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Studie: Mittelstand nutzt das Zinsgeschenk der EZB nur begrenzt

  • Kre­dit­fi­nan­zie­rung er­folgt trotz nied­ri­ger Zin­sen häufig nur kurz­fris­tig
  • Vor­be­halte be­ste­hen ge­genüber Pri­vate Equity
  • Neue Stu­die Fi­nan­zie­rung im Mit­tel­stand von Eb­ner Stolz und whf AG
Stutt­gart, 8.10.2014 - Mit außer­gewöhn­lich nied­ri­gen Zin­sen ver­sucht die Eu­ropäische Zen­tral­bank, das Wachs­tum der Un­ter­neh­men an­zu­kur­beln. Doch das Zins­ge­schenk wird im Mit­tel­stand nur teil­weise an­ge­nom­men. Viele Fir­men­chefs im Mit­tel­stand rech­nen mit an­hal­tend nied­ri­gen Zin­sen und fi­nan­zie­ren sich häufig kurz­fris­tig. Das zeigt die ak­tu­elle Mit­tel­stands­stu­die der Un­ter­neh­mens­be­ra­tun­gen Eb­ner Stolz und Wolff & Häcker Fi­nanz­con­sul­ting AG (whf AG). In der drit­ten ge­mein­sa­men Stu­die nach 2010 und 2012 be­frag­ten die Be­ra­ter im Som­mer bun­des­weit knapp 5.000 Un­ter­neh­mer, da­von gut 1.000 aus dem Südwesten, zu Fi­nan­zie­rungs­the­men.

Zins­ge­schenk wird nur teil­weise ge­nutzt
Ka­pi­tal erhält der Mit­tel­stand der­zeit ohne Schwie­rig­kei­ten. 68 Pro­zent der Be­frag­ten ge­ben an, dass sich die Fi­nan­zie­rungs­kon­di­tio­nen für sie in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren ver­bes­sert ha­ben. Für die Zu­kunft geht rund die Hälfte der Be­frag­ten da­von aus, dass die Zin­sen wei­ter­hin nied­rig blei­ben. 17 Pro­zent mein­ten so­gar, dass die Zin­sen noch wei­ter sin­ken könn­ten. „Aus Sicht der Un­ter­neh­mer be­steht we­nig Hand­lungs­druck“, räumt Prof. Dr. Hen­drik Wolff, Vor­stand bei whf, ein: „Das Zins­ge­schenk der EZB wird vom Mit­tel­stand in Deutsch­land nur teil­weise ge­nutzt. Das über­rascht, da sich die Ren­ta­bi­lität von In­ves­ti­tio­nen deut­lich ver­bes­sert.“

Da­bei hat der Mit­tel­stand durch­aus Sor­gen. 87 Pro­zent der Be­frag­ten se­hen in der Wett­be­werbs­si­tua­tion ein star­kes Hin­der­nis für wei­te­res Wachs­tum, ge­folgt von einem Man­gel an qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal (71 Pro­zent) und sta­gnie­ren­den Märk­ten (67 Pro­zent). Die Un­ter­neh­men könn­ten die kom­for­ta­ble Fi­nan­zie­rungs­si­tua­tion nut­zen, um diese Hin­der­nisse zu über­win­den - etwa durch ge­zielte Ak­qui­si­tio­nen oder for­cier­tes or­ga­ni­sches Wachs­tum.

Kurz­fris­tige Kre­dite von der Haus­bank
Das scheint die Un­ter­neh­men der­zeit je­doch nicht zu lo­cken. Nur 41 Pro­zent der Un­ter­neh­mer ge­ben einen erhöhten Ka­pi­tal­be­darf an. Ge­winne blei­ben im Un­ter­neh­men und wer­den the­sau­ri­ert. Auf diese Weise und mit Hilfe von Ge­sell­schaf­ter-Ein­la­gen konnte der Mit­tel­stand in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren seine Ei­gen­ka­pi­tal­po­si­tion wei­ter aus­bauen. Fi­nan­ziert wird über­wie­gend kurz­fris­tig mit Lauf­zei­ten von un­ter fünf Jah­ren.

Er­heb­li­che Vor­be­halte ge­gen Pri­vate Equity
Lang­fris­tige In­ves­ti­tio­nen auf­grund un­ter­neh­me­ri­sch grund­le­gen­der Ent­schei­dun­gen wie etwa Ak­qui­si­tio­nen oder auch eine Re­ge­lung der Un­ter­neh­mer-Nach­folge er­for­dern an­dere Fi­nan­zie­rungs­me­tho­den. Hier bie­ten sich Ei­gen­ka­pi­tal-In­ves­to­ren an. Pri­vate Equity ist im Mit­tel­stand aber nicht gerne ge­se­hen, so die Stu­die. Nur 16 Pro­zent der Be­frag­ten schätzen sol­che In­ves­to­ren po­si­tiv ein, 32 Pro­zent da­ge­gen ga­ben ne­ga­tive Be­wer­tun­gen ab. So wer­den ins­be­son­dere Ren­di­te­druck (77 Pro­zent der Be­frag­ten), kurz­fris­tige Er­geb­nis­op­ti­mie­rung (68 Pro­zent) und die Ge­fahr ei­ner Zer­schla­gung des Un­ter­neh­mens (53 Pro­zent) befürch­tet. Die Stu­die zeigt aber auch, dass es sich hier oft um Vor­ur­teile han­delt. „Es ist span­nend, dass eine über­wie­gende Mehr­heit das Thema Pri­vate Equity ab­lehnt, während die­je­ni­gen Un­ter­neh­men, die be­reits Er­fah­rung da­mit ge­sam­melt ha­ben, eine po­si­ti­vere Bi­lanz zie­hen“, sagt Mi­chael Eu­ch­ner, Part­ner der Eb­ner Stolz Ma­nage­ment Con­sul­tants.

Ban­ken vor In­ves­to­ren
Der Mit­tel­stand hat wei­ter­hin ein ho­hes Ver­trauen in die Haus­ban­ken: Klas­si­sche Bank- und Förder­dar­le­hen stel­len mit 76 Pro­zent im­mer noch den hauptsäch­li­chen Fi­nan­zie­rungs­ka­nal der Be­frag­ten dar. An­dere Fi­nan­zie­rungs­for­men – wie An­lei­hen (4 Pro­zent) so­wie Ge­nuss­rechte oder stille Be­tei­li­gun­gen (11 Pro­zent) – spie­len der­zeit keine we­sent­li­che Rolle bei der Mit­tel­stands­fi­nan­zie­rung.

We­nig Wis­sen über Fi­nan­zie­rungs­al­ter­na­ti­ven
Ge­ne­rell bleibt der In­for­ma­ti­ons­stand der Ge­schäftsführer über an­dere Fi­nan­zie­rungs­for­men nied­rig. Wich­tige Kri­te­rien für den Mit­tel­stand bei der Wahl der Fi­nan­zie­rung sind Verläss­lich­keit (sehr wich­tig: 65 Pro­zent), Un­abhängig­keit von Ka­pi­tal­ge­bern (45 Pro­zent) und die Ka­pi­tal­kos­ten (37 Pro­zent). Die hohe Ge­wich­tung die­ser Kri­te­rien geht im Mit­tel­stand ein­her mit ei­ner über­wie­gend skep­ti­schen Ein­schätzung des Ka­pi­tal­markts als Fi­nan­zie­rungs­quelle, zeigt die Stu­die.
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