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Mit Liquiditätsplanung das Insolvenzrisiko verringern

Die Corona-Krise stellt zahlreiche Unternehmen vor große wirtschaftliche Herausforderungen. Trotz umfassender Finanzhilfen durch den Gesetzgeber ist zu befürchten, dass viele Unternehmen zusätzliche Finanzmittel benötigen werden, um ihr wirtschaftliches Überleben zu sichern.

All­ge­meine Sorg­faltspf­lich­ten der Geschäfts­füh­rung in der Krise

In einer dro­hen­den oder gar bereits beste­hen­den Krise beste­hen die all­ge­mei­nen Sorg­faltspf­lich­ten der Geschäfts­füh­rung wei­ter fort. Ins­be­son­dere tref­fen die Geschäfts­füh­rung in einer sol­chen Situa­tion erhöhte Pflich­ten im Hin­blick auf die lau­fende Pla­nung, Über­wa­chung und Steue­rung der Geschäft­stä­tig­keit. Im Vor­der­grund steht dabei die Sicher­stel­lung einer aus­rei­chen­den Liqui­di­tät, um die Zah­lungs­fähig­keit zu gewähr­leis­ten.

Kri­sen­über­wa­chung mit­tels Liqui­di­täts­vor­schau

Hier­für sollte eine rol­lie­rende kurz­fris­tige Liqui­di­täts­vor­schau als zen­tra­les betriebs­wirt­schaft­li­ches Instru­ment der Kri­sen­über­wa­chung und -steue­rung ers­tellt wer­den. Darin sind für einen Zei­traum von drei Mona­ten die erwar­ten Zah­lungs­ströme unter Berück­sich­ti­gung beste­hen­der Kre­dit­li­nien und Finan­zie­rungs­zu­sa­gen zu erfas­sen.

Tag­ge­naue Über­wa­chung der Liqui­di­tät

Flan­kiert wer­den sollte eine sol­che Liqui­di­täts­vor­schau durch die Ein­rich­tung eines Liqui­di­täts­büros. Die­ses ist für die tages­ge­naue Über­wa­chung der Liqui­di­tät ver­ant­wort­lich, z. B. durch die Ein­rich­tung eines spe­zi­fi­schen Kri­sen-Berichts­we­sens. Wesent­li­che Kenn­zah­len hier­für kön­nen neben dem täg­li­chen Bank-/ Kas­sen­be­stand, auch die bis­her nicht abge­rech­ne­ten Leis­tun­gen und unfer­ti­gen Erzeug­nisse oder Lager­be­stände sowie die Höhe der fäl­li­gen Ver­bind­lich­kei­ten sein. Aus die­sen Erkennt­nis­sen sind dann in einem nächs­ten Schritt ent­sp­re­chende interne Maß­nah­men zur Liqui­di­täts­steue­rung und -siche­rung abzu­lei­ten.

Wenn der akute Kri­sen­fall ein­tritt

Tritt der akute Kri­sen­fall ein und ist das Unter­neh­men zah­lung­s­un­fähig bzw. über­schul­det, besteht grund­sätz­lich die Pflicht für die Geschäfts­füh­rung, bin­nen drei Wochen einen Insol­venz­an­trag zu stel­len. Das sog. Corona-Insol­venz-Aus­set­zungs­ge­setz (Cor­In­sAG) setzt jedoch wäh­rend der aktu­el­len Pan­de­mie­lage die Insol­venz­an­tragspf­licht außer Kraft, es sei denn, sämt­li­che der fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen lie­gen vor:

  • Die Insol­venz­reife ist nicht auf die Aus­wir­kun­gen der Corona-Pan­de­mie zurück­zu­füh­ren
  • Es beste­hen keine Aus­sich­ten, eine ein­ge­t­re­tene Zah­lung­s­un­fähig­keit zu besei­ti­gen

War das Unter­neh­men am 31.12.2019 nicht zah­lung­s­un­fähig, wird dabei gesetz­lich ver­mu­tet, dass die Insol­venz­reife auf den Aus­wir­kun­gen der Corona-Pan­de­mie beruht und Aus­sich­ten dar­auf beste­hen, eine beste­hende Zah­lung­s­un­fähig­keit zu besei­ti­gen. Zen­tra­les Kri­te­rium ist daher die Frage, ob am 31.12.2019 die Zah­lungs­fähig­keit gege­ben war.

Dass zum 31.12.2019 Zah­lungs­fähig­keit bestand, ist tran­s­pa­rent und plau­si­bel dar­zu­le­gen. Die­ser Nach­weis dient auch als Grund­lage für die Gewäh­rung zusätz­li­cher Finanz­mit­tel, z. B. durch die Haus­ban­ken oder die KfW.

Kri­sen­be­dingte Doku­men­ta­tio­nen - oberste Maxime ist Pla­nung und lau­fende Über­wa­chung

Es emp­fiehlt sich, früh­zei­tig und damit im Ideal­fall bereits vor Ein­tritt der aku­ten Krise, pro­ak­tiv zu han­deln und die ent­sp­re­chen­den Nach­weise zur Finanz­lage auf­zu­be­rei­ten.

Schritt 1: Erstel­lung eines stich­tags­be­zo­ge­nen Finanz­sta­tus

Als Nach­weis für die Zah­lungs­fähig­keit am 31.12.2019 sollte im ers­ten Schritt ein stich­tags­be­zo­ge­ner Finanz­sta­tus ers­tellt wer­den. Darin ist retro­grad die frei ver­füg­bare Liqui­di­tät den fäl­li­gen Ver­bind­lich­kei­ten am Stich­tag gegen­über zu stel­len.

Schritt 2: Erstel­lung einer inte­grier­ten Pla­nungs­rech­nung

Auf­bau­end auf dem Finanz­sta­tus ist dann eine inte­grierte Pla­nungs­rech­nung - beste­hend aus einer Erfolgs-, Ver­mö­gens- und Liqui­di­täts­pla­nung min­des­tens für das Jahr 2020, im Ideal­fall zudem für das Jahr 2021, zu ers­tel­len. Der Fokus liegt hier auf der Liqui­di­täts­pla­nung, anhand derer zunächst der Finan­zie­rungs­be­darf in der Krise abzu­lei­ten ist. Unter­neh­men müs­sen in der Liqui­di­täts­pla­nung auch die finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der gewähr­ten Finanz­hil­fen der Bun­des­re­gie­rung dar­le­gen. Auf­grund der hohen Kom­ple­xi­tät in der Prog­nose ihrer finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen, sollte das Pla­nungs­mo­dell ins­be­son­dere die Mög­lich­keit einer fle­xi­b­len Anpas­sung der Prä­mis­sen und die Aus­wahl mehr­di­men­sio­na­ler Sze­na­rien ermög­li­chen. Dar­über hin­aus sind auch die Effekte zusätz­li­cher Sanie­rungs­maß­nah­men in die Pla­nung zu inte­grie­ren. Die Pla­nungs­rech­nung ist lau­fend durch neue Erkennt­nisse, z. B. infolge regu­la­to­ri­scher Ände­run­gen, anzu­pas­sen.

Um sch­ließ­lich den Nach­weis einer posi­ti­ven Fort­füh­rung­s­prog­nose zu erbrin­gen, ist in der Pla­nungs­rech­nung die Zah­lungs­fähig­keit im Prog­no­se­zei­traum 2020 und 2021 mit einer über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit dar­zu­le­gen.

Hin­weis

Die Erstel­lung und lau­fende Fort­sch­rei­bung von Pla­nungs­rech­nun­gen, ins­be­son­dere zur Über­wa­chung der Liqui­di­tät soll­ten nicht als Selbstz­weck gese­hen wer­den. In einer wirt­schaft­li­chen Kri­sen­si­tua­tion sind diese von zen­tra­ler Bedeu­tung für die Ein­hal­tung und Doku­men­ta­tion der Sorg­faltspf­lich­ten der Geschäfts­füh­rung sowie die sch­nelle Bean­tra­gung von Finanz­hil­fen. Unter­neh­men dür­fen sich der­zeit nicht aus­sch­ließ­lich auf in Aus­sicht ges­tell­ten Finan­zie­rungs­hil­fen ver­las­sen. Sofern diese im Ein­zel­fall nicht aus­rei­chen, um die Liqui­di­täts­lü­cke zu sch­lie­ßen, sind unver­züg­lich alter­na­tive Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten in Betracht zu zie­hen. Auch sollte über den gesam­ten Zei­traum der Krise lau­fend doku­men­tiert wer­den, wie die Krise letzt­lich gemeis­tert wer­den soll. Dazu ist die Pla­nungs­rech­nung ein wich­ti­ger Bau­stein: Beste­hen näm­lich keine Aus­sich­ten mehr, die Krise zu über­win­den, lebt die Insol­venz­an­tragspf­licht wie­der auf.

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