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EU-Taxonomie-Verordnung: Delegierte Verordnungen in Kraft getreten

Die EU-Ta­xo­no­mie-VO wurde zum 31.12.2021 durch zwei De­le­gierte Rechts­akte kon­kre­ti­siert. Zu­dem hat die EU-Kom­mis­sion einen Vor­schlag vor­ge­legt, wie Gas- und Kern­en­er­gie­ak­ti­vitäten zur Er­rei­chung der Kli­ma­neu­tra­lität bei­tra­gen könn­ten.

Ziel der EU-Ta­xo­no­mie-VO-ist es, um­fang­rei­che Fi­nanz­mit­tel hin zu emis­si­ons­ar­men und kli­ma­re­si­li­en­ten Ak­ti­vitäten zu len­ken, um so nicht zu­letzt die von der EU bis zum Jahr 2050 an­ge­strebte Kli­ma­neu­tra­lität zu er­rei­chen.

Hierzu re­gelt die VO insb., wel­che Wirt­schaftstätig­kei­ten als „öko­lo­gi­sch nach­hal­tig“ an­zu­se­hen sind, da sie einen we­sent­li­chen Bei­trag zu einem der sechs Um­welt­ziele leis­ten. Zu­dem enthält die EU-Ta­xo­no­mie-VO zusätz­li­che Be­richt­er­stat­tungs­pflich­ten für jene Un­ter­neh­men, die zu ei­ner nicht­fi­nan­zi­el­len Be­richt­er­stat­tung ver­pflich­tet sind. Dies sind der­zeit be­reits alle rund 500 ka­pi­tal­markt­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men und ab dem Ge­schäfts­jahr 2023 auch alle nicht-börsen­no­tier­ten Un­ter­neh­men mit einem Um­satz ab 40 Mio. Euro, so dass auch der Mit­tel­stand un­mit­tel­bar be­trof­fen ist.

Die EU-Ta­xo­no­mie er­kennt wirt­schaft­li­che Ak­ti­vitäten dann als „öko­lo­gi­sch nach­hal­tig“ an, wenn sie einen we­sent­li­chen Bei­trag zu einem der sechs EU-Um­welt­ziele leis­ten:

  • Kli­ma­schutz
  • An­pas­sung an den Kli­ma­wan­del
  • nach­hal­tige Nut­zung und Schutz von Was­ser und Mee­res­res­sour­cen
  • Überg­ang zu ei­ner Kreis­lauf­wirt­schaft
  • Ver­mei­dung und Ver­min­de­rung von Um­welt­ver­schmut­zung und Schutz und Wie­der­her­stel­lung der Bio­di­ver­sität und der Öko­sys­teme.

Da­bei darf je­weils kein an­de­res die­ser Um­welt­ziele we­sent­lich be­einträch­tigt wer­den und es sind zu­dem be­stimmte so­ziale und men­schen­recht­li­che Min­dest­stan­dards si­cher­zu­stel­len.

Wel­che wirt­schaft­li­chen Tätig­kei­ten als öko­lo­gi­sch nach­hal­tig ein­zu­stu­fen sind, re­gelt die EU je­weils durch sog. De­le­gierte Ver­ord­nun­gen, wel­che die EU-Ta­xo­no­mie-VO ergänzen.

Die nun zum 31.12.2021 in Kraft ge­tre­tene De­le­gierte Ver­ord­nung (EU) 2021/2139 („Cli­mate De­le­ga­ted Act“) vom 04.06.2021 enthält eine Liste jene Wirt­schaftstätig­kei­ten, die im Sinne der EU-Ta­xo­no­mie-VO zur Er­rei­chung der ers­ten bei­den Um­welt­ziele, Kli­ma­schutz und An­pas­sung an den Kli­ma­wan­del, öko­lo­gi­sch nach­hal­tig sind („Ta­xo­no­miefähig“ bzw. „eli­gi­ble“). So­fern die hier auf­geführ­ten Wirt­schaftstätig­kei­ten be­stimmte sog. tech­ni­sche Be­wer­tungs­kri­te­rien erfüllen, können sie zu­dem als „Ta­xo­no­mie­kon­form“ gel­ten.

Hin­weis: Bis zum 2. Quar­tal 2022 ist mit der Veröff­ent­li­chung der De­le­gier­ten Ver­ord­nun­gen für die übri­gen vier Um­welt­ziele zu rech­nen.

Eben­falls zum 31.12.2021 in Kraft ge­tre­ten ist die de­le­gierte Ver­ord­nung (EU) 2021/2178 vom 06.07.2021 („Dis­clo­sure De­le­ga­ted Act“) zur Kon­kre­ti­sie­rung der zusätz­li­chen Be­richt­er­stat­tungs­pflich­ten der von der EU-Ta­xo­no­mie VO be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men.

Alle zur nicht-fi­nan­zi­el­len Be­richt­er­stat­tung ver­pflich­tete Un­ter­neh­men sind gem. EU-Ta­xo­no­mie-VO ver­pflich­tet, sog. „grüner KPI’s“ zu be­rich­ten, d. h. den An­teil ih­rer Um­sat­zerlöse, In­ves­ti­ti­ons­aus­ga­ben („Ca­pEx“) und Be­triebs­aus­ga­ben („OpEx“) in Ver­bin­dung mit je­nen Wirt­schaftstätig­kei­ten, die als öko­lo­gi­sch nach­hal­tig ein­zu­stu­fen sind.

Der sog. Dis­clo­sure De­le­ga­ted Act re­gelt nun für alle be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men, wie diese drei Kenn­zah­len zu er­mit­teln sind so­wie den In­halt, die Me­tho­dik und die Dar­stel­lung der Ta­xo­no­mie-Quo­ten.

Hin­weis: Die Über­sich­ten aus dem DRSC Brie­fing Pa­per bzgl. der Vor­ga­ben zur KPI-Er­mitt­lung so­wie Vor­ga­ben zur (Un­ter-)Glie­de­rung, zum Aus­weis und zur Of­fen­le­gung fin­den Sie auf der Seite des DRSC.

Auf Grund der kurz­fris­ti­gen An­wen­dung enthält die de­le­gierte Ver­ord­nung in Art 10 fol­gende Er­leich­te­rungs­vor­schrif­ten für das er­ste An­wen­dungs­jahr 2021:

  • Nur An­gabe der An­teile der ta­xo­no­miefähi­gen („eli­gi­ble“) und der nicht-ta­xo­no­miefähi­gen Wirt­schaftstätig­kei­ten be­zo­gen auf die drei grünen Kenn­zah­len Um­sat­zerlöse, Ca­pEx und OpEx
  • Keine dif­fe­ren­zierte Be­richt­er­stat­tung der drei KPIs nach ein­zel­nen Wirt­schaftstätig­kei­ten
  • Nur Be­richt­er­stat­tung über qua­li­ta­tive In­for­ma­tio­nen nach Ab­schn. 1.2. des An­hangs I bzw. nach An­hang XI der De­le­gier­ten Ver­ord­nung und keine Ver­wen­dung der wei­te­ren re­por­ting tem­pla­tes in den Anhängen

Hin­weis: Ab 01.01.2023 gilt dann die um­fas­sende Be­richts­er­stat­tungs­pflicht für das Ge­schäfts­jahr 2022. So­bald die De­le­gier­ten Ver­ord­nun­gen für die übri­gen vier Um­welt­ziele vor­lie­gen, ist dann auch über diese Wirt­schafts­ak­ti­vitäten zu be­rich­ten (vor­aus­sicht­lich für das Ge­schäfts­jahr 2023).

Wei­ter­ge­hende In­for­ma­tio­nen, wel­che Un­ter­neh­men kon­kret be­trof­fen sind und wel­che Un­ter­neh­mens­ak­ti­vitäten als „öko­lo­gi­sch nach­hal­tig“ gel­ten, ha­ben wir be­reits im no­vus Juli 2021, S. 28 dar­ge­stellt.

Fer­ner hat die EU-Kom­mis­sion am 31.12.2021 einen Kom­mis­si­ons­vor­schlag zu Erd­gas- und Kern­en­er­gie­ak­ti­vitäten in der EU-Ta­xo­no­mie vom 01.01.2022 vor­ge­legt. Die EU-Ta­xo­no­mie lis­tet En­er­gietätig­kei­ten auf, die Schritte in Rich­tung Kli­ma­neu­tra­lität ermögli­chen. Die Kom­mis­sion ist der Auf­fas­sung, dass Erd­gas- und auch Kern­en­er­gie den Überg­ang zu er­neu­er­ba­ren En­er­gien er­leich­tern und legt hierfür klare und strenge Kri­te­rien fest (bspw. muss Erd­gas bis 2035 aus er­neu­er­ba­ren Quel­len stam­men oder ge­ringe Emis­sio­nen auf­wei­sen). Mit die­sem Vor­schlag soll der Aus­stieg aus der Koh­le­kraft be­schleu­nigt und der grüne En­er­gie­mix vor­an­ge­trie­ben wer­den.

Hin­weis: Die­ser Vor­schlag ist bis­her im Kon­sul­ta­ti­ons­sta­dium. Er ist frühes­tens ab Mitte 2022 an­wend­bar, da der Rechts­akt nach Kon­sul­ta­tion und An­nahme des durch die EU-Kom­mis­sion noch dem Eu­ropäischen Par­la­ment und dem Rat zur Prüfung vor­zu­le­gen ist, die einen vier­mo­na­ti­gen Prüfungs­zeit­raums ha­ben.

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