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Zum Rechtsweg im Datenschutzrecht

BFH v. 7.4.2020 - II B 82/19

Die DS­GVO ist auf die Tätig­keit der Straf­ver­fol­gungs­behörden nicht an­wend­bar. Für An­sprüche nach dem BDSG ist der Ver­wal­tungs­rechts­weg ge­ge­ben.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger wird beim Fi­nanz­amt A um­satz­steu­er­lich geführt. Im Jahre 2014 schal­tete die­ses das be­klagte Fi­nanz­amt, dort die Steu­er­fahn­dung, ein, die we­gen ver­schie­de­ner Vorwürfe im Jahre 2015 Steu­er­straf­ver­fah­ren ge­gen den Kläger ein­lei­tete. Die straf­recht­li­chen Er­mitt­lun­gen, je­doch noch nicht das Straf­ver­fah­ren selbst, wur­den durch den Be­richt der Steu­er­fahn­dung des Fi­nanz­amts im Au­gust 2018 ab­ge­schlos­sen. Die­ser ent­hielt in Be­zug auf den Kläger und des­sen Bru­der un­ter dem Ab­schnitt "Hin­ter­grund der Prüfung" den Satz: "Beide Brüder sind als In­sol­venz er­fah­ren ein­zu­stu­fen und scheuen sich auch nicht, in ih­ren Ver­fah­ren mit Ar­gu­men­ten aus der "Reichsbürger­szene" auf­zu­war­ten bzw. dies über ihre Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vor­tra­gen zu las­sen."

Im No­vem­ber 2018 be­an­tragte der Kläger bei dem Fi­nanz­amt nach Art. 15 Abs. 1, Art. 4 Abs. 4 DS­GVO Aus­kunft über die dort ge­sam­mel­ten Da­ten. Er wolle wis­sen, wel­che In­for­ma­tio­nen hin­ter der Be­haup­tung be­tref­fend die Reichsbürger­szene stünden. Diese sei dis­kre­di­tie­rend. Im De­zem­ber 2018 lehnte das Fi­nanz­amt den An­trag ab. Der An­wen­dungs­be­reich der DS­GVO sei nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. d DS­GVO nicht eröff­net. Dar­auf­hin erklärte der Kläger, es sei rich­tig, dass die DS­GVO nicht ein­schlägig sei. Al­ler­dings ent­stehe da­durch kein rechts­freier Raum. Es gelte die auf Grund­lage der DS­GVO er­las­sene Richt­li­nie (EU) 2016/680. Die­ses Schrei­ben be­ant­wor­tete das Fi­nanz­amt nicht.

Das FG ver­wies das Ver­fah­ren nach § 17a Abs. 3, 4 GVG an das VG und ließ die Be­schwerde zu. Der Kläger legte dar­auf­hin Be­schwerde ein, der das FG nicht ab­ge­hol­fen hat. Die Be­schwerde des Klägers hatte auch vor dem BFH kei­nen Er­folg.

Die Gründe:
Das FG hat zu Recht er­kannt, dass § 32i Abs. 2 AO den Rechts­weg zu den Fi­nanz­ge­rich­ten nicht eröff­net.

Nach die­ser Vor­schrift ist für Kla­gen der be­trof­fe­nen Per­son hin­sicht­lich der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten ge­gen Fi­nanz­behörden oder ge­gen de­ren Auf­trags­ver­ar­bei­ter we­gen ei­nes Ver­stoßes ge­gen da­ten­schutz­recht­li­che Be­stim­mun­gen im An­wen­dungs­be­reich der DS­GVO oder der darin ent­hal­te­nen Rechte der be­trof­fe­nen Per­son der Fi­nanz­rechts­weg ge­ge­ben. § 32i AO ist seit dem 25.5.2018 in Kraft, mit­hin dem Grunde nach an­wend­bar. Maßgeb­lich für die Be­stim­mung des Rechts­wegs ist die Rechts­na­tur des Streit­ge­gen­stan­des. Die­ser rich­tet sich ne­ben dem zu­grunde lie­gen­den Le­bens­sach­ver­halt nach der das Rechts­verhält­nis re­geln­den An­spruchs­grund­lage. Der Kläger macht kei­nen Ver­stoß ge­gen da­ten­schutz­recht­li­che Be­stim­mun­gen im An­wen­dungs­be­reich der DS­GVO gel­tend. Er erklärt zu­letzt selbst, diese sei nicht an­wend­bar. Diese recht­li­che Be­ur­tei­lung ist zwar nicht bin­dend, doch zu­tref­fend. Für das ge­gen das Fi­nanz­amt ge­rich­tete Kla­ge­be­geh­ren kommt die DS­GVO als An­spruchs­grund­lage nicht in Be­tracht.

Nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. d DS­GVO fin­det die DS­GVO keine An­wen­dung auf die Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten durch die zuständi­gen Behörden zum Zwecke der Verhütung, Er­mitt­lung, Auf­de­ckung oder Ver­fol­gung von Straf­ta­ten oder der Straf­voll­stre­ckung, ein­schließlich des Schut­zes vor und der Ab­wehr von Ge­fah­ren für die öff­ent­li­che Si­cher­heit. Das Fi­nanz­amt ist gem. § 1 Nr. 25 der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Fi­nanzämter-Zuständig­keits­ver­ord­nung im Rah­men sei­ner Zuständig­keit u.a. für die Auf­ga­ben der Steu­er­fahn­dung nach § 208 AO für das Fi­nanz­amt A tätig ge­wor­den, und zwar im kon­kre­ten Fall nach § 208 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO ("die Er­for­schung von Steu­er­straf­ta­ten und Steu­er­ord­nungs­wid­rig­kei­ten"). Diese Tätig­keit gehört zu den Auf­ga­ben i.S.d. Art. 2 Abs. 2 Buchst. d DS­GVO. Da­ten­schutz­recht­li­che Be­geh­ren ge­gen das Fi­nanz­amt im Zu­sam­men­hang mit ei­ner sol­chen Tätig­keit können in der DS­GVO da­her keine Grund­lage ha­ben.

Zwar kann die Steu­er­fahn­dung nach § 208 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO auch als Steu­er­er­mitt­lungs­behörde tätig wer­den. Sie be­sitzt in­so­weit eine Dop­pel­funk­tion. Ist je­doch ge­gen den Be­trof­fe­nen ein Ver­fah­ren i.S.d. § 208 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO ein­ge­lei­tet und noch nicht ab­ge­schlos­sen, wird die Steu­er­fahn­dung auch in die­sem Ver­fah­ren tätig, selbst wenn sie in die­sem Zu­sam­men­hang Be­steue­rungs­grund­la­gen er­mit­telt. Die Text­pas­sage, die An­lass der Klage ist, ist in einem Be­richt ent­hal­ten, der sei­ner­seits die Über­zeu­gung do­ku­men­tiert, die das Fi­nanz­amt aus dem steu­er­straf­recht­li­chen Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ge­won­nen hat. So­weit der Kläger gel­tend macht, die Da­ten des Fi­nanz­amts stamm­ten nicht aus dem Er­mitt­lungs­ver­fah­ren, son­dern aus dem Be­steue­rungs­ver­fah­ren, wäre das Be­geh­ren nicht ge­gen das al­lein mit dem Er­mitt­lungs­ver­fah­ren be­traute Fi­nanz­amt, son­dern ge­gen das Fi­nanz­amt A oder ggf. ein an­de­res für die Be­steue­rung des Klägers zuständi­ges Fi­nanz­amt zu rich­ten. Ob für einen sol­chen Aus­kunfts­an­spruch nach § 32i Abs. 2 AO der Fi­nanz­rechts­weg ge­ge­ben sein könnte, ist im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht zu ent­schei­den. Der Kläger hat seine Klage al­lein ge­gen das Fi­nanz­amt ge­rich­tet.

Schließlich hat das FG auch zu Recht den Rechts­streit an das VG und nicht etwa an die nach § 13 GVG für Straf­sa­chen zuständi­gen or­dent­li­chen Ge­richte ver­wie­sen. Vor wel­chen Ge­rich­ten ge­richt­li­cher Rechts­schutz nach Maßgabe von § 57 Abs. 7 Satz 2 BDSG zu su­chen ist, ist im BDSG nicht ge­re­gelt. § 20 Abs. 1 BDSG be­trifft le­dig­lich be­stimmte Strei­tig­kei­ten, u.a. sol­che nach der DS­GVO. Es bleibt in­so­weit, wie das FG zu Recht er­kannt hat, bei dem nach § 40 Abs. 1 der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung in al­len öff­ent­lich-recht­li­chen Strei­tig­kei­ten nicht­ver­fas­sungs­recht­li­cher Art ge­ge­be­nen Ver­wal­tungs­rechts­weg.

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