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Leit(d)thema Zollabwicklung - Empfehlungen für mittelständische Unternehmen

Der Handelskonflikt mit den USA rückt die Zölle in den Fokus des allgemeinen Interesses. Zölle sind aber schon immer ein alltägliches Phänomen für mittelständische Unternehmen im globalen Handel.

Seit 1.6.2018 wer­den US-ame­ri­ka­ni­sche Zölle auf Stahl- und Alu­mi­nium­ex­porte aus der EU erho­ben. Damit schüt­zen die USA zum Leid­we­sen der Euro­päer ihre hei­mi­sche Stahl­in­du­s­trie. Die­ser aktu­elle Han­dels­kon­f­likt rückt das Thema Zölle in den Fokus des all­ge­mei­nen Inter­es­ses. Aber: Zölle sind schon immer ein all­täg­li­ches Phä­no­men im glo­ba­len Han­del.

Leit(d)thema Zollabwicklung - Empfehlungen für mittelständische Unternehmen© Thinkstock

Mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men machen mehr als ein Vier­tel ihrer Umsätze im Aus­land, aber den­noch: das Thema Zoll­pro­zesse wird von ihnen eher stief­müt­ter­lich behan­delt. Dabei soll­ten sie die Zoll­pro­zesse nicht sch­licht als not­wen­di­ges Übel hin­neh­men. Denn es beste­hen Spiel­räume. Die Zoll­ab­wick­lung kann näm­lich viel­fach so ange­passt wer­den, dass sie recht­lich rich­tig und vor allem so effi­zi­ent und kos­ten­spa­rend wie mög­lich ist.

Die Zusam­men­ar­beit mit den Zoll­be­hör­den ist ein Geben und Neh­men. Die Zoll­beam­ten sind admi­ni­s­t­ra­tiv geprägt und erwar­ten klare Pro­zesse. Gelingt Unter­neh­men der Nach­weis, dass sie sich an diese Pro­zesse hal­ten, kön­nen sie den Sta­tus als zuge­las­se­ner Wirt­schafts­be­tei­lig­ter (Aut­ho­ri­zed Eco­no­mic Ope­ra­tor, AEO) bean­tra­gen. Damit erfül­len sie die Grund­vor­aus­set­zung, um viele zoll­recht­li­che Vor­teile zu erlan­gen, wie bei­spiels­weise ver­ein­fachte Anmel­de­ver­fah­ren bei Import und beim Export sowie in der Regel sel­te­nere Prü­fun­gen der Ware.

Gewöhn­lich wird der Zoll an der Grenze bezahlt. War­te­zei­ten und Lager­kos­ten, etwa an einem See­ha­fen, sind ein not­wen­di­ges Übel. Aller­dings gibt es vor allem bei Impor­ten mit dem sog. Ver­sand­ver­fah­ren T1 eine rela­tiv ein­fa­che Mög­lich­keit, Waren nicht an der Grenze abfer­ti­gen zu müs­sen. Die­ses Ver­fah­ren kommt zur Anwen­dung, wenn die Waren erst am Bestim­mung­s­ort, etwa am Unter­neh­mens­sitz, ver­steu­ert und ver­zollt wer­den sol­len. Vor­aus­set­zung ist eine sog. T1-Anmel­dung. Dafür ist u. a. eine Sicher­heits­leis­tung erfor­der­lich. Für mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men kann es zweck­mä­ßig sein, den T1-Ver­sand von einer Spe­di­tion durch­füh­ren zu las­sen.

Ganz wich­tig für jedes Unter­neh­men, das Waren im grenz­über­sch­rei­ten­den Ver­kehr bewegt, ist die sog. Tari­fie­rung: Jeder Ware ist im Zoll­ta­rif­schema eine Code­num­mer und ein dazu­ge­hö­ri­ger Zoll­satz zuge­wie­sen. Dabei ist nicht immer ganz ein­deu­tig, wie bestimmte Pro­dukte ein­grup­piert wer­den. So wird bei­spiels­weise blan­ker Kup­fer­draht anders behan­delt als iso­lier­ter. Bei unzu­tref­fen­der Tari­fie­rung ist der Zoll­satz falsch und unter Umstän­den zu hoch. Wer seine Lie­fer­ket­ten bzw. die Ver­ar­bei­tungs­tiefe sei­ner Pro­dukte ent­sp­re­chend den Tari­fie­run­gen steu­ert, kann ggf. in einen güns­ti­ge­ren Zoll­ta­rif fal­len - und damit mit­un­ter viel Geld spa­ren. Bei Unsi­cher­hei­ten, kann eine ver­bind­li­che Zoll­ta­ri­f­aus­kunft bean­tragt wer­den. An das Ergeb­nis einer sol­chen Zoll­ta­ri­f­aus­kunft sind alle EU-Staa­ten drei Jahre lang gebun­den.

Manch­mal kön­nen Unter­neh­men auch ganz ver­mei­den, ein­ge­führte Waren oder Roh­stoffe zu ver­zol­len. Grund­sätz­lich wird Zoll nur dann erho­ben, wenn Pro­dukte impor­tiert und in den Wirt­schafts­k­reis­lauf der EU ein­ge­bracht wer­den. Dies gilt nicht im Falle einer akti­ven Ver­e­de­lung, d. h., wenn Pro­dukte bei­spiels­weise nur repa­riert oder wei­ter­ver­ar­bei­tet und ansch­lie­ßend wie­der in das Ursprungs­land oder andere Märkte geschickt wer­den. Für diese aktive Ver­e­de­lung benö­t­i­gen Unter­neh­men eine Bewil­li­gung des zustän­di­gen Haupt­zollamts. Glei­ches gilt im umge­kehr­ten Fall der pas­si­ven Ver­e­de­lung. In die­sem Fall geht es um Pro­duk­ti­ons­schritte an Waren aus der EU, die etwa auf­grund von gerin­ge­ren Lohn­kos­ten oder spe­zi­el­lem Know-how in Dritt­län­dern vor­ge­nom­men wer­den. Auch hier kön­nen Unter­neh­men bei der Wie­de­r­ein­fuhr Zoll­vor­teile genie­ßen.

Wei­ter kön­nen Unter­neh­men Zölle spa­ren und von Liqui­di­täts­vor­tei­len pro­fi­tie­ren, wenn sie ein Zoll­la­ger nut­zen. Diese Vari­ante ist vor allem für Han­dels­un­ter­neh­men und Unter­neh­men mit welt­wei­ten Lie­fer­ket­ten inter­es­sant. In der Pra­xis ver­zol­len zahl­rei­che Unter­neh­men nach wie vor alle impor­tier­ten Waren, unab­hän­gig von ihrem fina­len Bestim­mung­s­ort. In einem Zol­la­ger hin­ge­gen kön­nen Fir­men ihre Ware zunächst par­ken. Die Ver­zol­lung oder Ver­steue­rung erfolgt erst, wenn die Ware aus dem Zoll­la­ger ent­nom­men wird.

In bestimm­ten Kon­s­tel­la­tio­nen erfolgt bei der Nut­zung eines Zoll­la­gers auch gar keine Ver­zol­lung. Wird etwa Ware aus China impor­tiert, ein­ge­la­gert und ansch­lie­ßend wei­ter in die USA geschickt, erfolgt bei der Nut­zung eines Zoll­la­gers keine Ver­zol­lung in der EU. Als sol­ches Zoll­la­ger kann eine sepa­rate Halle des Unter­neh­mens, ein abge­t­renn­ter und beim Zoll ange­mel­de­ter Bereich im Unter­neh­men oder ein Lager die­nen, das von einem Dienst­leis­ter, z. B. von einer Spe­di­tion, unter­hal­ten wird. Letz­te­res dürfte für mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men die prak­ti­ka­belste Lösung sein. Denn der Betrieb eines Zol­la­gers ist deut­lich kom­ple­xer als der T1-Ver­sand.

Sowohl beim Import als auch beim Export von Waren sind zollamt­li­che Pro­zesse nicht immer ver­meid­bar. Im Gegen­teil, durch den nahen­den Bre­xit kommt das Thema Zoll wohl für viele Unter­neh­men, die damit bis dato noch keine Berüh­rung hat­ten, erst­mals hinzu. Den­noch gibt es viele Mög­lich­kei­ten, sich den Umgang mit die­sen Aufla­gen ein­fa­cher zu machen und sowohl Zeit als auch Geld zu spa­ren.


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