de en
Nexia Ebner Stolz

Aktuelles

Zur Werbung für Bach-Blütenprodukte mit Verweisen auf die Gesundheit oder das gesundheitsbezogene Wohlbefinden

OLG Hamm 7.10.2014, 4 U 138/13

Sog. "Bach-Blüten­pro­dukte" dürfen nicht mit Aus­sa­gen be­wor­ben wer­den, nach de­nen sie in "emo­tio­nal auf­re­gen­den Si­tua­tio­nen ver­wen­det wer­den" oder "uns un­terstützen können, emo­tio­na­len Her­aus­for­de­run­gen zu be­geg­nen", wenn die­sen un­spe­zi­fi­schen Aus­sa­gen keine eu­ro­pa­recht­lich zu­ge­las­se­nen spe­zi­el­len ge­sund­heits­be­zo­ge­nen An­ga­ben bei­gefügt wer­den. Der Ge­sund­heits­be­griff der HCVO um­fasst in­so­weit auch das see­li­sche Gleich­ge­wicht.

Der Sach­ver­halt:
Der be­klagte Apo­the­ker aus Rheda-Wie­denbrück be­treibt u.a. eine Ver­sand­apo­theke, mit der er auch Ver­brau­cher be­lie­fert. Über diese bie­tet er von ei­ner Ham­bur­ger Firma ver­trie­bene sog. "Bach-Blüten­pro­dukte" an. In den Wer­be­aus­sa­gen zu die­sen Pro­duk­ten heißt es u.a.

1. Für "Bach-Blüten­pro­dukte":

  • Ge­las­sen und stark durch den Tag
  • RES­CUE®-Die Ori­gi­nal Bach®-Blüten­mi­schung!
  • Der Engländer Ed­ward Bach kon­zi­pierte die be­kannte Ori­gi­nal RES­CUE®-Mi­schung aus fünf Ori­gi­nal Bach®-Blüten­es­sen­zen in den 30er Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts. Ori­gi­nal RES­CUE® wird heute von Ver­brau­chern in über 45 Ländern in emo­tio­nal auf­re­gen­den Si­tua­tio­nen wie z.B. ei­ner Flug­reise, ei­ner Prüfung, einem Zahn­arzt­ter­min ver­wen­det;

2. für "Ori­gi­nal Res­cue Trop­fen":

  • wird gerne in emo­tio­nal auf­re­gen­den Si­tua­tio­nen, z.B. im Job, ver­wen­det;

3. für "Ori­gi­nal Bach Blüten­es­sen­zen":

  • können uns un­terstützen, emo­tio­na­len Her­aus­for­de­run­gen zu be­geg­nen;

Der Kläger, ein in Ber­lin ansässi­ger Wett­be­werbs­ver­band, hat diese Wer­bung für un­zulässig ge­hal­ten, weil den als Le­bens­mit­tel an­zu­se­hen­den Bach-Blüten­es­sen­zen Wir­kun­gen bei­ge­legt würden, die ih­nen nach den Er­kennt­nis­sen der Wis­sen­schaft nicht zukämen oder die zu­min­dest wis­sen­schaft­lich nicht hin­rei­chend ge­si­chert seien.

Das LG gab der vom Kläger er­ho­be­nen Un­ter­las­sungs­klage statt. Die Be­ru­fung des Be­klag­ten hatte vor dem OLG kei­nen Er­folg. Das Ur­teil ist nicht rechtskräftig. Die Re­vi­sion zum BGH wurde zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Dem Be­klag­ten war die be­an­stan­dete Wer­bung zu un­ter­sa­gen, weil für ein Le­bens­mit­tel mit un­spe­zi­fi­schen Vor­tei­len für die Ge­sund­heit im All­ge­mei­nen oder für das ge­sund­heit­li­che Wohl­be­fin­den ge­wor­ben wird und weil den in Frage ste­hen­den Wer­be­aus­sa­gen keine spe­zi­el­len ge­sund­heits­be­zo­ge­nen An­ga­ben bei­gefügt wa­ren. Die streit­ge­genständ­li­che Wer­bung verstößt da­her ge­gen Art. 10 Abs. 3 der Eu­ropäischen Health Claim VO (HCVO), VO (EG) Nr. 1924/2006.

Die sog. "Bach-Blüten­pro­dukte" sind Le­bens­mit­tel im Sinne der HCVO. Die zu be­ur­tei­len­den Wer­be­aus­sa­gen zie­len nicht nur auf das all­ge­meine Wohl­be­fin­den ab. Sie sind auf die Ge­sund­heit oder zu­min­dest das ge­sund­heit­li­che Wohl­be­fin­den be­zo­gen. Die be­wor­be­nen Pro­dukte ver­spre­chen eine Wir­kung bei Angst­si­tua­tio­nen. Per­so­nen, die Flug­angst, Prüfungs­angst, Angst vor einem Zahn­arzt­ter­min ha­ben, ei­ner emo­tio­na­len Her­aus­for­de­rung ge­genüber­ste­hen oder eine emo­tio­nal auf­re­gende Si­tua­tion im Job zu meis­tern ha­ben, be­fin­den sich nicht mehr in einem see­li­schen Gleich­ge­wicht und sind in ih­rer Ge­sund­heit be­einträch­tigt.

Nach Art. 10 Abs. 3 HCVO sind un­spe­zi­fi­sche ge­sund­heits­be­zo­gene An­ga­ben nur zulässig, wenn ih­nen eine in der Liste nach Art. 13 oder 14 der HCVO ent­hal­tene spe­zi­elle ge­sund­heits­be­zo­gene An­gabe bei­gefügt ist (sog. Kopp­lungs­ge­bot). Da den in Frage ste­hen­den Wer­be­aus­sa­gen keine sol­chen An­ga­ben bei­gefügt sind, sind sie als un­zulässig zu un­ter­sa­gen.

Die Vor­schrift des Art. 10 Abs. 3 HCVO ist an­zu­wen­den, auch wenn die in Frage ste­hen­den Lis­ten noch nicht vollständig vor­lie­gen. Ein der­ar­ti­ges Verständ­nis von der HCVO trägt dem ge­setz­ge­be­ri­schen Ziel die­ser Ver­ord­nung Rech­nung, nach wel­chem ge­sund­heits­be­zo­gene Wer­be­aus­sa­gen nur in­so­weit zu­zu­las­sen sind, als sie durch all­ge­mein an­er­kannte wis­sen­schaft­li­che Nach­weise ab­ge­si­chert sind.

Link­hin­weis:

nach oben