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Bewertung von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben bei gemeinschaftlicher Tierhaltung

BFH 9.3.2014, II R 23/13

Der land- und forst­wirt­schaft­li­che Be­trieb bei ge­mein­schaft­li­cher Tier­hal­tung i.S.d. § 34 Abs. 6a i.V.m. § 51a BewG ist auch dann im ver­glei­chen­den Ver­fah­ren nach § 37 Abs. 1 S. 1 BewG zu be­wer­ten, wenn der der Tier­hal­tungs­ge­mein­schaft zu­zu­rech­nende Grund und Bo­den keine natürli­che Er­tragsfähig­keit auf­weist, da ihn die Tier­hal­tungs­ge­mein­schaft aus­schließlich als Hof- und Gebäudefläche nutzt. Der An­wend­bar­keit des ver­glei­chen­den Ver­fah­rens steht es nicht ent­ge­gen, dass für die Ei­genfläche ein Ver­gleichs­wert von 0 DM an­zu­set­zen ist.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist eine KG, die im Juni 2007 von den Land­wir­ten A. als Kom­ple­mentär und B. als Kom­man­di­tist er­rich­tet wurde. Der Land­wirt C. ist als aty­pi­sch stil­ler Ge­sell­schaf­ter an der Kläge­rin be­tei­ligt. A., B. und C., erfüllen die Vor­aus­set­zun­gen des § 51a Abs. 1 S. 1 Nr. 1 BewG und ver­pflich­te­ten sich, jähr­lich eine be­stimmte An­zahl von Vie­he­in­hei­ten (§ 51 Abs. 1a BewG) auf die Kläge­rin zu über­tra­gen (§ 51a Abs. 1 S. 1 Nr. 1d BewG).

Die Kläge­rin be­treibt einen Fer­kelauf­zucht­stall im Rah­men ei­ner ge­mein­schaft­li­chen Tier­hal­tung i.S.d. § 51a BewG. Den auf Grund und Bo­den des A. ste­hen­den Stall ein­schließlich der Ein­rich­tun­gen und Be­triebs­vor­rich­tun­gen hat die Kläge­rin zur al­lei­ni­gen Nut­zung ge­pach­tet. Den Gülle­behälter und den not­wen­di­gen Hof­raum hat sie zur Mit­be­nut­zung von A. ge­pach­tet. Die Kläge­rin verfügt über keine re­gelmäßig land­wirt­schaft­lich ge­nutz­ten Flächen.

Das Fi­nanz­amt stellte mit Nach­fest­stel­lungs­be­scheid den Ein­heits­wert für den land- und forst­wirt­schaft­li­chen Be­trieb der Kläge­rin auf den 1.1.2008 im Ein­zel­er­trags­wert­ver­fah­ren nach § 37 Abs. 2 BewG auf 37.068 € fest. Da­bei legte es im Hin­blick auf die Be­triebseröff­nung zum 1.6.2007 die Zahl der im Wirt­schafts­jahr 2007/2008 er­zeug­ten Tiere zu­grunde und setzte den Aus­gangs­wert von 500 DM je Vie­he­in­heit gemäß dem bun­des­ein­heit­lich ab­ge­stimm­ten Er­lass des Nie­dersäch­si­schen Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums von 1975 in der Fas­sung der Verfügung der Ober­fi­nanz­di­rek­tion Han­no­ver aus Sep­tem­ber 1993 an.

Der Ein­spruch hatte in­so­weit Er­folg, als das Fi­nanz­amt den Ein­heits­wert auf 29.654 € her­ab­setzte. Es ging da­bei nur noch von einem Tier­be­stand von 116,04 Vie­he­in­hei­ten aus. Das FG setzte den Ein­heits­wert aus­ge­hend von einem Wert von 325 DM je Vie­he­in­heit auf 19.275 € herab. Das Fi­nanz­amt sah darin eine Ver­let­zung des § 37 BewG. Seine Re­vi­sion blieb al­ler­dings vor dem BFH er­folg­los.

Gründe:
Das FG hatte den für den Be­trieb der Kläge­rin fest­zu­stel­len­den Ein­heits­wert zu­tref­fend er­mit­telt.

Der land- und forst­wirt­schaft­li­che Be­trieb bei ge­mein­schaft­li­cher Tier­hal­tung gem. § 51a BewG auch dann im ver­glei­chen­den Ver­fah­ren nach § 37 Abs. 1 S. 1 BewG zu be­wer­ten, wenn die Ei­genfläche aus­schließlich als Hof- und Gebäudefläche ge­nutzt wird und der Tier­hal­tungs­ge­mein­schaft nicht als zi­vil­recht­li­cher Ei­gentüme­rin gehört, son­dern gem. § 34 Abs. 6 BewG zu­zu­rech­nen ist. Da­bei sind zu dem für die Ei­genfläche an­zu­set­zen­den Ver­gleichs­wert von 0 DM Vieh­zu­schläge we­gen überhöhter Tier­bestände vor­zu­neh­men.

Der An­satz die­ses Ver­gleichs­werts schließt es nicht aus, dazu nach § 41 Abs. 1 und 2 BewG einen Zu­schlag we­gen verstärk­ter Tier­hal­tung zu ma­chen. Der Be­mes­sung des Zu­schlags ist ein ge­gendübli­cher Vieh­be­stand von "null" zu­grunde zu le­gen und die­sem der Vieh­be­stand der Tier­hal­tungs­ge­mein­schaft in vol­lem Um­fang ge­genüber­zu­stel­len. Für die Be­rech­nung maßge­bend sind da­bei ei­ner­seits die so er­mit­tel­ten Vie­he­in­hei­ten und an­de­rer­seits die für eine Über­schrei­tung des ge­gendübli­chen Tier­be­stands um mehr als 40 % in Ab­schn. 2.20 Abs. 2 Nr. 3 BewR L und in der darin ent­hal­te­nen Ta­belle L 30 vor­ge­se­he­nen Wert­ansätze. Der so er­mit­telte Zu­schlag ist nach § 41 Abs. 2a BewG um 50 % zu ver­min­dern.

An die­ser Recht­spre­chung hält der Se­nat nach er­neu­ter Überprüfung aus den im Ur­teil vom 16.12.2009 (Az.: II R 45/07) im Ein­zel­nen ge­nann­ten Gründen fest. So­weit die Fi­nanz­ver­wal­tung in den gleich lau­ten­den Er­las­sen der obers­ten Fi­nanz­behörden von Ba­den-Würt­tem­berg, Bay­ern, Ber­lin, Bre­men, Ham­burg, Hes­sen, Nie­der­sach­sen, NRW, Rhein­land-Pfalz, Saar­land und Schles­wig-Hol­stein zur Be­wer­tung ge­mein­schaft­li­cher Tier­hal­tung nach § 51a BewG vom 1.9.2011 für Stich­tage ab dem 1.1.2012 die da­von ab­wei­chende An­sicht ver­tritt, die Be­wer­tung der Be­triebe von Tier­hal­tungs­ge­mein­schaf­ten im ver­glei­chen­den Ver­fah­ren setze vor­aus, dass die Tier­hal­tungs­ge­mein­schaft selbst be­wirt­schaf­tete Ei­gen­tumsflächen der land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung habe - wor­un­ter nur land­wirt­schaft­li­che Nutzflächen, je­doch nicht Hof- und Gebäudeflächen zu ver­ste­hen sind -, kann dem nicht ge­folgt wer­den.

Link­hin­weis:

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