Sanierungskonzepte

Auf den ersten Blick sehen die Änderungen des vom IDW jüngst verabschiedeten Entwurfs einer Neufassung des IDW S 6 (IDW ES 6 n.F.) gegenüber dem geltenden Standard massiv aus: Der Umfang wird um rund 40 % geringer, obwohl Ausführungen zu Konzepten kleinerer Unternehmen ergänzt wurden. Gleichwohl sind die Kernanforderungen unverändert geblieben.

Neben der Straf­fung der Aus­füh­run­gen wer­den im vor­lie­gen­den Ent­wurf dar­über hin­aus ein­zelne Klar­stel­lun­gen zu rele­van­ten Fra­ge­stel­lun­gen vor­ge­nom­men sowie bei der Beur­tei­lung der Stufe 1 des Sanie­rungs­kon­zepts (Fort­füh­rungs­kon­zept) auf den mitt­ler­weile ver­öf­f­ent­lich­ten IDW S 11 zur Beur­tei­lung des Vor­lie­gens von Insol­ven­zer­öff­nungs­grün­den ver­wie­sen. Des Wei­te­ren wurde der Ent­wurf um ein Bei­spiel einer Glie­de­rung ergänzt, die einen gro­ben Glie­de­rungs­rah­men für das Sanie­rungs­kon­zept vor­ge­ben soll.

Neufassung des IDW S 6 Anforderungen an Sanierungskonzepte © Thinkstock

Beson­der­hei­ten bei klei­ne­ren Unter­neh­men

IDW ES 6 n. F. stellt deut­li­cher als bis­her klar, dass bei klei­ne­ren Unter­neh­men das Aus­maß der Unter­su­chung und die Berich­t­er­stat­tung zu den ein­zel­nen Anfor­de­run­gen an die ggf. gerin­gere Kom­ple­xi­tät des Unter­neh­mens anzu­pas­sen sind.

Meist reicht z. B. eine knappe Dar­stel­lung der stra­te­gi­schen Posi­tion und des Leit­bilds des sanier­ten Unter­neh­mens. Aus­füh­run­gen sind zudem nur dann erfor­der­lich, wenn sie eine für die Sanie­rung rele­vante Bedeu­tung haben. Umfäng­li­che Aus­füh­run­gen zur all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Lage sind daher oft­mals kon­tra­pro­duk­tiv.

Zu beach­ten ist aber auch, dass „kurz und auf den Punkt gebracht“ nicht auto­ma­tisch „güns­tig“ heißt: Oft stel­len eine deso­late Daten­lage und eine schwach aus­ge­prägte Buch­füh­rung eine beson­dere und kos­ten­in­ten­sive Her­aus­for­de­rung bei klei­ne­ren Unter­neh­men dar.

Pha­sen der Sanie­rung

IDW ES 6 n. F. stellt das Stu­fen­kon­zept bei der Erstel­lung von Sanie­rungs­kon­zep­ten deut­li­cher als bis­her her­aus.

Nach der Auf­trag­s­an­nahme ist in einer Vor­stufe zunächst eine unver­züg­li­che Beur­tei­lung der Insol­venz­an­trags­gründe nach IDW S 11 erfor­der­lich. Wird eine akute Illi­qui­di­täts­lage fest­ge­s­tellt, müs­sen unver­züg­lich, d.h. inn­er­halb von längs­tens drei Wochen, Maß­nah­men zu deren Besei­ti­gung kon­k­re­ti­siert und umge­setzt wer­den.

Auch wäh­rend der Erstel­lungs­phase ist von den gesetz­li­chen Ver­t­re­tern, aber auch vom Kon­zep­ter­s­tel­ler sicher­zu­s­tel­len, dass keine Insol­venz­reife ein­tritt.

Am Ende der Erstel­lungs­phase trifft der Kon­zep­ter­s­tel­ler auf­trags­be­zo­gen eine Aus­sage zur Fort­füh­rungs­fähig­keit (Fort­füh­rungs­kon­zept) oder zur Sanie­rungs­fähig­keit (Sanie­rungs­kon­zept):

  • Fort­füh­rungs­fähig­keit (Stufe 1) liegt vor, wenn eine posi­tive insol­venz­recht­li­che Fort­be­ste­hen­s­prog­nose vor­liegt aus der sich ergibt, dass plan­ge­mäß mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit die beste­hen­den und künf­ti­gen Ver­bind­lich­kei­ten im rele­van­ten Prog­no­se­zei­traum ent­sp­re­chend ihrer Fäl­lig­keit bedi­ent wer­den kön­nen.
  • Sanie­rungs­fähig­keit (Stufe 2) setzt vor­aus, dass Fort­füh­rungs­fähig­keit (Stufe 1) vor­liegt und dar­über hin­aus durch geeig­nete Maß­nah­men – in einem ggf. ent­sp­re­chend ver­län­ger­ten Prog­no­se­zei­traum – auch nach­hal­tig sowohl die Wett­be­werbs­fähig­keit als auch die Ren­di­te­fähig­keit wie­der­er­langt wer­den kann.

Ren­di­te­fähig­keit und die Eigen­ka­pi­tal­aus­stat­tung

Der BGH for­dert, dass ein Unter­neh­men „dau­er­haft“ bzw. „durch­g­rei­fend“ saniert wer­den muss, es inso­weit nach Umset­zung der Sanie­rung wie­der „pro­fi­ta­bel“ arbei­tet  und somit die „Ren­ta­bi­li­tät der unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit“ wie­der­her­ge­s­tellt ist. Diese Anfor­de­run­gen sind in betriebs­wirt­schaft­li­cher Hin­sicht zu kon­k­re­ti­sie­ren.

IDW ES 6 n. F. for­dert des­halb – wie bis­her –  dass ein sanier­tes Unter­neh­men wie­der attrak­tiv für Eigen- und Fremd­ka­pi­tal­ge­ber sein muss. Mit­hin wird eine Ren­ta­bi­li­tät bzw. Ren­di­te­fähig­keit und eine ange­mes­sene Eigen­ka­pi­tal­aus­stat­tung für not­wen­dig erach­tet, die sich im Rah­men des Markt­üb­li­chen bewegt. Hin­sicht­lich die­ser Anfor­de­run­gen stellt der Ent­wurf der Neu­fas­sung klar, dass, soweit der Tur­na­round im Sanie­rungs­kon­zept auf­ge­zeigt wird, es aus­rei­chend erscheint, dass sich die Ren­di­te­fähig­keit und die Eigen­ka­pi­tal­aus­stat­tung im letz­ten Plan­jahr am unte­ren Ende der bran­chen­üb­li­chen Band­b­reite ori­en­tie­ren. Dies trägt ins­be­son­dere dem Umstand Rech­nung, dass sich die Umset­zung der Sanie­rungs­maß­nah­men oft­mals über einen län­ge­ren Zei­traum hin­zieht, der nicht durch den vor­lie­gen­den Pla­nungs­zei­traum abge­deckt ist und sich somit ein­ge­lei­tete wei­tere Ver­bes­se­run­gen der Ren­ta­bi­li­tät erst spä­ter in den Zah­len voll­stän­dig nie­der­schla­gen.

Hin­weis

Der vor­ge­legte Ent­wurf (IDW ES 6 n. F.) wurde im August 2017 mit wich­ti­gen Sta­ke­hol­dern einer Sanie­rung dis­ku­tiert und im Sep­tem­ber 2017 vom Fach­aus­schuss Sanie­rung und Insol­venz ver­ab­schie­det, vom HFA bil­li­gend zur Kennt­nis genom­men sowie ver­öf­f­ent­licht.

Die inter­es­sierte Öff­ent­lich­keit hat die Mög­lich­keit, bis zum 31.1.2018 Stel­lung zu neh­men. Mit einer end­gül­ti­gen Ver­ab­schie­dung des Stan­dards ist bis Som­mer 2018 zu rech­nen. Dann wird vor­aus­sicht­lich auch eine Neu­fas­sung des Fra­gen- und Ant­wor­ten-Papiers (ein­schl. der aus­ge­la­ger­ten betriebs­wirt­schaft­li­chen Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen) ver­öf­f­ent­licht.

Im Detail set­zen sich Bern­hard Stef­fan und Dr. Hen­rik Sol­me­cke in der Zeit­schrift WPg 2017, S. 1410 "Sanie­rungs­kon­zepte auch für den Mit­tel­stand - Neu­fas­sung des IDW S 6" mit die­ser The­ma­tik aus­ein­an­der.
 
 


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