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Demnächst Zollkontrollen in UK?

Das Schreckensszenario zahlreicher Unternehmen der Export-Nation Deutschland ist, dass mit dem Brexit der Warenverkehr auf und von der Insel zusammenbricht, da extrem lange Wartezeiten bei der Zollabfertigung befürchtet werden. Kommt das so ab 1.2.2020?

Dazu spre­chen wir mit Eva Reh­berg, Zoll­ex­per­tin von Ebner Stolz.

Eva Rehberg: Demnächst Zollkontrollen in UK?

Frau Reh­berg, das Ver­ei­nigte Kön­ig­reich ist mit Ablauf des 31.1.2020 aus der EU aus­ge­schie­den. Ist damit das Chaos an den Gren­zen vor­pro­gram­miert?

Mit dem im Oktober 2019 aus­ver­han­del­ten und nun von bei­den Sei­ten rati­fi­zier­ten Aus­tritts­ab­kom­men wird den Unter­neh­men noch­mals ein Auf­schub gewährt. Bis zum Ende des ver­ein­bar­ten Über­gangs­zei­traums, also bis 31.12.2020, wird das Ver­ei­nigte Kön­ig­reich zoll­recht­lich noch wie ein Mit­g­lied­staat behan­delt. Dies gilt dann zum Ende des Über­gangs­zei­traums auch noch, wenn die Beför­de­rung vor des­sen Ablauf begon­nen, aber erst danach been­det wurde.

Also haben Unter­neh­men, die ange­sichts der quä­len­den Bre­xit-Ver­hand­lun­gen bereits Vor­räte an Zulie­fer­tei­len in bzw. aus UK ange­legt und ähn­li­che Vor­be­rei­tun­gen getrof­fen haben, über­rea­giert?

Letzt­lich war bis 10.12.2019, bis zur Neu­wahl des bri­ti­schen Par­la­ments, nicht abzu­se­hen, wie es mit dem Bre­xit wei­ter­geht. Unter­neh­men, die in ihren Pro­duk­ti­ons­ab­läu­fen dar­auf ange­wie­sen sind, Teile aus UK zu einem bestimm­ten Zeit­punkt vor­lie­gen zu haben, muss­ten damit letzt­lich Vor­sorge tref­fen. Glei­ches gilt für Unter­neh­men, die ihre Waren ohne Zeit­ver­zug nach UK brin­gen müs­sen. Allein VW und BMW brin­gen täg­lich eine Viel­zahl von LKW Ladun­gen durch den Tun­nel auf die Insel. Die Ent­span­nung, die sich der­zeit ange­sichts des Aus­tritts­ab­kom­mens abzeich­net, währt zudem auch nicht lang. Um Waren­ströme wirt­schaft­lich sinn­voll anzu­pas­sen, bedarf es Vor­lauf­zeit. Unter­neh­men soll­ten die ver­b­lei­ben­den elf Monate nut­zen, sich hier pas­sende Stra­te­gien zu über­le­gen.

Was ist Ihre Ein­schät­zung? Wer­den deut­sche und bri­ti­sche Unter­neh­men, die in Han­dels­be­zie­hun­gen zuein­an­der­ste­hen, unter dem Bre­xit lei­den oder wird durch die Über­gangs­frist ein wei­cher Über­gang geschaf­fen, der nicht son­der­lich zu spü­ren ist?

Boris John­son will ja bis Jah­re­s­ende ein Frei­han­dels­ab­kom­men mit der EU zum Abschluss brin­gen. Ob das gelingt, ist aller­dings zwei­fel­haft. Betrach­tet man die jüngs­ten Frei­han­dels­ab­kom­men, die die EU gesch­los­sen hat, so brauch­ten die Ver­trag­s­part­ner oft meh­rere Jahre, bis sie sich auf alle Details geei­nigt hat­ten. Exper­ten zwei­feln des­halb daran, dass dies mit UK bis Ende 2020 gelingt. Und selbst wenn dies der Fall ist, so wäre der Erfolg aus­sch­ließ­lich finan­zi­el­ler Natur, denn Zölle wür­den, so hof­fen die Betrof­fe­nen, zwi­schen der EU und UK nicht erho­ben. Kei­nen Ein­fluss hat ein der­ar­ti­ges Abkom­men auf die Grenz­ab­fer­ti­gun­gen und damit die zeit­li­chen Ver­zö­ge­run­gen. Unter­neh­men bleibt nur zu raten, am Ball zu blei­ben und mit Vor­be­rei­tungs­maß­nah­men für die Zeit nach der Über­gangs­frist Vor­keh­run­gen zu tref­fen.

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