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Ad-hoc-Publizitätspflichten in Zeiten der Corona-Krise

Die Corona-Krise trifft die Unternehmen in zahlreichen Bereichen. Losgelöst von den Herausforderungen, die mit dem Coronavirus und der Aufrechterhaltung der Betriebsabläufe einhergehen, müssen kapitalmarktorientierte Unternehmen auch eventuelle Ad-hoc-Publizitätspflichten im Auge behalten.

So müs­sen Ins­i­der­in­for­ma­tio­nen mit Aus­wir­kun­gen auf die Geschäft­stä­tig­keit öff­ent­lich, wirk­sam und recht­zei­tig bekannt­ge­ge­ben wer­den. Und der­ar­tige Aus­wir­kun­gen kön­nen sich auch auf­grund des Coro­na­vi­rus erge­ben und damit zu Ad-hoc-Pub­li­zi­tätspf­lich­ten füh­ren.

Pro­duk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung kann zu Ad-hoc-Pub­li­zi­tätspf­licht füh­ren

Zu den maß­geb­li­chen bedeu­ten­den Geschäfts­vor­fäl­len, die kurs­re­le­vante Fol­gen für das Unter­neh­men haben kön­nen, gehört die Beein­träch­ti­gung der Pro­duk­tion. Dabei muss das Unter­neh­men von der Beein­träch­ti­gung sub­stan­zi­ell betrof­fen sein.

Der­ar­tige Beein­träch­ti­gun­gen kön­nen zum einen dar­auf beru­hen, dass die eigene Pro­duk­tion von Zulie­fe­run­gen aus vom Coro­na­vi­rus beson­ders betrof­fe­nen Regio­nen abhängt, zum ande­ren aber auch auf der Erkran­kung von eige­nen Mit­ar­bei­tern. Ein­zelne Krank­heits­fälle genü­gen hier­für nicht; jedoch kön­nen Per­so­nal­knapp­hei­ten durch Qua­ran­tä­n­e­zei­ten oder Erkran­kun­gen zahl­rei­cher Mit­ar­bei­ter zu kurs­re­le­van­ten Per­so­na­l­eng­päs­sen und -aus­fäl­len füh­ren.

Nega­tive Geschäfts­ent­wick­lung pub­li­zi­tätspf­lich­tig

Ins­i­der­in­for­ma­tio­nen kön­nen sich aber auch aus einer all­ge­mein nega­ti­ven Geschäfts­ent­wick­lung erge­ben, ver­ur­sacht durch einen erheb­li­chen Rück­gang des Umsat­zes, bspw. im Flug­ver­kehr, im Ein­zel­han­del, in der Tou­ris­mus­bran­che, der Gas­tro­no­mie oder im Mes­se­bau. Ad-hoc-pflich­tige Unter­neh­men soll­ten des­halb ihre Umsatz­ent­wick­lung sorg­fäl­tig beo­b­ach­ten und bei bereits abseh­ba­ren Abwei­chun­gen von der Mark­t­er­war­tung eine Ad-hoc-Pub­li­zi­tätspf­licht prü­fen. Macht die erwar­tete Abwei­chung bei der Geschäfts­ent­wick­lung eine Prog­no­se­an­pas­sung erfor­der­lich, löst dies eine Ad-hoc-Mel­dung aus.

Ad-hoc-Mel­dung zum Aus­fall von Füh­rungs­kräf­ten

Befin­det sich eine Füh­rungs­kraft in Qua­ran­täne oder ist sie gar an dem Coro­na­vi­rus erkrankt und kommt es dadurch zu einem län­ger­fris­ti­gen Aus­fall der Füh­rungs­kraft, kann auch dies u. U. eine Ad-hoc-Mel­depf­licht aus­lö­sen. Dabei kommt es im Ein­zel­nen auf die Schwere und Dauer der Erkran­kung an. Maß­geb­lich ist zudem die Stel­lung der jewei­li­gen Füh­rungs­kraft im Unter­neh­men. Dabei muss es sich nicht zwangs­läu­fig nur um Organ­mit­g­lie­der han­deln. Ad-hoc-mel­depf­lich­tig kön­nen u. U. auch Aus­fälle von ande­ren Füh­rungs­kräf­ten sein, die einen maß­geb­li­chen Ein­fluss auf den Geschäfts­ver­lauf haben.

Hin­weis

Bei Ad-hoc-Mel­dun­gen zum Aus­fall von Füh­rungs­kräf­ten ist das Infor­ma­ti­ons­in­ter­esse des Kapi­tal­markts gegen das Per­sön­lich­keits­recht der betrof­fe­nen Per­son abzu­wä­gen. Über­wiegt das Kapi­tal­marktin­ter­esse, ist ein Ein­griff in das Per­sön­lich­keits­recht gerecht­fer­tigt.

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