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Zur Prüfung der Eigenart eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters

EuGH 19.6.2014, C-345/13

Im Rah­men ei­ner Ver­let­zungs­klage ist ein nicht ein­ge­tra­ge­nes Ge­mein­schafts­ge­schmacks­mus­ter als rechtsgültig an­zu­se­hen, wenn sein In­ha­ber an­gibt, in­wie­fern es Ei­gen­art auf­weist. Die Ei­gen­art ist nicht durch Ver­gleich mit mögli­chen Kom­bi­na­tio­nen von Ele­men­ten von ver­schie­de­nen älte­ren Ge­schmacks­mus­tern, son­dern durch Ver­gleich mit einem oder meh­re­ren in­di­vi­du­el­len, der Öff­ent­lich­keit zugäng­lich ge­mach­ten Ge­schmacks­mus­tern zu prüfen.

Der Sach­ver­halt:
Im Jahr 2005 ent­warf das auf Fer­ti­gung und Ver­kauf von Da­men­be­klei­dung spe­zia­li­sierte bri­ti­sche Un­ter­neh­men KMF, ein ge­streif­tes Hemd so­wie ein schwar­zes Strick­ober­teil und brachte bei­des in Ir­land in Ver­kauf. Ver­tre­ter der iri­schen Han­dels­kette Dun­nes Stores er­war­ben Ex­em­plare die­ser Klei­dungsstücke in einem der iri­schen Ein­zel­han­dels­ge­schäfte von KMF. Dun­nes ließ dar­auf­hin Ko­pien der Klei­dungsstücke fer­ti­gen, die sie Ende 2006 in ih­ren iri­schen Ge­schäften in den Ver­kauf brachte. Im Ja­nuar 2007 strengte KMF ein Ver­fah­ren vor den iri­schen Ge­rich­ten an, um Dun­nes die Be­nut­zung sei­ner nicht ein­ge­tra­ge­nen Ge­schmacks­mus­ter un­ter­sa­gen zu las­sen. KMF ver­langte des Wei­te­ren Scha­dens­er­satz für die nicht ge­neh­migte Be­nut­zung der in Rede ste­hen­den Ge­schmacks­mus­ter.

Dun­nes trägt vor, dass KMF nicht In­ha­be­rin der nicht ein­ge­tra­ge­nen Ge­mein­schafts­ge­schmacks­mus­ter sei, da sie de­ren Ei­gen­art nicht nach­ge­wie­sen habe. In die­sem Zu­sam­men­hang macht Dun­nes gel­tend, dass die Ei­gen­art nicht nur durch Ver­gleich mit einem oder meh­re­ren Ge­schmacks­mus­tern, die der Öff­ent­lich­keit früher zugäng­lich ge­macht wor­den seien, son­dern auch durch Ver­gleich mit Kom­bi­na­tio­nen iso­lier­ter Ele­mente von meh­re­ren älte­ren Ge­schmacks­mus­tern zu be­ur­tei­len sei. Nach Auf­fas­sung von Dun­nes kann ein Ge­schmacks­mus­ter keine Ei­gen­art ha­ben, wenn es sich um eine bloße Zu­sam­men­set­zung aus spe­zi­fi­schen Ele­men­ten oder Tei­len von älte­ren Ge­schmacks­mus­tern han­dele.

Der mit dem Rechts­streit be­fasste Ober­ste Ge­richts­hof Ir­lands möchte vom EuGH wis­sen, ob die Ei­gen­art der in Rede ste­hen­den Ge­schmacks­mus­ter al­lein durch Ver­gleich mit einem oder meh­re­ren älte­ren Ge­schmacks­mus­tern, oder auch durch Ver­gleich mit Kom­bi­na­tio­nen iso­lier­ter Ele­mente von meh­re­ren älte­ren Ge­schmacks­mus­tern zu prüfen ist, und ob der In­ha­ber ei­nes nicht ein­ge­tra­ge­nen Ge­schmacks­mus­ters be­wei­sen muss, dass sein Ge­schmacks­mus­ter Ei­gen­art be­sitzt, oder ob er le­dig­lich an­ge­ben muss, in­wie­fern es Ei­gen­art auf­weist.

Die Gründe:
Die Ver­ord­nung über Ge­mein­schafts­ge­schmacks­mus­ter be­stimmt, dass (ein­ge­tra­gene oder nicht ein­ge­tra­gene) Ge­schmacks­mus­ter auf Uni­ons­ebene ge­schützt sind, wenn sie neu sind (Feh­len je­der früheren Of­fen­ba­rung) und Ei­gen­art ha­ben (der Ge­samt­ein­druck, den sie bei einem in­for­mier­ten Be­nut­zer her­vor­ru­fen, muss sich von dem un­ter­schei­den, den ältere Ge­schmacks­mus­ter her­vor­ru­fen). Die Ei­gen­art ei­nes Ge­schmacks­mus­ters ist im Hin­blick auf die Gewährung des Schut­zes nach der Ver­ord­nung durch Ver­gleich mit einem oder meh­re­ren ge­nau be­zeich­ne­ten, ein­zeln be­nann­ten Ge­schmacks­mus­tern zu prüfen, die aus der Ge­samt­heit der der Öff­ent­lich­keit zugäng­lich ge­mach­ten älte­ren Ge­schmacks­mus­ter er­mit­telt und be­stimmt wur­den. Die Prüfung kann nicht durch Ver­gleich mit ei­ner Kom­bi­na­tion be­stimm­ter iso­lier­ter Ele­mente von meh­re­ren älte­ren Ge­schmacks­mus­tern vor­ge­nom­men wer­den.

Die Ver­ord­nung stellt im Rah­men ei­ner Ver­let­zungs­klage eine Ver­mu­tung der Rechtsgültig­keit nicht ein­ge­tra­ge­ner Ge­mein­schafts­ge­schmacks­mus­ter auf, so dass der In­ha­ber ei­nes nicht ein­ge­tra­ge­nen Ge­mein­schafts­ge­schmacks­mus­ters in die­sen Ver­fah­ren nicht des­sen Ei­gen­art be­wei­sen muss. Der In­ha­ber muss also le­dig­lich an­ge­ben, in­wie­fern sein Ge­schmacks­mus­ter Ei­gen­art auf­weist, d.h. er muss das oder die Ele­mente des be­tref­fen­den Ge­schmacks­mus­ters be­nen­nen, die die­sem sei­ner An­sicht nach Ei­gen­art ver­lei­hen. Der Be­klagte kann je­doch je­der­zeit die Rechtsgültig­keit des in Rede ste­hen­den Ge­schmacks­mus­ters in Frage stel­len.

Link­hin­weis:

Für den auf den Web­sei­ten des EuGH veröff­ent­lich­ten Voll­text der Ent­schei­dung kli­cken Sie bitte hier.

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