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Verpflichtende Durchführung eines sog. Energieaudits

Seit Dezember 2015 sind Energieaudits durchzuführen, die nach vier Jahren zu wiederholen sind. Viele Unternehmen müssen somit bis Ende 2019 Vorkehrungen zur Umsetzung treffen.

Bereits am 22.4.2015 waren die Än­de­run­gen des Geset­zes über Ener­gie­di­enst­leis­tun­gen und andere Ener­gie­ef­fi­zi­enz­maß­nah­men (EDL-G) in Kraft get­re­ten. Die gesetz­li­chen Ände­run­gen soll­ten den natio­na­len wie auch den in der EU ver­ein­bar­ten Ener­gie- und Kli­ma­schutz­zie­len die­nen.

Das EDL-G verpf­lich­tete mit den §§ 8 bis 8d grund­sätz­lich alle Unter­neh­men, erst­mals bis zum 5.12.2015 ein Ener­gieau­dit durch­zu­füh­ren und gerech­net vom Zeit­punkt der Fer­tig­stel­lung des ers­ten Ener­gieau­dits min­des­tens alle vier Jahre (2019) ein wei­te­res Ener­gieau­dit vor­zu­neh­men.

Dem Bun­de­s­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trolle (BAFA) obliegt gemäß § 8 c EDL-G die Über­wa­chung der Erfül­lung der gesetz­li­chen Pflich­ten. Bei Ver­stö­ßen kön­nen Buß­gel­der in Höhe von bis zu 50.000 Euro ver­hängt wer­den.

Verpf­lich­tet zu Durch­füh­rung eines Ener­gieau­dits ist jede recht­lich selb­stän­dige Ein­heit, unab­hän­gig von ihrer Rechts­form, die aus han­dels- und/oder steu­er­recht­li­chen Grün­den Bücher führt und bilan­ziert und wirt­schaft­lich tä­tig ist, und zudem Öf­f­ent­li­che Unter­neh­men, soweit sie nicht über­wie­gend hoheit­lich tä­tig sind.

Aus­nah­men gel­ten zum einen für Unter­neh­men mit weni­ger als 250 Arbeit­neh­mern, sofern diese nicht gleich­zei­tig mehr als 50 Mil­lio­nen Euro Jah­re­s­um­satz und mehr als 43 Mil­lio­nen Euro Jah­res­bi­lanz­summe aus­wei­sen. Zu beach­ten ist, dass hier die EU-KMU-Defini­tion zum Tra­gen kommt, so dass für Unter­neh­mens­grup­pen und Kon­zerne die oben genann­ten Gren­zen auf Kon­zer­ne­bene anzu­wen­den sind. In der Folge kön­nen auch sehr kleine Unter­neh­men in die Pflicht zur Durch­füh­rung eines Ener­gieau­dits kom­men. Zum ande­ren sieht zumin­dest der Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 1.3.2019 zur Ände­rung des EDL-G die Ein­füh­rung eine Bef­rei­ung der­je­ni­gen Unter­neh­men vor, deren Gesamt­e­n­er­gie­ver­brauch über alle Ener­gie­trä­ger hin­weg im Jahr 400.000 kWh oder weni­ger beträgt.

Wie bis­her erge­ben sich nach § 8 Abs. 1 EDL-G wei­tere Bef­rei­un­gen für Unter­neh­men, die ent­we­der über ein zer­ti­fi­zier­tes Ener­gie­ma­na­ge­ment­sys­tem nach der DIN EN ISO 50001 oder ein zer­ti­fi­zier­tes Umwelt­ma­na­ge­ment­sys­tem im Sinne der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1221/2009 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates (EMAS) ver­fü­gen. Dies soll jedoch zukünf­tig nur noch dann gel­ten, wenn gleich­zei­tig sicher­ge­s­tellt wer­den kann, dass min­des­tens 90 % des Gesamt­e­n­er­gie­ver­brauchs des Unter­neh­mens in die Unter­su­chun­gen ein­be­zo­gen wur­den.

Das Ener­gieau­dit ist von einer Per­son durch­zu­füh­ren, wel­che die Anfor­de­run­gen des § 8b EDL-G erfüllt. Die Per­son muss auf Grund ihrer Aus­bil­dung oder beruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rung und prak­ti­schen Erfah­rung über die erfor­der­li­che Fach­kunde zur ord­nungs­ge­mä­ßen Durch­füh­rung eines Ener­gieau­dits ver­fü­gen. Die Fach­kunde ver­langt eine ein­schlä­gige Aus­bil­dung, nach­ge­wie­sen durch den Abschluss eines Hoch­schul- oder Fach­hoch­schul­stu­di­ums in einer ein­schlä­gi­gen Fach­rich­tung oder durch eine beruf­li­che Qua­li­fi­ka­tion zum staat­lich geprüf­ten Tech­ni­ker oder zur staat­lich geprüf­ten Tech­ni­ke­rin oder einen Meis­ter­ab­schluss oder gleich­wer­ti­gen Wei­ter­bil­dungs­ab­schluss in einer ein­schlä­gi­gen Fach­rich­tung und außer­dem eine min­des­tens drei­jäh­rige haupt­be­ruf­li­che Tä­tig­keit, bei der pra­xis­be­zo­gene Kennt­nisse über die betrieb­li­che Ener­gie­be­ra­tung erwor­ben wur­den.

Das BAFA hat am 13.2.2019 für die Unter­neh­men als Hil­fe­stel­lung neben einem aktua­li­sier­ten Merk­blatt einen Leitfa­den zur Erstel­lung eines Audit­be­richts auf ihrer Home­page ver­öf­f­ent­licht. Wich­tig zu wis­sen ist jedoch, dass es nach dem zuvor genann­ten Gesetz­ent­wurf zukünf­tig eine elek­tro­ni­sche Ein­ga­be­maske auf den Inter­net­sei­ten des BAFA geben soll, über die mit­tels einer Ver­ord­nung der Umfang der anzu­ge­ben­den Daten erwar­tungs­ge­mäß deut­lich stei­gen wird. Dar­auf deu­ten bereits die geplan­ten Ände­run­gen bzgl. des Audit­be­richts hin, da bspw. der Gesetz­ent­wurf nun statt der rei­nen Prü­fung auch von Ana­lyse und Doku­men­ta­tion des End­e­n­er­gie­ver­brauchs spricht.

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