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EU-Reform der Abschlussprüfung verabschiedet

Am 3.4.2014 bzw. am 14.4.2014 wurde die Reform der Abschluss­prü­fung durch das EU-Par­la­ment bzw. den EU-Minis­ter­rat besch­los­sen. Die Reform besteht aus einer Richt­li­nie und einer Ver­ord­nung. Die Richt­li­nie zur Ände­rung der Abschluss­prü­fer­richt­li­nie (2006/43/EG) besitzt für alle Abschluss­prü­fer Gül­tig­keit und ist inn­er­halb von zwei Jah­ren umzu­set­zen. Die Ver­ord­nung gilt unmit­tel­bar, es sind jedoch Über­gangs­fris­ten vor­ge­se­hen. Sie regelt die Anfor­de­run­gen an Abschluss­prü­fun­gen bei Unter­neh­men von öff­ent­li­chem Inter­esse. Es gilt das Prin­zip der Man­dats­be­zo­gen­heit, so dass sich die stren­ge­ren Rege­lun­gen der Ver­ord­nung aus­drück­lich nur auf die Abschluss­prü­fer von Unter­neh­men öff­ent­li­chen Inter­es­ses bezie­hen, sofern sie diese Unter­neh­men prü­fen.

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Ziel der Reform ist es, die Tran­s­pa­renz und das Ver­trauen in die Abschluss­prü­fung zu erhöhen, indem die Glaub­wür­dig­keit der geprüf­ten Jah­res­ab­schlüsse von Unter­neh­men öff­ent­li­chen Inter­es­ses gestärkt wird. Das von der EU-Kom­mis­sion ursprüng­lich ver­folgte Ziel, den Wett­be­werb unter den Abschluss­prü­fern zu stär­ken, ist im Laufe der Bera­tun­gen in den EU-Gre­mien weit­ge­hend auf­ge­ge­ben wor­den.

Die Defini­tion der Unter­neh­men öff­ent­li­chen Inter­es­ses der bis­he­ri­gen Abschluss­prü­fer­richt­li­nie bleibt grund­sätz­lich beste­hen. Hier­un­ter fal­len wei­ter­hin alle Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und bör­sen­no­tierte Unter­neh­men. Bereichs­aus­nah­men für Kre­di­t­in­sti­tute und Ver­si­che­run­gen wer­den jedoch zukünf­tig nicht mehr mög­lich sein. Den­noch steht den Mit­g­lied­staa­ten eine eigen­stän­dige Defini­tion von Unter­neh­men öff­ent­li­chen Inter­es­ses auf­grund der Art ihrer Geschäft­stä­tig­keit, ihrer Größe, der Mit­ar­bei­ter­zahl oder ihrer Gesell­schafts­form offen.

Die Reform ent­hält fol­gende Kern­punkte:

  • Verpf­lich­tende externe Rota­tion des Abschluss­prü­fers bei Unter­neh­men öff­ent­li­chen Inter­es­ses
    Bei Unter­neh­men öff­ent­li­chen Inter­es­ses ist nach zehn Jah­ren eine Rota­tion vor­zu­neh­men. Auf der Basis von Mit­g­lied­staa­ten­wahl­rech­ten ist eine Ver­län­ge­rung der Frist jedoch mög­lich um
    zehn Jahre, wenn eine öff­ent­li­che Aus­sch­rei­bung der Abschluss­prü­fung erfolgt bzw.
    14 Jahre, wenn min­des­tens zwei Abschluss­prü­fer beauf­tragt sind (Joint Audit).
    Von den Mit­g­lied­staa­ten dür­fen jedoch auch kür­zere Rota­ti­ons­fris­ten vor­ge­ge­ben wer­den.
    Als Über­gangs­frist für Abschluss­prü­fer eines Unter­neh­mens öff­ent­li­chen Inter­es­ses, die bereits seit zwan­zig oder mehr Jah­ren bes­tellt sind, ist eine externe Rota­tion erst­ma­lig sechs Jahre nach Inkraft­t­re­ten der Ver­ord­nung vor­zu­neh­men. Bei einem Bestel­lungs­zei­traum zwi­schen 11 und 19 Jah­ren ist eine Rota­tion neun Jahre nach Inkraft­t­re­ten der Ver­ord­nung vor­zu­neh­men.

  • Ver­bot und Ein­schrän­kung prü­fungs­f­rem­der Leis­tun­gen des Abschluss­prü­fers beim jewei­li­gen Prü­fungs­man­dat
    Um Inter­es­sens­kon­f­lik­ten und Beein­träch­ti­gun­gen der Unab­hän­gig­keit vor­zu­beu­gen, dür­fen bestimmte prü­fungs­f­remde Leis­tun­gen, die in einer soge­nann­ten Black List in Art. 5 der Ver­ord­nung auf­ge­führt wer­den, vom Abschluss­prü­fer nicht mehr bei dem zu prü­fen­den Unter­neh­men öff­ent­li­chen Inter­es­ses erbracht wer­den. Hier­un­ter fal­len u. a. Steuer- und Unter­neh­mens­be­ra­tungs- sowie Abschlus­ser­stel­lungs­leis­tun­gen. Auch Leis­tun­gen an Mut­ter- und Toch­ter­un­ter­neh­men des Prü­fungs­man­dats sowie Leis­tun­gen von Netz­werk­part­nern sind hier­von betrof­fen. Die in der Black List auf­ge­führ­ten Leis­tun­gen kön­nen von den Mit­g­lied­staa­ten unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen modi­fi­ziert wer­den.
    Zudem wird für prü­fungs­f­remde Honorare bei Unter­neh­men öff­ent­li­chen Inter­es­ses eine Beg­ren­zung ein­ge­führt: Diese dür­fen nicht mehr als 70 % des durch­schnitt­li­chen Prü­fungs­honorars der letz­ten drei Jahre betra­gen. Hier­bei ein­zu­be­zie­hen sind auch die Honorare für Mut­ter- und Toch­ter­un­ter­neh­men.

  • Koope­ra­tion von Prü­fer­auf­sichts­be­hör­den
    Für Abschluss­prü­fer von Unter­neh­men öff­ent­li­chen Inter­es­ses muss in letz­ter Ver­ant­wor­tung eine Behörde zustän­dig sein, wel­che nur aus berufs­stan­d­un­ab­hän­gi­gen bzw. berufs­f­rem­den Per­so­nen beste­hen darf. Für Abschluss­prü­fer aller ande­ren Unter­neh­men in Deut­sch­land kann die Auf­sicht bei der Wirt­schafts­prü­fer­kam­mer belas­sen wer­den.

  • Anwen­dung der Inter­na­tio­nal Stan­dards on Audi­ting
    Damit künf­tig alle Abschluss­prü­fun­gen nach den Inter­na­tio­nal Stan­dards on Audi­ting (ISA) durch­ge­führt wer­den kön­nen, wird die Euro­päi­sche Kom­mis­sion ermäch­tigt, die ISA zu über­neh­men. Die Annahme der ISA darf jedoch die Ver­ord­nung nicht erwei­tern, abge­se­hen von den Anfor­de­run­gen der Art. 7 (Unre­gel­mä­ß­ig­kei­ten), Art. 8 (auf­trags­be­g­lei­tende Qua­li­täts­si­che­rung) und Art. 18 (Über­ga­be­akte) der Ver­ord­nung. Bei der Anwen­dung der ISA bei der Prü­fung von klei­nen und mitt­le­ren Unter­neh­men gilt der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ß­ig­keit.

  • Bestä­ti­gungs­ver­merk/Prü­fungs­be­richt
    Die Ver­ord­nung ent­hält bezüg­lich des Bestä­ti­gungs­ver­merks in Art. 10 erwei­terte Berichtspf­lich­ten in Anleh­nung an die aktu­el­len Ver­laut­ba­run­gen des IAASB sowie Vor­ga­ben für einen zusätz­li­chen Bericht an den Prü­fungs­aus­schuss, wel­cher dem deut­schen Prü­fungs­be­richt ähnelt.

Die in der Ver­ord­nung ent­hal­te­nen zahl­rei­chen Mit­g­lied­staa­ten­wahl­rechte wer­den in der prak­ti­schen Hand­ha­bung von Unab­hän­gig­keits­fra­gen bei grö­ße­ren Unter­neh­mens­grup­pen vor­aus­seh­bar einige Schwie­rig­kei­ten ver­ur­sa­chen. Die Pra­xis wird zei­gen, ob die spe­zi­ell für kapi­tal­mark­t­o­ri­en­tierte Unter­neh­men ent­wi­ckel­ten Rege­lun­gen eine Aus­strah­lungs­wir­kung auf andere prü­fungspf­lich­tige Gesell­schaf­ten ent­fal­ten wer­den.

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