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Zur Anwendung der Grundsätze der fehlerhaften Gesellschaft bei einer mehrgliedrigen stillen Gesellschaft

BGH 19.11.2013, II ZR 320/12 u.a.

Bei ei­ner mehr­glied­ri­gen stil­len Ge­sell­schaft sind die Grundsätze der feh­ler­haf­ten Ge­sell­schaft in­so­weit an­zu­wen­den, dass ein stil­ler Ge­sell­schaf­ter von dem Ge­schäfts­in­ha­ber Er­satz von Vermögens­schäden, die ihm im Zu­sam­men­hang mit sei­nem Bei­tritt ent­stan­den sind, un­ter An­rech­nung des ihm bei Be­en­di­gung sei­nes (feh­ler­haf­ten) Ge­sell­schafts­verhält­nis­ses ggf. zu­ste­hen­den Ab­fin­dungs­an­spruchs ver­lan­gen kann. Vor­aus­set­zung dafür ist, dass da­durch die gleichmäßige Be­frie­di­gung et­wai­ger Ab­fin­dungs- oder Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprüche der übri­gen stil­len Ge­sell­schaf­ter nicht gefähr­det ist.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläger be­tei­lig­ten sich ne­ben ei­ner Viel­zahl an­de­rer An­le­ger als aty­pi­sch stille Ge­sell­schaf­ter an der in bei­den Ver­fah­ren ver­klag­ten Ak­ti­en­ge­sell­schaft, die im Lea­sing­ge­schäft tätig ist. Sie be­geh­ren un­ter Be­ru­fung auf eine feh­ler­hafte Aufklärung im Zu­sam­men­hang mit ih­ren Bei­tritts­erklärun­gen in ers­ter Li­nie im Wege des Scha­dens­er­sat­zes die Rück­zah­lung ih­rer Ein­la­gen.

LG und OLG wie­sen die Kla­gen ab. Es han­dele sich vor­lie­gend um eine Pu­bli­kums­ge­sell­schaft in Form ei­ner mehr­glied­ri­gen stil­len Ge­sell­schaft, auf wel­che die Grundsätze über die feh­ler­hafte Ge­sell­schaft an­wend­bar seien. Da­nach sei es einem Ge­sell­schaf­ter ver­wehrt, ge­gen die in Voll­zug ge­setzte Ge­sell­schaft im Wege des Scha­dens­er­sat­zes einen An­spruch auf Rück­ab­wick­lung der Be­tei­li­gung und Rück­zah­lung der ge­leis­te­ten Ein­lage gel­tend zu ma­chen.

Auf die Re­vi­sio­nen der Kläger hob der BGH die Ent­schei­dun­gen der OLG auf und ver­wies die Ver­fah­ren zur neuen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung dort­hin zurück.

Die Gründe:
Die Vor­in­stan­zen ha­ben zwar zu Recht an­ge­nom­men, dass zwi­schen der Be­klag­ten und al­len stil­len Ge­sell­schaf­tern eine sog. mehr­glied­rige stille Ge­sell­schaft begründet wor­den ist, bei der nicht le­dig­lich eine Viel­zahl von­ein­an­der un­abhängi­ger, bloß zwei­glied­ri­ger stil­ler Ge­sell­schafts­verhält­nisse zwi­schen den je­wei­li­gen An­le­gern und der Be­klag­ten, son­dern ein ein­heit­li­ches Ge­sell­schafts­verhält­nis zwi­schen al­len Be­tei­lig­ten be­steht. Auf eine sol­che Ge­stal­tung sind, wo­von die Vor­in­stan­zen im Aus­gangs­punkt gleich­falls zu Recht aus­ge­gan­gen sind, nach In­voll­zug­set­zung der Ge­sell­schaft we­gen des schutzwürdi­gen Be­stands­in­ter­es­ses der Be­tei­lig­ten die Grundsätze der feh­ler­haf­ten Ge­sell­schaft an­zu­wen­den.

Das schließt aber ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­in­stan­zen einen Scha­dens­er­satz­an­spruch ei­nes feh­ler­haft bei­ge­tre­te­nen An­le­gers nicht von vorn­her­ein aus. We­gen der durch die tatsäch­li­che In­voll­zug­set­zung der feh­ler­haf­ten Ge­sell­schaft be­wirk­ten ge­sell­schafts­recht­li­chen Bin­dung kann zwar im Wege des Scha­dens­er­sat­zes nicht die Rück­ab­wick­lung der Be­tei­li­gung ver­langt wer­den. Der feh­ler­haft bei­ge­tre­tene An­le­ger kann aber die Ge­sell­schaft un­ter Be­ru­fung auf den Ver­trags­man­gel durch so­fort wirk­same Kündi­gung mit der Folge be­en­den, dass ihm ein nach den ge­sell­schafts­ver­trag­li­chen Re­geln zu be­rech­nen­der An­spruch auf ein Ab­fin­dungs­gut­ha­ben zu­steht.

So­weit dem ge­schädig­ten An­le­ger un­ter Berück­sich­ti­gung sei­nes (et­wai­gen) Ab­fin­dungs­gut­ha­bens ein An­spruch auf Er­satz ei­nes wei­ter­ge­hen­den Scha­dens ver­bleibt, ist er, um die gleichmäßige Be­frie­di­gung der Ab­fin­dungs- und Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprüche der übri­gen stil­len Ge­sell­schaf­ter nicht zu gefähr­den, an des­sen Durch­set­zung nur ge­hin­dert, wenn und so­weit das Vermögen des Ge­schäfts­in­ha­bers zur Be­frie­di­gung der (hy­po­the­ti­schen) Ab­fin­dungs- oder Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprüche der an­de­ren stil­len Ge­sell­schaf­ter nicht aus­reicht. Da die Ab­wei­sung der Kla­gen auf der Grund­lage der bis­he­ri­gen tatsäch­li­chen Fest­stel­lun­gen da­nach kei­nen Be­stand ha­ben konnte, wa­ren die Ver­fah­ren zur wei­te­ren Aufklärung an die Be­ru­fungs­ge­richte zurück­zu­ver­wei­sen.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
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