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Wirtschaftsprüfung

Änderungen an IFRS 16: Wahlweise bilanzielle Erleichterungen für anlässlich Covid-19 gewährte Mieterleichterungen

Durch die neu verabschiedeten Änderungen an IFRS 16 erhalten Leasingnehmer ein Wahlrecht, coronabedingte Leasinganpassungen vereinfachend als (negative) variable Leasingrate zu verbuchen.

Von den Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Corona-Pan­de­mie und den damit ver­bun­de­nen Umsatz­ein­bu­ßen sind die lea­sin­gin­ten­si­ven Bran­chen Han­del, Dienst­leis­tun­gen und Luft­fahrt beson­ders schwer getrof­fen wor­den. Da jedoch die meis­ten Miet- und Lea­sing­zah­lun­gen trotz eines Lock­downs wei­ter­hin fäl­lig blei­ben, ent­ste­hen insb. in die­sen Bran­chen hohe wirt­schaft­li­che Belas­tun­gen.

Um dem Lea­sing­neh­mer in die­ser schwie­ri­gen Lage ent­ge­gen zu kom­men, haben sich einige Lea­sing­ge­ber bereit­er­klärt, ihren Ver­trag­s­part­nern Kon­zes­sio­nen wie z. B. miet­f­reie Monate oder eine Reduk­tion des Lea­sin­g­um­fangs, zu gewäh­ren. Im Rah­men der IFRS-Bilan­zie­rung ist dann zu prü­fen, ob nach den Vor­ga­ben von IFRS 16 eine sog. lease modi­fi­ca­tion vor­liegt, die zu einer Anpas­sung der Buch­werte des Nut­zungs­rechts und der Lea­sing­ver­bind­lich­keit führt. Damit sind auf­wen­dige Ein­zel­fall­prü­fun­gen ver­bun­den. Um Lea­sing­neh­mern kurz nach der erst­ma­li­gen Anwen­dung von IFRS 16 den damit ver­bun­de­nen hohen Auf­wand zu erspa­ren, hat das IASB zum 1.6.2020 eine Ände­rung an IFRS 16 besch­los­sen, die eine vor­über­ge­hende Aus­nahme von die­ser Bilan­zie­rungs­pra­xis erlaubt. Eine rück­wir­kende Anwen­dung der Stan­dar­dän­de­rung ist auch für Geschäfts­jahre, die vor dem 1.6.2020 begon­nen haben, erlaubt.

Den bis­he­ri­gen Rege­lun­gen zufolge liegt eine lease modi­fi­ca­tion immer dann vor, wenn das Nut­zungs­recht am geleas­ten Ver­mö­gens­wert und/oder die Höhe der Lea­sing­zah­lun­gen über die ver­b­lei­bende Ver­trags­lauf­zeit in einer Weise ange­passt wer­den, die in den ursprüng­li­chen Ver­trags­be­din­gun­gen nicht vor­ge­se­hen war. Liegt eine sol­che Anpas­sung vor, sind die ver­b­lei­ben­den Lea­sing­zah­lun­gen gemäß den neuen Bedin­gun­gen mit einem aktua­li­sier­ten Dis­kon­tie­rungs­zins­satz abzu­zin­sen und die Lea­sing­ver­bind­lich­keit anzu­pas­sen, sofern der so ermit­telte Bar­wert von dem Bar­wert vor der Anpas­sung abweicht. Der Buch­wert des Nut­zungs­rechts wird bei zeit­li­chen oder umfangs­mä­ß­i­gen Reduk­tio­nen des Lea­sing­ver­hält­nis­ses pro­por­tio­nal gekürzt und ansons­ten gemäß der Ver­än­de­rung der Lea­sing­ver­bind­lich­keit ange­passt. Da die Rest­buch­werte der Lea­sing­ver­bind­lich­keit und des Nut­zungs­rechts ein­an­der wegen der unter­schied­li­chen Fol­ge­be­wer­tung meist nicht ent­sp­re­chen, ergibt sich häu­fig eine Dif­fe­renz zwi­schen den bei­den Anpas­sungs­be­trä­gen. Die Dif­fe­renz ist erfolgs­wirk­sam zu ver­bu­chen.

Davon abwei­chend ver­fü­gen Lea­sing­neh­mer nun über ein Wahl­recht zur ver­ein­fach­ten Bilan­zie­rung von Lea­sin­g­an­pas­sun­gen. Das Wahl­recht besteht,

  • sofern eine Ände­rung des Lea­sing­ver­hält­nis­ses die direkte Folge der Corona-Pan­de­mie ist,
  • die Gesamt­lea­sing­zah­lun­gen durch die Ände­rung nicht erhöht wer­den,
  • die Ände­rung nur Zah­lun­gen mit Fäl­lig­keit vor dem 1.7.2021 betref­fen und
  • sonst keine wesent­li­chen Punkte der Lea­sing­ve­r­ein­ba­rung ver­än­dert wer­den.

Wenn alle diese Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, und der Lea­sing­neh­mer sich ent­schei­det, das Wahl­recht aus­zu­ü­ben, darf er auf die Prü­fung, ob eine lease modi­fi­ca­tion vor­liegt, ver­zich­ten und statt­des­sen die Anpas­sung des Lea­sing­ver­hält­nis­ses als (ggf. nega­tive) varia­ble Lea­sin­g­rate ver­bu­chen. Das EU-Endor­se­ment die­ser Rege­lung erfolgte am 9.10.2020. Die Ände­run­gen tre­ten für IFRS Bilan­zie­rer in der EU bereits für Abschlüsse, die am 1.1.2020 begin­nen, in Kraft.

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