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Steuerberatung

Bundeskabinett beschließt Entwurf zur Umsetzung der globalen Mindeststeuer

Das Bun­des­ka­bi­nett hat am 16.08.2023 den Ent­wurf ei­nes Min­dest­be­steue­rungs­richt­li­nie-Um­set­zungs­ge­set­zes be­schlos­sen. Darin fin­det sich ne­ben der Einführung ei­nes um­fang­rei­chen Min­dest­steu­er­ge­set­zes auch eine An­pas­sung der Hin­zu­rech­nungs­be­steue­rung.

Der in der Ka­bi­netts­sit­zung am 16.08.2023 be­schlos­sene Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Um­set­zung der Richt­li­nie (EU) 2022/2523 des Ra­tes zur Gewähr­leis­tung ei­ner glo­ba­len Min­dest­be­steue­rung und wei­te­rer Be­gleitmaßnah­men (ehe­mals kurz Min­dest­be­steue­rungs­richt­li­nie-Um­set­zungs­ge­setz be­nannt) ba­siert auf den Re­fe­ren­ten­ent­wurf des BMF mit Be­ar­bei­tungs­stand 07.07.2023 (ausführ­li­che In­for­ma­tio­nen zu dem Re­fe­ren­ten­ent­wurf fin­den Sie hier). Der nun in das Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­ge­hende Re­gie­rungs­ent­wurf weicht punk­tu­ell vom vor­ge­hen­den Re­fe­ren­ten­ent­wurf ab. In dem Ge­setz­ge­bungs­vor­ha­ben fin­den sich u. a. fol­gende Re­ge­lun­gen:

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Mindeststeuergesetz

Un­ter­neh­mens­grup­pen, die in min­des­tens zwei der vier vor­an­ge­gan­ge­nen Ge­schäfts­jahre min­des­tens 750 Mio. Euro Um­sat­zerlöse er­reicht ha­ben, sol­len grundsätz­lich ab 2024 der Min­dest­steuer un­ter­lie­gen, so­weit Ge­winne der Grup­pen­mit­glie­der in ei­ner Steu­er­ju­ris­dik­tion einem ef­fek­ti­ven Steu­er­satz von we­ni­ger als 15 % un­ter­lie­gen.

Aus­gangs­punkt für die Er­mitt­lung des ef­fek­ti­ven Steu­er­sat­zes sind die Rech­nungs­le­gungs­da­ten gemäß in­ter­na­tio­nal an­er­kann­ter Rech­nungs­le­gungs­stan­dards, die um eine Viel­zahl von An­pas­sun­gen zu mo­di­fi­zie­ren sind. So ist ein sog. Min­dest­steuer-Ge­winn oder Min­dest­steuer-Ver­lust auf Ba­sis der Han­dels­bi­lanz II der ein­zel­nen Ge­schäfts­ein­hei­ten ei­ner Ju­ris­dik­tion ab­zu­lei­ten. Bei der Er­mitt­lung her­aus­zu­rech­nen sind u. a. Port­fo­lio­di­vi­den­den aus Lang­zeit­be­tei­li­gun­gen (Be­tei­li­gungs­quote un­ter 10 %, Be­tei­li­gungs­dauer min­des­tens 12 Mo­nate) so­wie be­stimmte Ge­winne und Ver­luste aus Ei­gen­ka­pi­tal­be­tei­li­gun­gen. Hier sieht der Re­gie­rungs­ent­wurf in be­stimm­ten Fällen die Möglich­keit vor, auf An­trag auf diese Mo­di­fi­zie­run­gen zu ver­zich­ten. Auch können nun sog. qua­li­fi­zierte Währungs­ge­winne und -ri­si­ken un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen auf An­trag aus der Be­rech­nung des zu er­mit­teln­den Min­dest­steuer-Ge­winns bzw. Min­dest­steuer-Ver­lusts aus­ge­nom­men wer­den.

Für die Be­rech­nung des ef­fek­ti­ven Steu­er­sat­zes sind zu­dem die sog. an­ge­pass­ten er­fass­ten Steu­ern zu er­mit­teln. Von be­son­de­rer Re­le­vanz ist hier­bei, in­wie­weit la­tente Steu­ern zu berück­sich­ti­gen sind.

Ne­ben ei­ner fünfjähri­gen Steu­er­be­frei­ung für Un­ter­neh­mens­grup­pen mit un­ter­ge­ord­ne­ter in­ter­na­tio­na­ler Tätig­keit und Ver­ein­fa­chun­gen für un­we­sent­li­che Ge­schäfts­ein­hei­ten fin­den sich im Re­gie­rungs­ent­wurf noch wei­tere Ver­ein­fa­chun­gen. Für die Pra­xis von be­son­de­rer Re­le­vanz dürf­ten die CbCR-Safe-Har­bour-Re­ge­lun­gen sein, die so be­reits im Re­gie­rungs­ent­wurf und einem vor­ge­hen­den Dis­kus­si­ons­ent­wurf vor­ge­se­hen wa­ren (mehr dazu s. hier).

Weitere Änderungen von Steuergesetzen

Zu­dem fin­den sich im Re­gie­rungs­ent­wurf noch wei­tere Ände­run­gen in be­ste­hen­den Steu­er­ge­set­zen, die in­halt­lich in Be­zug zum neuen Min­dest­steu­er­ge­setz ste­hen.

So ist die aus Rei­hen der Un­ter­neh­men, Be­ra­ter und Verbände lange ge­for­derte Sen­kung der Nied­rig­steu­er­grenze im Rah­men der Hin­zu­rech­nungs­be­steue­rung (§ 8 Abs. 5 AStG) von der­zeit 25 % auf künf­tig 15 % vor­ge­se­hen. Ge­senkt wer­den soll par­al­lel dazu auch die in der sog. Li­zenz­schranke (§ 4j EStG) ge­re­gelte Nied­rig­steu­er­grenze von 25 % auf 15 %. Im Re­fe­ren­ten­ent­wurf war noch eine vollständige Strei­chung der Li­zenz­schranke vor­ge­se­hen.

Im vor­ge­hen­den Re­fe­ren­ten­ent­wurf war zunächst vor­ge­se­hen, die Ge­wer­be­steu­er­pflicht des Hin­zu­rech­nungs­be­trags ent­fal­len zu las­sen. Hier­von wurde im Re­gie­rungs­ent­wurf je­doch ab­ge­se­hen.

Hin­weis: Um Ge­set­zes­kraft zu er­lan­gen, muss der Re­gie­rungs­ent­wurf noch im Bun­des­tag und Bun­des­rat be­ra­ten und in bei­den Kam­mern mehr­heit­lich an­ge­nom­men wer­den.

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