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Risikoreduzierungsgesetz - Neue Anforderungen an Vergütungssysteme und die Eignung von Organmitgliedern

Am 14.12.2020 wurde das Ge­setz zur Re­du­zie­rung von Ri­si­ken und zur Stärkung der Pro­por­tio­na­lität im Ban­ken­sek­tor (Ri­si­ko­re­du­zie­rungs­ge­setz, kurz RiG) veröff­ent­licht.

Da­mit sol­len im We­sent­li­chen die Richt­li­nien aus dem EU-Ban­ken­pa­ket um­ge­setzt wer­den, wo­bei in ers­ter Li­nie das Kre­dit­we­sen­ge­setz (KWG n. F.) geändert wird. Mit Blick auf die eu­ro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben trat bzw. tritt das RiG ge­staf­felt am 28.12.2020, 29.12.2020, am 28.6.2021 und am 1.1.2023 in Kraft.

Die Um­set­zung des EU-Ban­ken­pa­kets macht par­al­lel zum KWG auch eine An­pas­sung ver­schie­de­ner Merkblätter der Ba­Fin und na­tio­na­ler Ver­ord­nun­gen, u. a. der In­sti­tuts­vergütungs­ver­ord­nung (In­sti­tuts­VergV) er­for­der­lich. Hierzu liegt seit dem 12.11.2020 mit Kon­sul­ta­tion 15/2020 der Ba­Fin die geänderte Ver­ord­nung (In­sti­tuts­VergV-E) vor.

In die­sem Bei­trag ge­hen wir auf neuen Re­ge­lun­gen zu den Vergütungs­sys­te­men, den Eig­nungs­an­for­de­run­gen an Ge­schäfts­lei­ter und Auf­sichtsräte so­wie die da­mit zu­sam­menhängen­den An­zei­ge­vor­schrif­ten ein. Wei­tere wich­tige As­pekte zu neuen An­for­de­run­gen aus dem RiG be­leuch­ten wir in der nächs­ten Aus­gabe des no­vus Fi­nan­cial Ser­vices.

Regelungen zu Vergütungssystemen

Der Be­griff des be­deu­ten­den In­sti­tuts wurde 2019 von der In­sti­tuts­VergV in § 25n KWG über­nom­men und ist nun zen­tral in § 1 Abs. 3c KWG n. F. ver­or­tet. Hier­bei han­delt es sich insb. um In­sti­tute mit ei­ner Bi­lanz­summe von über EUR 15 Mrd. Der Be­griff dient der Ver­ein­heit­li­chung der Be­griffs­be­stim­mun­gen, ei­ner­seits zur Be­stim­mung der Ri­si­koträger (sog. Risk Ta­ker), an­de­rer­seits in Be­zug auf die An­wend­bar­keit be­son­de­rer An­for­de­run­gen in §§ 25c und 25d KWG und er­setzt dort den bis­lang ver­wen­de­ten Be­griff des In­sti­tuts von er­heb­li­cher Be­deu­tung.

Bis­lang wa­ren die Re­ge­lun­gen für Ri­si­koträger in den Vergütungs­sys­te­men ei­nes In­sti­tuts nur auf be­deu­tende In­sti­tute an­zu­wen­den. Ab dem Ge­schäfts­jahr 2021 ist bei der Ri­si­koträger-Iden­ti­fi­zie­rung zwi­schen Ri­si­koträger-Kri­te­rien zu un­ter­schei­den, die gemäß § 25 Abs. 5b S. 1 KWG n. F. auf sämt­li­che In­sti­tute, also be­deu­tende In­sti­tute und nicht-be­deu­tende CRR-In­sti­tute an­wend­bar sind (sog. ge­bo­rene Risk Ta­ker) und Ri­si­koträger-Kri­te­rien, die nach § 25a Abs. 5b S. 2 und 3 KWG n. F. nur von be­deu­ten­den In­sti­tu­ten im Rah­men der ei­gen­ver­ant­wort­li­chen Ri­si­ko­ana­lyse berück­sich­tigt wer­den müssen.

Da­mit sind nun bei al­len CRR-In­sti­tu­ten un­abhängig von de­ren Größe, Or­ga­ni­sa­tion, Art, Um­fang und Kom­ple­xität der Ge­schäftstätig­kei­ten für be­stimmte Mit­ar­bei­ter­ka­te­go­rien zwin­gend die Ri­si­koträge­rei­gen­schaft (ge­bo­rene Risk Ta­ker) an­ge­nom­men:

  • Mit­ar­bei­ter der un­mit­tel­bar nach­ge­la­ger­ten Führungs­ebene,
  • Mit­ar­bei­ter mit Ma­nage­ment­ver­ant­wor­tung für die Kon­troll­funk­tio­nen oder für die we­sent­li­chen Ge­schäfts­be­rei­che so­wie
  • be­stimmte Mit­ar­bei­ter mit einem An­spruch auf Vergütung im ver­gan­ge­nen Ge­schäfts­jahr von min­des­tens EUR 500.000.

Zu den ge­bo­re­nen Risk Ta­kern ei­nes In­sti­tuts gehören auch sämt­li­che Mit­glie­der der Ge­schäfts­lei­tung und des Auf­sichts- oder Ver­wal­tungs­or­gans. Für die Mit­glie­der des Ver­wal­tungs- oder Auf­sichts­or­gans hat dies je­doch keine prak­ti­schen Kon­se­quen­zen, da diese für ihre Tätig­keit gemäß § 25d Abs. 5 Satz 2 KWG keine va­ria­ble Vergütung er­hal­ten dürfen.

Hin­weis: Die Pflicht zur Ri­si­koträger-Ana­lyse be­trifft da­mit ne­ben den be­deu­ten­den CRR-In­sti­tu­ten ab dem Ge­schäfts­jahr 2021 auch alle nicht-be­deu­ten­den CRR-In­sti­tute so­wie be­deu­tende In­sti­tute, die keine CRR-In­sti­tute sind. Aus­ge­nom­men sind le­dig­lich Lea­sing- und Fac­to­ring­in­sti­tute (siehe nach­fol­gend). Da­mit wer­den für viele kleine und mit­tel­große Kre­dit­in­sti­tute neue auf­sichts­recht­li­che Pflich­ten ge­schaf­fen.

Be­deu­tende In­sti­tute ha­ben wie bis­her eine um­fas­sende Risk Ta­ker-Ana­lyse nach Maßgabe des § 25a Abs. 5b S. 2 bis 6 KWG n. F. und der Vor­ga­ben der De­le­gier­ten Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/2014 durch­zuführen. Die Eu­ropäische Ban­ken­auf­sichts­behörde (EBA) hat am 18.6.2020 den fi­na­len Ent­wurf zur über­ar­bei­te­ten Fas­sung der de­le­gier­ten Ver­ord­nung veröff­ent­licht, der demnächst von der EU-Kom­mis­sion er­las­sen wer­den soll.

Hin­weis: Diese de­le­gierte Ver­ord­nung soll auch nicht-be­deu­ten­den In­sti­tu­ten bei der auf­sichts­recht­li­chen Ab­lei­tung der Mit­ar­bei­ter­ka­te­go­rien Hilfe leis­ten (§ 25a Abs. 5b Satz 7 KWG n. F.).

Zur Ver­hin­de­rung ei­ner Um­ge­hung der Vergütungs­vor­schrif­ten wer­den die Vor­ga­ben auch auf Ri­si­koträger in den den In­sti­tu­ten nach­ge­la­ger­ten Un­ter­neh­men, die nicht dem KWG un­ter­stellt sind, aus­ge­wei­tet (§ 25a Abs. 6 Satz 1 Nr. 1 KWG n. F.). Die Er­wei­te­rung zielt insb. auf grup­pen­an­gehörige Ka­pi­tal­ver­wal­tungs­ge­sell­schaf­ten ab.

Für Lea­sing- und Fac­to­ring­in­sti­tute wer­den Er­leich­te­rung bei den An­for­de­run­gen an de­ren Vergütungs­sys­teme ein­geführt, da die Vergütungs­vor­schrif­ten bei ih­nen keine be­son­dere Steue­rungs­wir­kung ent­fal­ten. Sie wer­den von den Re­ge­lun­gen nach § 25a Abs. 5 und 5b KWG n. F. aus­ge­nom­men (§ 2 Abs. 7a KWG n. F.). 

Hin­weis: Lea­sing- und Fac­to­ring­in­sti­tute ha­ben je­doch wei­ter­hin die all­ge­mei­nen An­for­de­run­gen an die Vergütungs­sys­teme des § 25a Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 KWG zu erfüllen.

Ergänzend wur­den die Sank­tio­nen ver­schärft (§ 45 KWG n. F.). So kann die Auf­sicht bei Verstößen ge­gen die An­ge­mes­sen­heit der Vergütungs­sys­teme nicht nur Ent­nah­men und Ge­winn­aus­schüttun­gen, son­dern auch die Aus­zah­lung va­ria­bler Vergütun­gen be­gren­zen oder un­ter­sa­gen. Die An­ord­nung kann sich auf den Ge­samt­be­trag, kon­krete Vergütungs­be­stand­teile oder auf­ge­scho­bene Aus­zah­lungs­tran­chen früherer Ge­schäfts­jahre be­zie­hen.

Über die neue im Ent­wurf vor­lie­gende In­sti­tuts­VergV-E er­folgt für die CRR-In­sti­tute künf­tig eine wei­tere wich­tige Dif­fe­ren­zie­rung. Bis­lang hat­ten nur be­deut­same In­sti­tute i. S. d. § 25n KWG die An­for­de­run­gen des Ab­schn.s 3 der In­sti­tut­VergV zu erfüllen. Über den neu ge­fass­ten § 1 Abs. 3 In­sti­tuts­VergV-E ha­ben alle CRR-In­sti­tute, so­weit sie nicht klei­nes und nicht kom­ple­xes In­sti­tut (Small and Non-Com­plex In­sti­tu­tion – SNCI) gemäß Art. 4 Abs. 1 Nr. 145 CRR sind, teil­weise auch die be­son­de­ren An­for­de­run­gen der In­stu­tuts­VergV-E zu erfüllen.

Hin­weis: Da­mit müssen alle CRR-In­sti­tute mit ei­ner Bi­lanz­summe zwi­schen EUR 5 und 15 Mrd. künf­tig für ihre iden­ti­fi­zier­ten Ri­si­koträger zusätz­lich die Vergütungs­vor­schrif­ten der §§ 18 ff. In­sti­tuts­VergV-E an­wen­den. Das DK be­tonte im Rah­men der Kon­sul­ta­ti­ons­phase, dass dies eine kom­plette Neu­aus­rich­tung des Vergütungs­sys­tems für die­sen Mit­ar­bei­ter­kreis be­deu­tet und die erst­ma­lige Prüfung der Be­leg­schaft auf die Ri­si­koträge­rei­gen­schaft so­wie die Um­set­zung der §§ 18 ff. In­sti­tuts­VergV-E er­heb­li­che Zu­satz­be­an­spru­chun­gen dar­stel­len wer­den.

Anforderungen an die Eignung von Mitgliedern des Leitungsorgans eines KWG-Instituts
(Fit-and-Proper-Anforderungen)

In § 25c KWG n. F. wurde ein neuer Abs. 1a ein­gefügt. Die Ge­schäfts­lei­ter müssen künf­tig nicht nur in­di­vi­du­ell, son­dern auch kol­lek­tiv (also in ih­rer Ge­samt­heit) ein an­ge­mes­se­nes brei­tes Spek­trum von Kennt­nis­sen, Fähig­kei­ten und Er­fah­run­gen vor­wei­sen, die zum Verständ­nis der Tätig­kei­ten des In­sti­tuts und sei­nen Haupt­ri­si­ken not­wen­dig sind.

Zur Eva­lu­ie­rung der Ge­samt­qua­li­fi­ka­tion der Ge­schäfts­lei­tung und des Ver­wal­tungs- und Auf­sichts­or­gans hatte die Ba­Fin in ih­rer Kon­sul­ta­tion zum „Merk­blatt zu den Ge­schäfts­lei­tern gemäß KWG, ZAG und KAGB“ und zum „Merk­blatt zu den Mit­glie­dern von Ver­wal­tungs- oder Auf­sichts­or­ga­nen gemäß KWG und KAGB“ vom 3.6.2020 eine ent­spre­chende Mus­ter-Ma­trix bei­gefügt, die recht um­fang­reich die Über­le­gun­gen der In­sti­tute do­ku­men­tie­ren soll.

Hin­weis: Dies zeigt, dass sich die Ba­Fin künf­tig bei Er­nen­nung ei­nes neuen Mit­glieds des Lei­tungs­or­gans ge­nau erklären las­sen wird, wie die­ses in das be­ste­hende Lei­tungs­gefüge passt.

Die bei­den über­ar­bei­te­ten Merkblätter ent­hal­ten die Ände­run­gen und An­pas­sun­gen, die sich aus den re­le­van­ten Vor­ga­ben des RiG insb. in Be­zug auf die An­for­de­run­gen an Ge­schäfts­lei­ter (§ 25c KWG) und Auf­sichtsräte (§ 25d KWG) und die An­zei­ge­pflich­ten (§ 24 KWG) er­ge­ben. Die we­sent­li­chen Neue­run­gen be­zie­hen sich auf:

  • Ver­schärfte An­for­de­run­gen an das auf­sicht­li­che Überprüfungs­ver­fah­ren (sog. Fit and Pro­per-Prüfung): diese be­inhal­ten eine Kon­kre­ti­sie­rung der An­for­de­run­gen, u. a. An­zeige von Wie­der­be­stel­lun­gen, so­wie Aus­wei­tung der im An­zei­ge­ver­fah­ren ein­zu­ho­len­den In­for­ma­tio­nen und er­wei­terte In­for­ma­ti­ons­pflich­ten der be­auf­sich­tig­ten Un­ter­neh­men ge­genüber der Auf­sicht,
  • An­pas­sun­gen der ma­te­ri­el­len An­for­de­run­gen an Ge­schäfts­lei­ter und Mit­glie­der von Auf­sichts­or­ga­nen mit Schwer­punkt in der Man­datszählung,
  • An­for­de­run­gen an in­terne Richt­li­nien und Pro­zesse der In­sti­tute: Teil der ord­nungs­gemäßen Ge­schäfts­or­ga­ni­sa­tion ei­nes In­sti­tuts sind künf­tig Eig­nungs- und Di­ver­sitätsricht­li­nien, Einführungs- und Schu­lungs­richt­li­nien so­wie Richt­li­nien für den Um­gang mit In­ter­es­sen­kon­flik­ten,
  • Hin­weise zu Pflich­ten der In­sti­tute: diese um­fas­sen insb. die Durchführung von in­ter­nen Prüfun­gen der in­di­vi­du­el­len und kol­lek­ti­ven Eig­nung von Or­gan­mit­glie­dern, Eig­nungsprüfung von In­ha­bern von Schlüssel­funk­tio­nen, Um­gang mit In­ter­es­sen­kon­flik­ten,
  • Hin­weise für Wert­pa­pier­fir­men: diese um­fas­sen di­verse Hin­weise zu den zu ver­wen­den­den For­mu­la­ren.

Hin­weis: Die bei­den über­ar­bei­te­ten Merkblätter ent­hal­ten die Ände­run­gen und An­pas­sun­gen, die sich di­rekt aus den zu­grunde lie­gen­den Vor­ga­ben des RiG er­ge­ben, insb. in Be­zug auf die An­zei­gen (§ 24 KWG) und die An­for­de­run­gen an Ge­schäfts­lei­ter (§ 25c KWG) und Auf­sichtsräte (§ 25d KWG). Eine endgültige Veröff­ent­li­chung der bei­den geänder­ten Merkblätter durch die Ba­Fin stand zum Re­dak­ti­ons­schluss im De­zem­ber 2020 noch aus.

Ergänzend wer­den neue An­zei­ge­pflich­ten in § 24 KWG n. F. auf­ge­nom­men:

  • Eig­nungs­test der Or­gan­mit­glie­der: künf­tig sind auch die tatsäch­li­chen Er­geb­nisse der Be­ur­tei­lung der Eig­nungs­an­for­de­run­gen so­wie neue Tat­sa­chen, die sich auf die ur­sprüng­li­che Be­ur­tei­lung der Kri­te­rien aus­wir­ken können, un­verzüglich im Rah­men des An­zei­ge­ver­fah­rens mit­zu­tei­len (§ 24 Abs. 1 Nr. 1 bzw. Nr. 15 KWG n. F.).
  • Zu­dem kann die Ba­Fin zur Be­ur­tei­lung der Zu­verlässig­keit und Eig­nung der Or­gan­mit­glie­der ei­gene In­ter­views mit den an­ge­zeig­ten Per­so­nen führen (§ 24 Abs. 3e KWG n. F.).
  • Ge­schlechts­spe­zi­fi­sches Lohn­gefälle: Die Ba­Fin wird künf­tig von den In­sti­tu­ten jähr­lich In­for­ma­tio­nen zum ge­schlechts­spe­zi­fi­schen Lohn­gefälle er­he­ben, um diese zum Ver­gleich von Vergütungs­trends und -pra­xis zu nut­zen (§ 24 Abs. 1a Nr. 5 KWG n. F.).

Hin­weis: Die in die­sem Bei­trag erläuter­ten ge­setz­li­chen Neue­run­gen tra­ten am 29.12.2020 in Kraft. Sie gel­ten seit­her un­mit­tel­bar, Überg­angs­vor­schrif­ten sind nicht ge­trof­fen.

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