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Aufwendungen für die Modernisierung eines Badezimmers sind anteilig Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers

FG Münster 18.3.2015, 11 K 829/14 E

Aufwendungen für die Modernisierung eines Badezimmers gehören anteilig zu den Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer, wenn sie wesentlich sind und den Wert des gesamten Wohnhauses erhöhen. Die Frage, ob dem Grunde nach Betriebsausgaben vorliegen, kann nicht anders entschieden werden, wenn die Umbaukosten als Erhaltungsaufwendungen sofort abzugsfähig sind.

Der Sach­ver­halt:
Die Klä­ger sind Ehe­leute. Der Klä­ger war im Streit­jahr 2011 als selb­stän­di­ger Steu­er­be­ra­ter tätig. Für seine Tätig­keit nutzte er aus­sch­ließ­lich ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer im gemein­sa­men Ein­fa­mi­li­en­haus der Ehe­leute. Auf das Arbeits­zim­mer ent­fie­len rund 8 % der gesam­ten Wohn­fläche.

Im Streit­jahr bau­ten die Klä­ger das Bade­zim­mer in ihrem Ein­fa­mi­li­en­haus behin­der­ten­ge­recht um. Hier­bei wurde u.a. die Bade­wanne ersatz­los ent­fernt, die Bade­zim­mer­tür durch einen neuen Durch­bruch zum Flur ver­setzt und ver­b­rei­tert, die Dusche auf die gegen­über­lie­gende Seite ver­legt sowie Fuß­bo­den­hei­zung, Wasch­be­cken, Toi­lette und Bidet erneu­ert und ver­setzt. Um ein ein­heit­li­ches Erschei­nungs­bild der Räume zu erhal­ten, wur­den alle vier Türen des Flu­res ersetzt und Mau­rer-, Maler- sowie Boden­ar­bei­ten durch­ge­führt.

Von den Umbau­kos­ten i.H.v. ins­ge­s­amt rund 38.000 € mach­ten die Klä­ger einen Anteil von 8 % für das häus­li­che Arbeits­zim­mer bei den Ein­künf­ten des Klä­gers aus selb­stän­di­ger Arbeit gem. § 4 Abs. 5 Nr. 6b S. 3 EStG als Betriebs­aus­ga­ben gel­tend. Das Finanz­amt lehnte die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung der antei­li­gen Moder­ni­sie­rungs­kos­ten ab. Unter Hin­weis auf das BMF-Sch­rei­ben vom 2.3.2011 (C 6-S 2145/07/10002, BStBl I 2011, 195) ver­t­rat der Klä­ger die Auf­fas­sung, bei den Reno­vie­rungs­kos­ten für das Bade­zim­mer han­dele es sich um sol­che, die das gesamte Gebäude beträ­fen.

Das FG gab der Klage statt. Aller­dings wurde auf­grund der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Rechts­frage die Revi­sion zum BFH zuge­las­sen.

Die Gründe:
Zu Unrecht hatte es das Finanz­amt abge­lehnt, die Kos­ten für den Umbau des Bades und des Flu­res antei­lig als Betriebs­aus­ga­ben zu berück­sich­tig­ten.

Durch die Moder­ni­sie­rung des Bade­zim­mers war der­art in die Gebäu­de­sub­stanz ein­ge­grif­fen wor­den, dass der Umbau den Wert des gesam­ten Wohn­hau­ses erhöht hatte. Der antei­lige Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug war zudem gebo­ten, um Wer­tungs­wi­der­sprüche zu ver­mei­den. Das häus­li­che Arbeits­zim­mer war Teil des Betriebs­ver­mö­gens des Klä­gers. Bei einer spä­te­ren Ent­nahme aus dem Betriebs­ver­mö­gen wäre ein Anteil von 8 % des Gebäu­de­wer­tes als zu ver­steu­ern­der Ent­nahme­wert ange­setzt wor­den. Die Frage, ob dem Grunde nach Betriebs­aus­ga­ben vor­lie­gen, kann nicht anders ent­schie­den wer­den, wenn die Umbau­kos­ten als Erhal­tungs­auf­wen­dun­gen sofort abzugs­fähig sind.

Die aktu­ell vor­ge­nom­mene Moder­ni­sie­rung des Bade­zim­mers erhöhte dau­er­haft den Gebäu­de­wert und damit auch den Ent­nahme­wert. Außer­dem müs­sen Wer­tungs­wi­der­sprüche im Ver­g­leich mit anschaf­fungs­na­hen Her­stel­lungs­kos­ten i.S.v. § 6 Abs. 1 Nr. 1a S. 1 EStG ver­mie­den wer­den. Hät­ten die Klä­ger die Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men inn­er­halb der ers­ten drei Jahre nach der Anschaf­fung des Wohn­hau­ses durch­ge­führt, wären die Kos­ten als anschaf­fungs­nahe Her­stel­lungs­kos­ten über die Gebäu­de­ab­sch­rei­bung antei­lig als Auf­wen­dun­gen des Arbeits­zim­mers zu berück­sich­ti­gen gewe­sen.

Link­hin­weis:

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