de en
Nexia Ebner Stolz

Aktuelles

Häusliches Arbeitszimmer eines Kabarettisten

FG Köln 20.5.2015, 3 K 1146/13

Die für seinen Beruf wesentliche und prägende Leistung erbringt ein Kabarettist auf der Bühne, wo er auftritt und seine Kunst dem Publikum in Gestalt eines Vortrags präsentiert. Das gilt auch, wenn er - wie hier - seine Vorträge von der ersten Idee über das Verfassen der Texte bis zu den letzten Details der Darbietung selbst produziert und sich als "vortragender" Autor sieht.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger war in den Streit­jah­ren 2005 bis 2008 frei­be­ruf­lich als Kaba­ret­tist tätig. In die­ser Zeit absol­vierte er jähr­lich etwa 120 öff­ent­li­che Auf­tritte. Dafür erhielt er außer den Gagen Zah­lun­gen der GEMA und der VG-Wort. Los­ge­löst von den Auf­trit­ten erzielt der Klä­ger Ein­nah­men aus CD-Ver­käu­fen.

Der Klä­ger hatte im Dach­ge­schoss gele­gene und in sich abge­sch­los­sene Räum­lich­kei­ten als Pri­vat­woh­nung und Büro an. Die letzt­ge­nannte Ein­heit bestand aus einem gro­ßen Raum samt Dusche mit WC und einem Abs­tell­raum. Die Boden­fläche betrug 32 m², die der pri­va­ten Woh­nung 198 m². Die Ein­gänge lagen im Trep­pen­haus direkt gegen­über. Aller­dings konnte man in die Pri­vat­woh­nung mit direkt einem Auf­zug gelan­gen, für den es einen Spe­zial­schlüs­sel gab. Sowohl für die Woh­nung als auch für das Büro gab es get­rennte Klin­geln, ver­schie­dene Namens­schil­der, geson­derte Brief­käs­ten und eigene Gegen­sp­rech­an­la­gen. Die Büro­aus­stat­tung bestand aus einem Sch­reib­tisch mit Bür­o­stuhl, einem Sofa, wei­te­ren Stüh­len, meh­re­ren Rega­len, einem PC mit Moni­tor, meh­re­ren Kame­ras und Note­books, Fern­seh­ge­rä­ten und einem Pro­jek­tor.

Der Klä­ger ermit­telte den Gewinn aus sei­ner frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit durch Über­schuss­rech­nung. Nach einer Betriebs­prü­fung stellte sich das Finanz­amt nach­träg­lich auf den Stand­punkt, dass das Büro ein­kom­men­steu­er­recht­lich nicht als Betriebs­stätte son­dern als häus­li­ches Arbeits­zim­mer zu behan­deln sei. Es bilde fer­ner nicht den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung des Klä­gers. Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage über­wie­gend statt. Die Revi­sion zum BFH wurde nicht zuge­las­sen.

Die Gründe:
Das Finanz­amt war nicht berech­tigt, die Betriebs­aus­ga­ben für das Büro auf­grund der Betriebs­prü­fung zu strei­chen. Es war bereits bei der Ver­an­la­gung bekannt, dass das Arbeits­zim­mer nicht den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung gem. § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 3 Hs. 2 EStG bil­dete. Abzu­s­tel­len war auf das Gesamt­bild der Ver­hält­nisse und auf die Ver­kehrs­an­schau­ung, nicht auf die Vor­stel­lung des betrof­fe­nen Steu­erpf­lich­ti­gen.

Das Wort "Kaba­rett" stammt vom fran­zö­si­schen "caba­ret" (Schänke oder Kneipe) und besch­reibt eine Form der dar­s­tel­len­den (Klein-)Kunst. Die für sei­nen Beruf wesent­li­che und prä­gende Leis­tung erbringt ein Kaba­ret­tist auf der Bühne, wo er auf­tritt und seine Kunst dem Pub­li­kum in Gestalt eines Vor­trags prä­sen­tiert. Das gilt auch, wenn er ‑ wie hier - seine Vor­träge von der ers­ten Idee über das Ver­fas­sen der Texte bis zu den letz­ten Details der Dar­bie­tung selbst pro­du­ziert. Zwar sah sich der Klä­ger als "vor­tra­gen­den" Autor. Da sich seine Auto­ren­tä­tig­keit im Arbeits­zim­mer aber ganz über­wie­gend auf seine eige­nen Vor­träge bezog, trat sie in ihrer Bedeu­tung hin­ter sei­nen Auf­trit­ten zurück und diente ebenso wie das Ein­ü­ben ledig­lich der Vor­be­rei­tung. Der Klä­ger konnte nicht mit einem Buch­au­tor ver­g­li­chen wer­den, der abge­se­hen von gele­gent­li­chen Lesun­gen nicht vom Vor­trag sei­ner Texte, son­dern alleine von deren Ver­kauf lebt. Dass der Klä­ger in den Streit­jah­ren aus dem Ver­kauf von CDs Ein­nah­men erzielt hatte, die eigen­stän­dige und von den Auf­trit­ten los­ge­löste Leis­tun­gen waren, änderte an dem vor­ste­hen­den Ergeb­nis nichts. Denn diese gewerb­li­che Tätig­keit hatte der Klä­ger kei­nes­falls im Arbeits­zim­mer aus­ge­übt.

Ein Arbeits­zim­mer ist häus­lich, wenn der betref­fende Raum sei­ner Lage, Funk­tion und Aus­stat­tung nach in die häus­li­che Sphäre des Steu­erpf­lich­ti­gen ein­ge­bun­den ist, also zur Woh­nung oder zum Wohn­haus des Steu­erpf­lich­ti­gen gehört. Das war bei dem ange­mie­te­ten Büro nicht der Fall. Denn es han­delte sich um eine geson­derte Wohn­ein­heit, die der Klä­ger für seine frei­be­ruf­li­che Tätig­keit als Kaba­ret­tist nutzte und die von sei­ner Pri­vat­woh­nung voll­stän­dig get­rennt war. Dass sich beide Woh­nun­gen auf der­sel­ben Etage direkt gegen­über befan­den, änderte an der recht­li­chen Beur­tei­lung nichts.

Nach BFH-Recht­sp­re­chung liegt eine innere häus­li­che Ver­bin­dung mit der pri­va­ten Lebens­sphäre regel­mä­ßig nicht vor, wenn der Steu­erpf­lich­tige in einem Mehr­fa­mi­li­en­haus zusätz­lich zu sei­ner pri­va­ten Woh­nung eine wei­tere Woh­nung anmie­tet und diese voll­stän­dig als Arbeits­zim­mer nutzt. Glei­ches hat auch zu gel­ten, wenn sich der Sach­ver­halt - wie hier - in einem Geschäfts­haus mit einer Woh­ne­tage im Dach­ge­schoss abspielt. Die erfor­der­li­che Ver­bin­dung zur häus­li­chen Sphäre ist in die­sem Fall nicht allein des­halb gege­ben, weil sich Arbeits­zim­mer und Pri­vat­woh­nung im sel­ben Haus und unter dem­sel­ben Dach befin­den. Die recht­li­che Bewer­tung ist in sol­chen Gebäu­den grund­sätz­lich anders als bei Arbeits­zim­mern in einem pri­va­ten Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­haus, das dem Steu­erpf­lich­ti­gen womög­lich selbst gehört.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text des Urteils ist erhält­lich unter www.nrwe.de - Recht­sp­re­chungs­da­ten­bank des Lan­des NRW.
  • Um direkt zu dem Voll­text zu kom­men, kli­cken Sie bitte hier.
nach oben