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Verluste von Hobbyautoren sind steuerlich nicht absetzbar

FG Rheinland-Pfalz 14.8.2013, 2 K 1409/12

Verluste, die ein (Hobby)Autor wegen der Veröffentlichung eines Buches mit Kurzgeschichten erzielt hat, sind steuerlich nicht anzuerkennen. Die Gewinnerzielungsabsicht als sog. "innere Tatsache" (= Vorgang, der sich in der Vorstellung von Menschen abspielt) kann nur anhand äußerlicher Merkmale beurteilt werden. Allein die Hoffnung, für den Literaturmarkt "entdeckt" zu werden, reicht nicht aus.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger ist als Logo­päde selb­stän­dig tätig. Für die Streit­jahre 2008 bis 2010 hatte er u.a. Auf­wen­dun­gen für seine Auto­ren­tä­tig­keit gel­tend gemacht. Dar­un­ter fie­len Pub­li­ka­ti­ons­kos­ten, Fahrt­kos­ten, Kos­ten für ein Arbeits­zim­mer und die Geschäfts­aus­stat­tung, ins­ge­s­amt rund 11.000 €. Ein­nah­men erklärte er keine. Im Jahr 2011 gab er seine Auto­ren­tä­tig­keit auf.

Das Finanz­amt prüfte für die Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung die Gewinn­er­zie­lungs­ab­sicht des Klä­gers in Bezug auf seine Auto­ren­tä­tig­keit und for­derte von ihm ent­sp­re­chende Anga­ben und Unter­la­gen, die der Klä­ger nicht erbrachte. Infol­ge­des­sen wur­den die gel­tend gemach­ten Ver­luste aus der Auto­ren­tä­tig­keit des Klä­gers nicht aner­kannt.

Der Klä­ger machte dar­auf­hin im Wesent­li­chen gel­tend, er habe mit einem Ver­lag einen Auto­ren­ver­trag gesch­los­sen. Dies belege seine Gewinn­er­zie­lungs­ab­sicht. Ohne ent­sp­re­chende Gewinn­er­zie­lungs­ab­sicht hätte er sch­ließ­lich auch keine Pub­li­ka­ti­ons­kos­ten i.H.v. 4841 € auf sich genom­men. Mit der Auto­ren­tä­tig­keit habe er sich ein zwei­tes Stand­bein auf­bauen wol­len, da er wegen gesund­heit­li­cher Pro­b­leme in der Aus­übung sei­nes Haupt­be­ru­fes zuse­hends ein­ge­schränkt
werde. Im Übri­gen sei er vom Ver­lag getäuscht wor­den, da die­ser nicht die zuge­sag­ten Akti­vi­tä­ten ent­fal­tet habe.

Das FG wies den­noch die Klage ab. Das Urteil ist aller­dings noch nicht rechts­kräf­tig.

Die Gründe:
Die gel­tend gemach­ten Ver­luste aus der Auto­ren­tä­tig­keit des Klä­gers waren steu­er­lich nicht anzu­er­ken­nen.

Der Klä­ger konnte nicht nach­wei­sen, dass er mit sei­ner Auto­ren­tä­tig­keit eine Gewinn­er­zie­lungs­ab­sicht gehabt hatte. Die Gewinn­er­zie­lungs­ab­sicht als sog. "innere Tat­sa­che" (= Vor­gang, der sich in der Vor­stel­lung von Men­schen abspielt) kann sch­ließ­lich nur anhand äußer­li­cher Merk­male beur­teilt wer­den. Nach die­sen allein maß­geb­li­chen objek­ti­ven Umstän­den war hier davon aus­zu­ge­hen, dass der Klä­ger mit sei­ner Auto­ren­tä­tig­keit kei­nen Total­ge­winn erzie­len konnte. Viel­mehr hatte der Klä­ger die ver­lust­brin­gende Tätig­keit aus im Bereich der Lebens­füh­rung lie­gen­den per­sön­li­chen Grün­den und Nei­gun­gen aus­ge­übt. So erlaubte bereits der beson­dere Cha­rak­ter des vom Klä­ger behan­del­ten The­mas den Schluss, dass die Tätig­keit nicht allein auf der Absicht beruhte, sich ein zwei­tes beruf­li­ches Stand­bein zu schaf­fen.

Auch die Bereit­schaft zur Über­nahme nicht uner­heb­li­cher Druck­kos­ten sprach eher dafür, dass über­wie­gend pri­vate Inter­es­sen und Nei­gun­gen für die Tätig­keit ursäch­lich gewe­sen waren. Die Ver­luste konn­ten nicht als sog. "Anlauf­ver­luste" aner­kannt wer­den, da schon zu Beginn der Tätig­keit kein schlüs­si­ges Betriebs­kon­zept exis­tierte, das den Klä­ger zu der Annahme hätte ver­an­las­sen dür­fen, durch die selb­stän­dige Tätig­keit könne ins­ge­s­amt ein posi­ti­ves Gesam­t­er­geb­nis erzielt wer­den. Der Betrieb war sch­ließ­lich objek­tiv nicht geeig­net, einen Total­ge­winn abzu­wer­fen, da die Druck­kos­ten bereits zu Beginn der Tätig­keit einen Ver­lust aus­ge­löst hat­ten, der in den nach­fol­gen­den Jah­ren nicht aus­ge­g­li­chen wer­den konnte. Um über­haupt mit Honora­ren rech­nen zu kön­nen, hätte der Klä­ger mehr als 1.000 Stück sei­nes Wer­kes ver­kau­fen müs­sen. Der­ar­tige Ver­kaufs­zah­len sind aber auch bei einem "akti­ve­ren" Mar­ke­ting des Ver­la­ges bei einem Erst­lings­werk gewöhn­lich nicht zu errei­chen.

Im vor­lie­gen­den Fall wurde bereits durch den Inter­ne­t­auf­tritt des Ver­la­ges deut­lich, dass des­sen vor­ran­gi­ger Geschäfts­zweck in der Gewin­nung von unbe­kann­ten Auto­ren liegt, um aus der unmit­tel­ba­ren Geschäfts­be­zie­hung mit die­sen Geld zu ver­die­nen. Dem gesam­ten Inter­ne­t­auf­tritt des Ver­la­ges bzw. der Ver­lags­gruppe konnte nicht ent­nom­men wer­den, dass über­haupt ein Ver­trieb der ver­leg­ten Werke ernst­haft erfol­gen sollte. Aus spä­te­ren Sch­rei­ben des Ver­la­ges ergab sich zudem, dass der Klä­ger die Ver­mark­tung selbst hätte in die Hand neh­men sol­len. Allein die Hoff­nung, für den Lite­ra­tur­markt "ent­deckt" zu wer­den, reicht aber nicht aus.

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