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Mittelbare Anteilsvereinigung bei grundbesitzender GmbH & Co. KG

BFH 12.3.2014, II R 51/12

Ver­kauft ein Kom­man­di­tist ei­ner grund­be­sit­zen­den GmbH & Co. KG seine Ge­sell­schafts­be­tei­li­gung an den ein­zi­gen an­de­ren Kom­man­di­tis­ten und ist die KG die ein­zige Ge­sell­schaf­te­rin ih­rer Kom­ple­mentär-GmbH, ist - vor­be­halt­lich ei­ner Be­steue­rung nach § 1 Abs. 2a GrEStG - von ei­ner An­teils­ver­ei­ni­gung aus­zu­ge­hen. Bei der Be­ur­tei­lung der Frage, ob eine durch die KG als Ge­sell­schaf­te­rin der Kom­ple­mentär-GmbH und die Kom­ple­mentär-GmbH als Ge­sell­schaf­te­rin der KG ver­mit­telte (mit­tel­bare) Be­tei­li­gung an der KG be­steht, ist die im In­nen­verhält­nis be­ste­hende Be­tei­li­gung der Ge­sell­schaf­ter am Ge­sell­schafts­ka­pi­tal der KG maßge­bend.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist eine GmbH. Sie war als Kom­man­di­tis­tin zu 60% am Ge­sell­schafts­vermögen der grund­be­sit­zen­den A-GmbH & Co. KG (KG) be­tei­ligt. Ein­zi­ger wei­te­rer Kom­man­di­tist war der F. Die Kom­ple­mentär-GmbH (D-GmbH) hatte kei­nen Ka­pi­tal­an­teil. Ein­zige Ge­sell­schaf­te­rin der D-GmbH war die KG. Die Be­tei­li­gungs­verhält­nisse be­stan­den min­des­tens seit Ja­nuar 1999.

Im De­zem­ber 2004 ver­kaufte der F. seine Kom­man­dit­be­tei­li­gung an der KG an die Kläge­rin. Das Fi­nanz­amt nahm an, dass der Ver­trag gem. § 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG der Grund­er­werb­steuer un­ter­liege. Es setzte die Steuer je­doch herab, da es der An­sicht war, die Grund­er­werb­steuer werde nach § 6 Abs. 2 GrEStG in Höhe des ur­sprüng­li­chen An­teils der Kläge­rin an der KG von 60 % nicht er­ho­ben.

Das FG gab der auf Auf­he­bung der Steu­er­fest­set­zun­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Es war der Auf­fas­sung, der Ver­trag aus De­zem­ber 2004 erfülle nicht die Vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG. Die Be­tei­li­gung der KG an der D-GmbH könne der Kläge­rin nicht zu­ge­rech­net wer­den. Auf die Re­vi­sion des Fi­nanz­am­tes hob der BFH das Ur­teil auf und wies die Klage ab.

Die Gründe:
Ent­ge­gen der An­sicht des FG war der Tat­be­stand des § 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG durch den Ver­trag aus De­zem­ber 2004 ver­wirk­licht. Es lag eine steu­er­bare An­teils­ver­ei­ni­gung vor.

Ist - wie im vor­lie­gen­den Fall - eine grund­be­sit­zende KG zu­gleich al­lei­nige Ge­sell­schaf­te­rin ih­rer Kom­ple­mentär-GmbH, ist dem­gemäß wie folgt zu un­ter­schei­den: So­weit es um die un­mit­tel­bare Be­tei­li­gung an der KG als Ge­sell­schaf­ter geht, kommt es im Hin­blick auf § 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG auf die zi­vil­recht­li­che Be­tei­li­gung am Ge­samt­hands­vermögen an. Bei der Be­ur­tei­lung der Frage, ob eine durch die KG als Ge­sell­schaf­te­rin der Kom­ple­mentär-GmbH und die Kom­ple­mentär-GmbH als Ge­sell­schaf­te­rin der KG ver­mit­telte (mit­tel­bare) Be­tei­li­gung an der KG be­steht, ist dem­ge­genüber die im In­nen­verhält­nis be­ste­hende Be­tei­li­gung der Ge­sell­schaf­ter am Ge­sell­schafts­ka­pi­tal der KG maßge­bend.

In­fol­ge­des­sen wa­ren die Vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG zwar nicht be­reits durch eine un­mit­tel­bare An­teils­ver­ei­ni­gung in der Hand der Kläge­rin ge­ge­ben. Denn ei­ner un­mit­tel­ba­ren An­teils­ver­ei­ni­gung stand die Be­tei­li­gung der D-GmbH am Ge­samt­hands­vermögen der KG ent­ge­gen. Es lag aber eine teils un­mit­tel­bare und teils mit­tel­bare An­teils­ver­ei­ni­gung vor, weil die Kläge­rin nach dem Kauf­ver­trag die ein­zige Kom­man­di­tis­tin der KG wer­den sollte und ihr zu­dem die Be­tei­li­gung der D-GmbH am Ge­samt­hands­vermögen der KG zu­zu­rech­nen war. Die Kläge­rin war nämlich nach Erfüllung des Ver­trags am Ge­sell­schafts­ka­pi­tal der KG als Zwi­schen­ge­sell­schaft zu 100 % be­tei­ligt.

Die KG war Al­lein­ge­sell­schaf­te­rin der D-GmbH. Es war da­her ohne Rück­sicht auf die im Ge­sell­schafts­ver­trag der KG ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen da­von aus­zu­ge­hen, dass die Kläge­rin ih­ren Wil­len in grund­er­werb­steu­er­recht­lich er­heb­li­cher Weise bei der KG durch­set­zen konnte; denn sie hatte ei­ner­seits un­mit­tel­bar als Ge­sell­schaf­te­rin der KG und an­de­rer­seits mit­tel­bar über die KG und die D-GmbH als Zwi­schen­ge­sell­schaf­ten alle ihr nicht be­reits vor Ab­schluss des Kauf­ver­trags gehören­den An­teile am Ge­samt­hands­vermögen der KG er­wor­ben. Da das FG eine an­dere An­sicht ver­tre­ten hatte, war die Vor­ent­schei­dung auf­zu­he­ben.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
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