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Änderungen im niederländischen Steuerrecht ab dem Wirtschaftsjahr 2021

Das niederländische Steuerrecht hat kürzlich mehrere Änderungen erfahren, welche größtenteils ab dem 01.01.2021 in Kraft getreten sind.

Kör­per­schaf­ten, die der nie­der­län­di­schen Kör­per­schaft­steuer unter­lie­gen, sind in bestimm­ten Kon­s­tel­la­tio­nen von Ände­run­gen bei der steu­er­li­chen Berück­sich­ti­gung von aus­län­di­schen Ver­lus­ten betrof­fen. Im Fall der Liqui­da­tion einer aus­län­di­schen Toch­ter­ge­sell­schaft sind die ggf. resul­tie­ren­den aus­län­di­schen Liqui­da­ti­ons­ver­luste auf Ebene der nie­der­län­di­schen Mut­ter­ge­sell­schaft nur steu­er­lich abzugs­fähig, wenn die aus­län­di­sche Toch­ter­ge­sell­schaft inn­er­halb der EU bzw. des EWR ansäs­sig gewe­sen ist und mehr als 50 % der Anteile an der aus­län­di­schen Toch­ter­ge­sell­schaft gehal­ten wur­den oder ander­wei­tig wesent­li­cher Ein­fluss aus­ge­übt wer­den konnte. Im Fall der Auf­gabe einer aus­län­di­schen Betriebs­stätte sind die ggf. resul­tie­ren­den Auf­ga­be­ver­luste auf Ebene des nie­der­län­di­schen Stamm­hau­ses nur steu­er­lich abzugs­fähig, wenn sich die aus­län­di­sche Betriebs­stätte inn­er­halb der EU bzw. des EWR befun­den hat.

Es besteht jedoch eine Aus­nahme für Liqui­da­ti­ons- oder Auf­ga­be­ver­luste bis zu einem Betrag von 5 Mio. Euro, wel­che ohne die Erfül­lung der o. g. Vor­aus­set­zun­gen wei­ter­hin steu­er­lich abzugs­fähig blei­ben. Zusätz­lich kön­nen Liqui­da­ti­ons- oder Auf­ga­be­ver­luste für steu­er­li­che Zwe­cke nur berück­sich­tigt wer­den, wenn die Liqui­da­tion oder Auf­gabe inn­er­halb von drei Jah­ren nach der Been­di­gung der Geschäft­stä­tig­keit bzw. der Ent­schei­dung dazu abge­sch­los­sen wurde. Diese Vor­aus­set­zung gilt unab­hän­gig von der Höhe der Liqui­da­ti­ons- oder Auf­ga­be­ver­luste. Für nicht rea­li­sierte Liqui­da­ti­ons- oder Auf­ga­be­ver­luste, die vor dem 01.01.2021 ent­stan­den sind, besteht eine drei­jäh­rige Über­gangs­frist, sodass diese Ver­luste genutzt wer­den kön­nen, ohne dass die oben genann­ten Bedin­gun­gen erfüllt sind.

Wei­tere grund­sätz­li­che Ände­run­gen zur Nut­zung von steu­er­li­chen Ver­lus­ten erge­ben sich ab dem 01.01.2022. Steu­er­li­che Ver­luste kön­nen dann unbe­g­renzt vor­ge­tra­gen wer­den. Diese kön­nen jedoch nur bis zu einem Betrag von 1 Mio. Euro des steu­er­li­chen Gewinns voll abge­zo­gen wer­den. Der dar­über­hin­aus­ge­hende Betrag vor­han­de­ner steu­er­li­cher Ver­luste kann nur bis zu 50 % des steu­er­li­chen Gewinns genutzt wer­den.

Dar­über hin­aus ist erwäh­nens­wert, dass die Nie­der­lande die EU-Offen­le­gungs­vor­schrif­ten in natio­na­les Recht umge­setzt haben, die weit­ge­hend an die Anfor­de­run­gen der EU-Richt­li­nie (sog. DAC 6) ange­g­li­chen sind und seit dem 01.01.2021 gel­ten. Infol­ge­des­sen hat die 30-Tage-Frist für die Mel­dung von grenz­über­sch­rei­ten­den Steu­er­ge­stal­tun­gen am 01.01.2021 begon­nen, sodass grenz­über­sch­rei­tende Steu­er­ge­stal­tun­gen inn­er­halb von 30 Tagen, nach­dem diese zur Ver­fü­gung ges­tellt wer­den, zur Umset­zung bereit sind oder der erste Schritt der Umset­zung erfolgt, mel­depf­lich­tig sind.

Bis zum 31.12.2020 unter­la­gen Zins- und Lizenz­ge­büh­ren­zah­lun­gen, die von in den Nie­der­lan­den ansäs­si­gen Gesell­schaf­ten geleis­tet wur­den, nicht der Quel­len­be­steue­rung in den Nie­der­lan­den. Zum 01.01.2021 wurde eine Quel­len­steuer auf Zins- und Lizenz­ge­büh­ren­zah­lun­gen an ver­bun­dene Unter­neh­men in bestimm­ten nie­d­rig besteu­er­ten Juris­dik­tio­nen ein­ge­führt. Der Quel­len­steu­er­satz ent­spricht dem nie­der­län­di­schen Kör­per­schafts­steu­er­satz im jewei­li­gen Wirt­schafts­jahr (z. B. 25 % im Wirt­schafts­jahr 2021). Der Quel­len­steu­er­satz kann jedoch auf­grund eines DBA oder auf der Grund­lage der EU-Zins- und Lizenz­ge­büh­r­en­richt­li­nie redu­ziert wer­den.

Eine Gesell­schaft gilt als ver­bun­de­nes Unter­neh­men, wenn mehr als 50 % der Stimm­rechte gehal­ten wer­den oder ander­wei­tig wesent­li­cher Ein­fluss aus­ge­übt wer­den kann. Für Zwe­cke der Quel­len­steuer wer­den nie­d­rig besteu­erte Juris­dik­tio­nen wie folgt defi­niert:

  • Juris­dik­tio­nen mit einem gesetz­li­chen (Ertrag-)Steu­er­satz von weni­ger als 9 % oder
  • Juris­dik­tio­nen, die auf der EU-Liste der nicht-koope­ra­ti­ven Juris­dik­tio­nen auf­ge­führt sind, oder
  • andere Juris­dik­tio­nen, wenn das ver­bun­dene Unter­neh­men die Zin­sen oder Lizenz­ge­büh­ren einer Betriebs­stätte in einer Juris­dik­tion zuord­net, die eines der vor­ge­nann­ten Kri­te­rien erfüllt.

Abge­se­hen davon gilt die bedingte Quel­len­steuer in bestimm­ten miss­bräuch­li­chen Situa­tio­nen, in denen künst­li­che Struk­tu­ren mit dem Hauptz­weck oder einem der Hauptz­we­cke der Steu­er­ver­mei­dung errich­tet wer­den (z. B. Zins- oder Lizenz­ge­büh­ren­zah­lun­gen an hybride Gesell­schaf­ten).

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