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Zur Besteuerung von in Deutschland ansässigen Piloten irischer Fluggesellschaften

BFH 19.12.2013, I B 109/13

Für Einkünfte, die nach einem Ab­kom­men zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung von der Be­mes­sungs­grund­lage der deut­schen Steuer aus­zu­neh­men sind (hier: für Ar­beits­lohn ei­nes Pi­lo­ten nach dem DBA-Ir­land 1962), wird die Frei­stel­lung un­be­scha­det des in § 50d Abs. 9 S. 1 Nr. 2 EStG 2002 n.F./2009 an­ge­ord­ne­ten Be­steue­rungsrück­falls auch dann gewährt, wenn der an­dere Ver­trags­staat (hier: Ir­land) das ihm ab­kom­mens­recht­lich zu­ge­wie­sene Be­steue­rungs­recht nur für einen Teil der Einkünfte wahr­nimmt. Da­mit wi­der­spricht der BFH der Fi­nanz­ver­wal­tung.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger war in den Streit­jah­ren 2007, 2009 und 2010 als Flug­zeugführer bei ei­ner iri­schen Flug­ge­sell­schaft an­ge­stellt und hatte sei­nen Wohn­sitz in Deutsch­land. Sein Ar­beits­lohn be­lief sich in dem Zeit­raum zwi­schen 92.739 und 116.463 €. Dar­auf wur­den in Ir­land zunächst 27.363 bzw. 36.446 € an Steu­ern ein­be­hal­ten. Nach­fol­gend wurde das in Ir­land zu ver­steu­ernde Ein­kom­men des Klägers nach Maßgabe ei­ner iri­schen Son­der­re­ge­lung für die Be­steue­rung von Flug­per­so­nal re­du­ziert und die Steu­ern her­ab­ge­setzt; die darüber hin­aus­ge­hen­den Beträge er­hielt der Kläger er­stat­tet.

Das Fi­nanz­amt in Deutsch­land un­ter­warf dar­auf­hin den Ar­beits­lohn der deut­schen Be­steue­rung. Die Einkünfte seien we­gen § 50d Abs. 9 S. 1 Nr. 2 EStG 2002 i.d.F. des JStG 2007 nicht gem. Art. XII Abs. 3 i.V.m. Art. XXII Abs. 2 S. 1a, aa des DBA-Ir­land 1962 von der Be­mes­sungs­grund­lage für die Steuer in Deutsch­land aus­zu­neh­men. Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Die Nicht­zu­las­sungs­be­schwerde des Fi­nanz­am­tes blieb vor dem BFH ohne Er­folg.

Die Gründe:
Zwar un­ter­fiel der Kläger gem. § 1 Abs. 1 EStG 2002 n.F./2009 mit sei­nem Welt­ein­kom­men der un­be­schränk­ten Ein­kom­men­steu­er­pflicht. Das Be­steue­rungs­recht stand al­ler­dings Ir­land zu. In Deutsch­land war der Lohn hin­ge­gen nach Art. XII Abs. 3 i.V.m. Art. XXII Abs. 2 S. 1a, aa S. 1 DBA-Ir­land 1962 von der Be­mes­sungs­grund­lage für die Ein­kom­men­steuer aus­zu­neh­men, weil es sich hier­bei um Einkünfte aus Quel­len in­ner­halb Ir­lands han­delte, die in Übe­rein­stim­mung mit dem Ab­kom­men in Ir­land be­steu­ert wer­den können.

Dass es sich um Einkünfte aus Quel­len in­ner­halb Ir­lands han­delte, er­gab sich aus Art. XXII Abs. 3 DBA-Ir­land 1962; Dienst­leis­tun­gen, die eine natürli­che Per­son ganz oder über­wie­gend an Bord von Luft­fahr­zeu­gen er­bringt, die eine in einem Ver­trags­staat ansässige Per­son be­treibt, gel­ten da­nach als in die­sem Ver­trags­staat er­bracht. Und die Vergütun­gen für sol­che Dienst­leis­tun­gen können nach Art. XII Abs. 3 DBA-Ir­land 1962 in dem Ver­trags­staat be­steu­ert wer­den, in dem sich der Ort der tatsäch­li­chen Ge­schäfts­lei­tung des Un­ter­neh­mens be­fin­det, im vor­lie­gen­den Fall also in Ir­land. Deutsch­land ver­blieb hier nach Art. XXII Abs. 2 S. 1a, aa S. 2 DBA-Ir­land 1962 le­dig­lich die Möglich­keit, die Einkünfte gem. § 32b EStG 2002 n.F./2009 dem sog. Pro­gres­si­ons­vor­be­halt zu un­ter­wer­fen.

Der in § 50d Abs. 9 S. 1 Nr. 2 EStG 2002 n.F./2009 uni­la­te­ral und "ab­kom­mensüber­schrei­bend" an­ge­ord­nete Be­steue­rungsrück­fall änderte daran nichts; die ent­ge­gen­ste­hende An­nahme der Fi­nanz­ver­wal­tung (vgl. be­zo­gen auf die Be­steue­rung von in Deutsch­land ansässi­gem Flug­per­so­nal u.a. iri­scher Flug­ge­sell­schaf­ten BMF-Schrei­ben v. 12.11.2008 ) fin­det im Ge­setz keine Stütze. Zwar fand die Be­steue­rung in Ir­land nur im Rah­men der be­schränk­ten Steu­er­pflicht statt, und die Löhne wur­den auch (nur) in­folge der feh­len­den Ansässig­keit des Klägers in Ir­land le­dig­lich zu einem Teil er­fasst, nämlich dem­je­ni­gen Teil, der eine ter­ri­to­riale Zu­ord­nung der er­brach­ten Ar­beit zum iri­schen Staats­ge­biet ermöglichte. Doch tat dies nichts zur Sa­che, da der Be­steue­rungsrück­fall nach § 50d Abs. 9 S. 1 Nr. 2 EStG 2002 n.F./2009 tat­be­stand­lich nur dann aus­gelöst wird, "wenn" - nicht aber "so­weit" - die be­tref­fen­den Einkünfte aus den Gründen der feh­len­den Ansässig­keit im an­de­ren Ver­trags­staat nicht steu­er­pflich­tig sind.

Die­ses auch von der Vor­in­stanz ge­fun­dene Aus­le­gungs­er­geb­nis, das sich im Hin­blick auf Ir­land in­folge zwi­schen­zeit­li­cher Ände­rung des iri­schen Steu­er­rechts vom Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2011 an oh­ne­hin er­le­digt hat (vgl. BMF-Schrei­ben v. 5.12.2012), lag auf der Hand und war des­halb nicht von zu­las­sungs­be­acht­li­cher rechts­grundsätz­li­cher Be­deu­tung. Bleibt § 50d Abs. 9 S. 1 Nr. 2 EStG 2002 n.F./2009 für die Kon­stel­la­tion des Streit­falls da­mit un­an­wend­bar, kommt es auf das Verhält­nis die­ser Vor­schrift ei­ner­seits und § 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F./2009 an­de­rer­seits, um das es in dem Se­nats­ur­teil vom 11.1.2012 (Az.: I R 27/11) ging, nicht mehr an.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
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