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FG Rheinland-Pfalz zum Abzug von Aufwendungen eines Arztes für ein Theologiestudium als Werbungskosten

Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 20.6.2012 -3 K 1240/10

Die Aufwendungen für ein Theologiestudium können als Fortbildungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit eines Arztes zu berücksichtigen sein, wenn die Inhalte der besuchten Veranstaltungen, bzw. Vorlesungen einen konkreten Bezug zu der ärztlichen Tätigkeit aufweisen. Dies gilt jedoch nicht, wenn die Kompetenzen, die der Steuerpflichtige mit dem Theologiestudium erlangen möchte, in dem Studium nur am Rande berührt werden.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger ist in einer Gemein­schafts­pra­xis als Fach­arzt für Nuk­le­ar­me­di­zin tätig. In sei­ner Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung für das Jahr 2007 hatte er bei sei­nen Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit in einem medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­zen­trum Auf­wen­dun­gen für ein Theo­lo­gie­stu­dium i.H.v. rd. 1.600 € als Wer­bungs­kos­ten gel­tend gemacht. Er begrün­dete es damit, dass im Rah­men der Pati­en­ten­be­t­reu­ung in Zukunft Seel­sorge ange­bo­ten wer­den solle.

Ein Stu­dium mit seel­sor­ge­ri­scher Aus­bil­dung sei bei der Behand­lung von zum Teil Schwerst­kran­ken, die mit teil­weise dra­ma­tisch lebens­ve­r­än­dern­den Maß­nah­men ver­bun­den sei, von Vor­teil, da viele Pati­en­ten sui­zid­ge­fähr­det seien. Lei­der ver­mittle das Medi­zin­stu­dium keine Grund­la­gen für eine adäquate seel­sor­ge­risch/psy­cho­lo­gi­sche Bet­reu­ung. Im Ver­g­leich mit ärzt­li­chen Wett­be­wer­bern könn­ten die Pati­en­ten somit ange­mes­se­ner bet­reut wer­den, was einen Wett­be­werbs­vor­teil dar­s­telle.

Das Finanz­amt lehnte aller­dings den begehr­ten Abzug als Wer­bungs­kos­ten mit dem Hin­weis dar­auf, dass die Auf­wen­dun­gen auch eine pri­vate Mit­ver­an­las­sung hät­ten, ab. Das FG wies die hier­ge­gen gerich­tete Klage ab. Das Urteil ist mitt­ler­weile rechts­kräf­tig.

Die Gründe:
Das Finanz­amt hatte den Abzug der Auf­wen­dun­gen für das Theo­lo­gie­stu­dium als Wer­bungs­kos­ten zu Recht abge­zo­gen.

Auf­wen­dun­gen für eine sol­che Bil­dungs­maß­nahme
Sind nur dann als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, wenn ein kon­k­re­ter Zusam­men­hang mit der Beruf­s­tä­tig­keit besteht. Ob die Bil­dungs­auf­wen­dun­gen aus beruf­li­chem Anlass getä­tigt wer­den oder ob es sich um pri­vat ver­an­lasste Auf­wen­dun­gen han­delt, ist dabei anhand einer Gesamt­wür­di­gung aller Umstände des Ein­zel­falls zu ent­schei­den.

Der Klä­ger hatte das Theo­lo­gie­stu­dium nicht begon­nen, um einen theo­lo­gi­schen Abschluss anzu­st­re­ben, son­dern um seine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fähig­keit beim Umgang mit Pati­en­ten in lebens­be­dro­hen­den Situa­tio­nen zu ver­bes­sern. Nach der Besch­rei­bung des Grund­auf­baus des Stu­di­ums war - bei den sehr umfang­rei­chen Fach­ge­bie­ten - für das Gericht jedoch nicht ersicht­lich, dass der Aspekt der seel­sor­ge­risch/psy­cho­lo­gi­schen Bet­reu­ung über­haupt eine aus­schlag­ge­bende Rolle spielt. Die Kom­pe­ten­zen, die der Klä­ger mit dem Theo­lo­gie­stu­dium erlan­gen möchte, wer­den in die­sem Stu­dium somit nur am Rande berührt. Die Aspekte, bei denen der Klä­ger einen Fort­bil­dungs­be­darf für seine Berufs­aus­übung sieht, sind bei einem Theo­lo­gie­stu­dium nur von ganz unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung. Infol­ge­des­sen fehlte es im Streit­jahr an einem objek­tiv fest­s­tell­ba­ren, hin­rei­chend kon­k­re­ten Zusam­men­hang der Auf­wen­dun­gen zu der ärzt­li­chen Tätig­keit des Klä­gers.

In spä­te­ren Ver­an­la­gungs­zei­träu­men könnte aller­dings eine Berück­sich­ti­gung von Wer­bungs­kos­ten denk­bar sein, wenn die Inhalte der besuch­ten Ver­an­stal­tun­gen, bzw. Vor­le­sun­gen einen kon­k­re­ten Bezug zu der ärzt­li­chen Tätig­keit des Klä­gers auf­wei­sen und sich somit auf die seel­sor­ge­ri­schen und kom­mu­ni­ka­ti­ven Aspekte bezie­hen, die der Klä­ger in sei­ner Tätig­keit als Nuk­le­ar­me­di­zi­ner im Umgang mit Pati­en­ten nut­zen will.



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