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Steuerberatung

Kapitalanlagerelevante Änderungen durch das geplante Wachstumschancengesetz

Das BMF hat mit Stand vom 14.07.2023 den Re­fe­ren­ten­ent­wurf ei­nes Wachs­tums­chan­cenge-set­zes vor­ge­legt. Darin fin­den sich auch Ände­run­gen im Be­reich der Be­steue­rung der Ka­pi­tal­an­lage.

Reform der Zinsschranke und Einführung einer Zinshöhenschranke

Durch das ge­plante Wachs­tums­chan­cen­ge­setz wird dem durch die Anti-Tax-Avo­idance-Di­rec­tive („ATAD“) er­for­der­li­chen An­pas­sungs­be­darf der Zins­schran­ken­re­ge­lung nach § 4h EStG und § 8a KStG Rech­nung ge­tra­gen. Der Ei­gen­ka­pi­tal-Es­cape, wo­nach die Zins­schranke nicht zur An­wen­dung kommt, wenn die Ei­gen­ka­pi­tal­quote des Be­triebs am Ende des vor­an­ge­gan­ge­nen Ab­schluss­stich­ta­ges nicht nied­ri­ger als die des Kon­zerns ist, wird ge­stri­chen. Ebenso wird die Stand-alone-Klau­sel, wo­nach die Zins­schranke nur bei kon­zern­zu­gehöri­gen Be­trie­ben zur An­wen­dung kommt, de­ren Net­to­zins­auf­wen­dun­gen 3 Mio. Euro pro Wirt­schafts­jahr über­stei­gen, auf­ge­ho­ben. Viel­mehr sind zukünf­tig ne­ben kon­zern­zu­gehöri­gen Un­ter­neh­men auch ver­bun­dene Un­ter­neh­men (mit ei­ner Be­tei­li­gungs­quote von min­des­tens 25 %) und Un­ter­neh­men mit ei­ner ausländi­schen Be­triebsstätte in den An­wen­dungs­be­reich der Zins­schranke ein­zu­be­zie­hen. Die Frei­grenze i. H. von 3 Mio. Euro wird als Frei­be­trag aus­ge­stal­tet. In­folge der Neu­re­ge­lung wer­den gleich­ar­tige Be­triebe, die un­ter ei­ner ein­heit­li­chen Lei­tung ste­hen, zu­sam­men­ge­fasst, so­dass der Frei­be­trag nur ein­mal ge­nutzt wer­den kann und auf diese Be­triebe ent­spre­chend dem Verhält­nis der Net­to­zins­auf­wen­dun­gen auf­zu­tei­len ist (§ 4h Abs. 2 EStG-E).

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Der neu ein­geführte § 4l EStG-E sieht zu­dem eine Zinshöhen­schranke vor. Da­nach sind Zins­auf­wen­dun­gen nicht ab­zieh­bar, so­weit diese auf einem über dem Höchst­satz lie­gen­den Zins­satz be­ru­hen. Die Zinshöhen­schranke fin­det da­bei nach § 4l Satz 3 EStG-E nur auf Zins­auf­wen­dun­gen auf­grund ei­ner Ge­schäfts­be­zie­hung zwi­schen na­he­ste­hen­den Per­so­nen im Sinne des § 1 Abs. 2 AStG An­wen­dung. Höchst­satz ist der um zwei Pro­zent­punkte erhöhte Ba­sis­zins­satz nach § 247 BGB. Bei dem ak­tu­el­len Ba­sis­zins­satz von 3,12 % (Stand: 01.07.2023) beträgt der Höchst­satz so­mit 5,12 %. Die Re­ge­lung enthält darüber hin­aus auch eine Ent­las­tungsmöglich­keit (§ 4l Satz 2 Hs. 2 EStG-E) so­wie einen Sub­stanz­test für den Fall, dass der Gläubi­ger ei­ner we­sent­li­chen wirt­schaft­li­chen Tätig­keit nach­geht (§ 4l Satz 4 EStG-E). Die Neu­re­ge­lun­gen dürf­ten er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Fi­nan­zie­rungs­si­tua­tion von Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten ha­ben.

Ausweitung der Meldepflicht auf innerstaatliche Steuergestaltungen

Mit den neuen §§ 138l bis 138n AO-E wird eine Pflicht zur Mit­tei­lung be­stimm­ter in­ner­staat­li­cher Steu­er­ge­stal­tun­gen ein­geführt, die sich – so­weit möglich – eng an den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen zur Mit­tei­lungs­pflicht über grenzüber­schrei­tende Steu­er­ge­stal­tun­gen nach §§ 138d bis 138h AO ori­en­tiert. Die Mit­tei­lungs­pflicht be­steht bei Vor­lie­gen der Kenn­zei­chen stets für Pu­bli­kums- und Spe­zial-In­vest­ment­fonds so­wie für Di­rekt­an­le­ger ober­halb ei­ner Einkünf­te­schwelle von 2 Mio. Euro (inkl. der Einkünfte aus Ka­pi­tal­vermögen).

Änderungen des Investmentsteuergesetzes

Der neu ein­zuführende § 2 Abs. 9a Satz 1 In­vStG-E schließt eine Im­mo­bi­lien- oder Aus­lands-Im­mo­bi­li­en­teil­frei­stel­lung aus, wenn es auf­grund von (ausländi­schen) Steu­er­be­frei­ungs­vor­schrif­ten zu kei­ner oder nur ei­ner ge­rin­gen Steu­er­vor­be­las­tung kommt.

Der neue § 4 Abs. 2 Nr. 1a In­vStG-E re­gelt für Fälle, in de­nen An­teile an ei­ner Ka­pi­tal­ge­sell­schaft mit über­wie­gen­dem inländi­schen Im­mo­bi­li­en­be­sitz veräußert wer­den, die Ka­pi­tal­ge­sell­schaft je­doch we­der Sitz noch Ge­schäfts­lei­tung im In­land hat (ausländi­sche In­lands­im­mo­bi­lien-Ka­pi­tal­ge­sell­schaft), wel­ches Fi­nanz­amt für die Be­steue­rung zuständig ist.

Bis­lang konn­ten An­le­ger, die über eine lu­xem­bur­gi­sche Fonds­struk­tur in eine inländi­sche GmbH mit über­wie­gen­dem inländi­schen Im­mo­bi­li­en­be­sitz in­ves­tiert ha­ben, die Be­steue­rung der Wert­stei­ge­rung der inländi­schen Im­mo­bi­lien durch die Veräußerung des „GmbH-Man­tels“ ver­mei­den. Die Ände­rung des § 6 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 In­vStG-E soll diese Ge­stal­tun­gen ver­hin­dern, in­dem die Be­steue­rungs­re­ge­lun­gen des § 49 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. e Dop­pel­buchst. cc EStG, der Ge­winne aus der Veräußerung von Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten mit über­wie­gen­dem inländi­schen Im­mo­bi­li­en­be­sitz er­fasst, auf In­vest­ment­fonds aus­ge­dehnt wer­den. Die Re­ge­lung ist gleich­wohl nur für Fälle, in de­nen dem Be­le­gen­heits­staat der Im­mo­bi­lie auf­grund ei­ner ab­kom­mens­recht­li­chen Im­mo­bi­li­en­klau­sel (wie z. B. Art. 13 Abs. 2 des DBA Lu­xem­burg) ein Be­steue­rungs­recht zu­ge­wie­sen wird, so­wie Nicht-DBA-Fälle an­wend­bar. Sieht das je­wei­lige DBA keine Im­mo­bi­li­en­klau­sel vor, sind die Ge­winne aus der Veräußerung der Ge­sell­schaft nur im Ansässig­keits­staat des Veräußer­ers zu be­steu­ern (vgl. Art. 13 Abs. 5 OECD-MA), für die An­wen­dung des § 49 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. e Dop­pel­buchst. cc EStG bleibt in­so­weit kein Raum.

Nach § 26 Nr. 7a Satz 1 In­vStG-E müssen für die Ein­stu­fung als Spe­zial-In­vest­ment­fonds die Ein­nah­men aus ei­ner ak­ti­ven un­ter­neh­me­ri­schen Be­wirt­schaf­tung im Sinne des § 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 In­vStG we­ni­ger als 5 % der ge­sam­ten Ein­nah­men des Fonds be­tra­gen. Bei einem Über­schrei­ten die­ser Grenze droht der Ver­lust des Sta­tus als Spe­zial-In­vest­ment­fonds (§ 52 Abs. 1 Satz 1 In­vStG). Um In­ves­ti­tio­nen in er­neu­er­bare En­er­gien zu fördern, wurde im Zuge des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2022 in § 26 Nr. 7a Satz 2 In­vStG die ma­xi­mal zulässige Grenze für Ein­nah­men aus ak­ti­ver un­ter­neh­me­ri­scher Be­wirt­schaf­tung un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen um 5 Pro­zent­punkte auf 10 % an­ge­ho­ben. Durch das Wachs­tums­chan­cen­ge­setz wird die Grenze nun um wei­tere 10 Pro­zent­punkte auf 20 % erhöht. Für Im­mo­bi­li­en­fonds enthält § 15 Abs. 2 Satz 2 In­vStG eine Aus­nahme hin­sicht­lich der ak­ti­ven un­ter­neh­me­ri­schen Be­wirt­schaf­tung nach § 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 In­vStG, so­dass eine ak­tive un­ter­neh­me­ri­sche Be­wirt­schaf­tung bei ei­ner Be­tei­li­gung an ei­ner Im­mo­bi­lien-Ge­sell­schaf­ten nach § 1 Abs. 19 Nr. 22 KAGB nicht zu ei­ner Ge­wer­be­steu­er­pflicht führt.

Die aus­ge­schütte­ten und aus­schüttungs­glei­chen Erträge ei­nes Spe­zial-In­vest­ment­fonds sind nach § 43 Abs. 1 In­vStG bei der Ver­an­la­gung des An­le­gers von der Be­mes­sungs­grund­lage aus­zu­neh­men, wenn aus einem ausländi­schen Quel­len­staat stam­mende Einkünfte nach dem Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men des Quel­len­staats mit der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land von der inländi­schen Be­steue­rung frei­ge­stellt sind. Durch die neue Re­ge­lung des § 43 Abs. 1 Satz 2 In­vStG-E ist die An­wen­dung die­ser Steu­er­be­frei­ung aus­ge­schlos­sen, wenn es auf­grund ausländi­scher Steu­er­be­frei­ungs­vor­schrif­ten zu kei­ner Steu­er­vor­be­las­tung im Aus­land kommt.

Die Neu­re­ge­lun­gen soll­ten grundsätz­lich ab 01.01.2024 gel­ten.

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