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Wirtschaftsprüfung

Weitgehende Offenlegungspflichten für große Kapitalgesellschaften und Konzerne

  • Ab 2016 kom­men erwei­terte Offen­le­gungspf­lich­ten auf große Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten und Kon­zerne zu
  • Betrof­fen sind Unter­neh­men mit mehr als 500 Arbeit­neh­mern
  • Grund­sätze, Risi­ken und Ergeb­nisse in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Arbeit­neh­mer­be­lange, Ach­tung der Men­schen­rechte, Bekämp­fung von Kor­rup­tion und Bes­te­chung müs­sen offen gelegt wer­den.

Deut­sche Unter­neh­men neh­men ihre gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung wahr und enga­gie­ren sich in gro­ßem Umfang. Bis­her kom­mu­ni­zie­ren sie ihr gesell­schaft­li­ches Enga­ge­ment so, wie es je nach indi­vi­du­el­ler unter­neh­mens­spe­zi­fi­scher Situa­tion, d.h. je nach Bran­che, inter­na­tio­na­ler Ver­f­lech­tung, Art der Sta­ke­hol­der und Kon­su­men­ten sowie den Bedürf­nis­sen der Öff­ent­lich­keit, ange­mes­sen ist.

Weitgehende Offenlegungspflichten für große Kapitalgesellschaften und Konzerne© Thinkstock

Dies genügt der EU-Kom­mis­sion jedoch nicht. Sie for­dert eine gesetz­li­che Berich­t­er­stat­tungspf­licht für die Cor­po­rate Social Res­pon­si­bi­lity (CSR)-rele­van­ten unter­neh­mens­spe­zi­fi­schen Infor­ma­tio­nen. Nach der am 15.4.2014 vom Euro­päi­schen Par­la­ment ver­ab­schie­de­ten Richt­li­nie, die von den ein­zel­nen Mit­g­lied­staa­ten bis 1.1.2016 in ent­sp­re­chen­des natio­na­les Recht umge­setzt wer­den soll, sol­len neben den finan­zi­el­len nun auch noch umfang­rei­che nicht­fi­nan­zi­elle Infor­ma­tio­nen zu einer nach­hal­ti­gen Unter­neh­mens­füh­rung offen­ge­legt wer­den, mit dem Ziel, zu einer nach­hal­ti­gen glo­ba­len Wirt­schaft und zu einer höhe­ren Wirt­schaft­lich­keit in den Unter­neh­men selbst bei­zu­tra­gen.

Die erwei­ter­ten Offen­le­gungspf­lich­ten sol­len nur für große Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten und Kon­zerne, insb. mit mehr als 500 Arbeit­neh­mern, gel­ten. KMU sind somit von den Anfor­de­run­gen aus­ge­nom­men. Doch mag auf ihnen, etwa als Zulie­fe­rer, der fak­ti­sche Druck las­ten, eine ent­sp­re­chende Nach­hal­tig­keits­be­rich­t­er­stat­tung gleich­wohl ein­zu­füh­ren, um keine Wett­be­werbs­nach­teile zu erlei­den.

Wenn­g­leich Deut­sch­land im ver­gan­ge­nen Jahr bereits erwei­terte Maß­g­a­ben zur Lage­be­rich­t­er­stat­tung gemäß HGB und den DRS 20 ein­ge­führt hat und ent­sp­re­chend gewisse nicht­fi­nan­zi­elle Leis­tungs­in­di­ka­to­ren, wie z. B. Umwelt- und Arbeit­neh­mer­be­lange, § 289 Abs. 3 und § 315 Abs. 1 HGB, offen zu legen sind, geht dies der EU-Kom­mis­sion nicht weit genug: diese finan­zi­el­len und nicht finan­zi­el­len Infor­ma­tio­nen allein rei­chen danach für das Ver­ständ­nis der künf­ti­gen Unter­neh­mens­ent­wick­lung nicht mehr aus. Gemäß der Richt­li­nie zur Offen­le­gung nicht­fi­nan­zi­el­ler und die Diver­si­tät betref­fende Infor­ma­tio­nen sol­len Gesell­schaf­ten künf­tig ihre Grund­sätze, Risi­ken und Ergeb­nisse in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Arbeit­neh­mer­be­lange, Ach­tung der Men­schen­rechte, Bekämp­fung von Kor­rup­tion und Bes­te­chung sowie Viel­falt in den Lei­tungs- und Kon­troll­or­ga­nen (Diver­sity) offen­le­gen. Im Umwelt­be­reich etwa sol­len vor­her­seh­bare Aus­wir­kun­gen z. B. auf Gesund­heit und Sicher­heit, die Nut­zung erneu­er­ba­rer und nicht erneu­er­ba­rer Ener­gien, den Treib­hau­s­ef­fekt und die Luft­ver­sch­mut­zung dar­ge­legt wer­den. Ähn­li­ches ist exp­li­zit für andere Berei­che vor­ge­se­hen.

Wenn Gesell­schaf­ten für ein­zelne in der Richt­li­nie auf­ge­führte Berei­che keine Unter­neh­mens­po­li­tik ver­fol­gen, muss erklärt wer­den, wes­halb sie dies nicht tun (sog. com­ply or exp­lain).

Die auf dem Vor­schlag der EU-Kom­mis­sion basie­rende Richt­li­nie führt zu einer mas­si­ven Aus­wei­tung der Lage­be­rich­t­er­stat­tung und damit zu deut­lich mehr Büro­k­ra­tie. Vor­ge­se­hen ist, dass die Unter­neh­men neben der rei­nen Dar­stel­lung ihrer Unter­neh­mens­po­li­tik auch Leis­tung­s­ein­schät­zun­gen und Risi­ko­be­ur­tei­lun­gen abge­ben. Sie sol­len Risi­ko­fel­der benen­nen, die sen­si­ble unter­neh­mens­in­terne Infor­ma­tio­nen ent­hal­ten kön­nen. Um nicht zu stark in die Gestal­tungs­f­rei­heit der Unter­neh­men ein­zu­g­rei­fen, steht die Offen­le­gung unter­neh­mens­in­ter­ner Infor­ma­tio­nen im Ermes­sen von Mana­ge­ment und Auf­sichts­g­re­mien.

Grund­sätz­lich ist eine nicht­fi­nan­zi­elle Erklär­ung im Lage­be­richt abzu­ge­ben, die dann durch den Abschluss­prü­fer zwin­gend zu prü­fen ist. Die nicht­fi­nan­zi­elle Erklär­ung muss Anga­ben min­des­tens zu Umwelt-, Sozial- und Arbeit­neh­mer­be­lan­gen, zur Ach­tung der Men­schen­rechte und zur Bekämp­fung von Kor­rup­tion und Bes­te­chung ein­sch­ließ­lich der Besch­rei­bung der dies­be­züg­lich ver­folg­ten Gesell­schafts­po­li­tik und deren Ergeb­nisse, der Risi­ken im Zusam­men­hang mit die­sen Belan­gen und deren Hand­ha­bung ent­hal­ten. Zudem sind nicht­fi­nan­zi­elle Leis­tungs­in­di­ka­to­ren zu ana­ly­sie­ren. Neben der rei­nen Dar­stel­lung der Unter­neh­mens­po­li­tik sind somit auch Leis­tung­s­ein­schät­zun­gen und Risi­ko­be­ur­tei­lun­gen durch die Gesell­schaft vor­zu­neh­men und durch den Abschluss­prü­fer zu prü­fen. Dies bedeu­tet eine Begu­t­ach­tung der zugrun­de­lie­gen­den Über­wa­chungs­sys­teme des Unter­neh­mens durch den Abschluss­prü­fer. Der­ar­tige Sys­tem­prü­fun­gen sind kom­plex und der­zeit nicht Bestand­teil der gesetz­li­chen Jah­res­ab­schluss­prü­fung. Davon abge­se­hen wird die Prüf­bar­keit bestimm­ter Anga­ben schon aus Prak­ti­ka­bi­li­tät­s­er­wä­gun­gen beein­träch­tigt. Denn wie soll der Abschluss­prü­fer etwa die Prü­fung, dass die Ein­hal­tung von Men­schen­rech­ten gewähr­leis­tet ist, bewerk­s­tel­li­gen.
Alter­na­tiv zur Abgabe einer nicht­fi­nan­zi­el­len Erklär­ung im Lage­be­richt wird die Mög­lich­keit ein­ge­räumt, einen Nach­hal­tig­keits­be­richt als Bestand­teil des Lage­be­richts zu ers­tel­len. In die­sem Fall ist das Unter­neh­men von der Abgabe der nicht­fi­nan­zi­el­len Erklär­ung als Bestand­teil des Lage­be­richts bef­reit. Dies ist ins­be­son­dere für sol­che Unter­neh­men inter­es­sant, die jetzt schon frei­wil­lig über CSR berich­ten.

Wenn nun aber schon die Berichtspf­lich­ten aus­ge­wei­tet wer­den, ist es im Sinne einer bes­se­ren Ver­g­leich­bar­keit sicher­lich zu begrü­ßen, dass dies EU-weit ein­heit­lich erfol­gen soll. Gewarnt wer­den sollte aber davor, den Lage­be­richt mit unbe­deu­ten­den Absicht­s­er­klär­un­gen zu über­frach­ten, die mög­li­cher­weise die Ver­ständ­lich­keit und Les­bar­keit die­ses Medi­ums ins­ge­s­amt beein­träch­ti­gen.

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