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FG Hamburg: Kein Anspruch auf Vorsteuerabzug bei fehlenden oder unzutreffenden Rechnungsangaben

Urteil des FG Hamburg vom 28.6.2012 - 2 K 196/11

Feh­len die für den Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 UStG er­for­der­li­chen Rech­nungs­an­ga­ben oder sind sie un­zu­tref­fend, be­steht für den Leis­tungs­empfänger kein An­spruch auf Vor­steu­er­ab­zug. Es kommt nicht dar­auf an, ob der Leis­tungs­empfänger die un­zu­tref­fen­den An­ga­ben - hier: bei der Steu­er­num­mer - hätte er­ken­nen können.

Der Sach­ver­halt:
Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Rechtmäßig­keit ei­nes Vor­steu­er­ab­zugs aus be­stimm­ten Ein­gangs­rech­nun­gen der Kläge­rin. Die Kläge­rin ist ein­ge­tra­ge­ner Kauf­mann und be­treibt ein Trans­port­un­ter­neh­men. Sie verfügt über eine An­zahl von Lkw, hatte je­doch in dem strei­ti­gen Zeit­raum for­mell keine Fah­rer an­ge­stellt. Im Rah­men ih­rer Um­satz­steuer-Vor­an­mel­dun­gen machte die Kläge­rin u.a. einen Vor­steu­er­ab­zug aus Rech­nun­gen der Fir­men A-GmbH und B-GmbH gel­tend, mit de­nen Per­so­nalüber­las­sun­gen ab­ge­rech­net wur­den.

Die A-GmbH bie­tet Trans­porte, Lo­gis­tik und Um­schlag von Wa­ren al­ler Art an. Im Zeit­raum von Ja­nuar 2010 bis Ende März 2010 er­stellte sie mo­nat­lich Rech­nun­gen über Per­so­nalüber­las­sun­gen, in de­nen keine Steu­er­num­mer an­ge­ge­ben war. Die Rech­nun­gen ab April 2010 ent­hiel­ten die Steu­er­num­mer des Ge­schäftsführers C. Die Ge­sell­schaft wurde steu­er­lich nicht geführt; zwi­schen­zeit­lich wurde sie we­gen Vermögens­lo­sig­keit von Amts we­gen gelöscht.

Ge­gen­stand der laut Han­dels­re­gis­ter in der Z-Straße in Ham­burg ansässi­gen B-GmbH ist u.a. ge­neh­mi­gungs­freier Güter­ver­kehr. Mit den Rech­nun­gen wur­den mo­nat­lich Per­so­nalüber­las­sun­gen ab­ge­rech­net. Die Rech­nun­gen wur­den un­ter der An­schrift U-Straße in Ham­burg er­stellt. Bei ei­ner Um­satz­steu­er­nach­schau im Au­gust 2010 konnte die Mit­ar­bei­te­rin des Fi­nanz­amts un­ter bei­den An­schrif­ten keine An­halts­punkte für einen Ge­schäfts­be­trieb der B-GmbH fest­stel­len. Das Fi­nanz­amt ver­sagte dar­auf­hin einen Vor­steuer-Ab­zug aus Rech­nun­gen der A-GmbH und der B-GmbH.

Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Die anhängige Nicht­zu­las­sungs­be­schwerde wird beim BFH un­ter dem Az. XI B 108/12 geführt.

Die Gründe:
Das Fi­nanz­amt hat einen Vor­steu­er­ab­zug aus den Rech­nun­gen der A-GmbH und der B-GmbH in den USt-Vor­aus­zah­lungs­be­schei­den für Ja­nuar bis No­vem­ber 2010 zu Recht ver­sagt. Die Vor­aus­set­zun­gen für einen Vor­steu­er­ab­zug lie­gen nicht vor.

§ 14 Abs. 4 UStG be­stimmt, dass eine Rech­nung u.a. den vollständi­gen Na­men und die vollständige An­schrift des leis­ten­den Un­ter­neh­mers und des Leis­tungs­empfängers (Nr. 1), die dem leis­ten­den Un­ter­neh­mer vom Fi­nanz­amt er­teilte Steu­er­num­mer oder die ihm vom Bun­des­amt für Steu­ern er­teilte Um­satz­steuer-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer (Nr. 2) ent­hal­ten muss. Feh­len die für den Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 UStG er­for­der­li­chen Rech­nungs­an­ga­ben oder sind sie un­zu­tref­fend, be­steht für den Leis­tungs­empfänger kein An­spruch auf Vor­steu­er­ab­zug.

Die Rech­nun­gen der A-GmbH wer­den den An­for­de­run­gen des § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 i. V. m. § 14 Abs. 4 S. 1 Nr. 1 und 2 UStG nicht ge­recht. Die Rech­nun­gen bis ein­schließlich März 2010 ent­hiel­ten alle we­der eine Steu­er­num­mer noch eine Um­satz­steuer-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des leis­ten­den Un­ter­neh­mers. Die an­schließen­den Rech­nun­gen wie­sen zwar eine Steu­er­num­mer aus, je­doch nicht die des leis­ten­den Un­ter­neh­mers, son­dern die des Ge­schäftsführers. Für die Steu­er­fest­set­zung kommt es da­bei nicht dar­auf an, ob die Kläge­rin die un­zu­tref­fen­den An­ga­ben hätte er­ken­nen können.

Der Vor­steu­er­ab­zug war auch aus den Rech­nun­gen der B-GmbH zu ver­sa­gen, weil die in den Rech­nun­gen an­ge­ge­bene Adresse nicht die des leis­ten­den Un­ter­neh­mens ist. Die Rech­nun­gen ent­hal­ten als An­schrift des Un­ter­neh­mens die U-Straße, ob­wohl sich der Sitz des Un­ter­neh­mens laut Han­dels­re­gis­ter in der Z-Straße be­fand. Nach § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 i. V. m. § 14 Abs. 4 S. 1 Nr. 1 UStG muss die Rech­nung je­doch grundsätz­lich den rich­ti­gen Na­men und die rich­tige Adresse des leis­ten­den Un­ter­neh­mens ent­hal­ten. Der den Vor­steu­er­ab­zug be­geh­rende Leis­tungs­empfänger trägt hierfür die Fest­stel­lungs­last, denn es be­steht eine Ob­lie­gen­heit des Leis­tungs­empfängers, sich über die Rich­tig­keit der An­ga­ben in der Rech­nung zu ver­ge­wis­sern.

Vor­lie­gend hat die B-GmbH nach den Fest­stel­lun­gen der Steu­er­fahn­dung und der Um­satz­steuer-Nach­schau we­der un­ter der U-Straße noch un­ter der Z-Straße einen Ge­schäfts­sitz un­ter­hal­ten. Bei ei­ner Überprüfung durch das Fi­nanz­amt be­fand sich un­ter kei­ner der ge­nann­ten An­schrif­ten ein Ge­schäfts­sitz. Die Fest­stel­lun­gen der Steu­er­fahn­dung bestäti­gen den Ein­druck, der sich be­reits aus den Fest­stel­lun­gen der Um­satz­steuer-Son­derprüfung er­ge­ben hat, dass es sich bei der B-GmbH um ein Schein­un­ter­neh­men mit einem Schein­sitz han­delt.

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