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Verdeckte Einlage kann der Schenkungsteuer unterliegen

FG Baden-Württemberg 1.3.2017, 7 V 2515/16

Eine verdeckte Einlage einzelner Gesellschafter in eine Personengesellschaft kann zu einer freigebigen Zuwendung nach § 7 Abs. 1 S. 1 ErbStG zugunsten der übrigen Gesellschafter führen, wenn sie ohne Gegenleistung oder gesellschaftsrechtliche Veranlassung erfolgt.

Der Sach­ver­halt:
Hin­ter­grund des Rechts­st­reits ist die Umstruk­tu­rie­rung eines Immo­bi­li­en­ver­mö­gens, bei der ein früher pri­vat gehal­te­nes Immo­bi­li­en­port­fo­lio eines Ehe­paa­res auf eine Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG über­tra­gen wurde. Die Kauf­p­reis­for­de­run­gen aus den Grund­stücks­ver­käu­fen an die Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG waren bei den Ehe­leu­ten ein­kom­men­steu­er­recht­lich Son­der­be­triebs­ver­mö­gen im Rah­men ihrer Betei­li­gung an einer Hol­ding.

Diese Betei­li­gun­gen der Ehe­leute wur­den zusam­men mit dem hierzu zuzu­ord­nen­den Son­der­be­triebs­ver­mö­gen (vor allem den Kauf­p­reis­for­de­run­gen) in die Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG ein­ge­bracht. Nach einer schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung über eine ver­deckte Ein­lage wur­den nach Durch­füh­rung von Ver­rech­nun­gen die Rest­kauf­p­reis­for­de­run­gen der Ehe­leute in die gesamt­hän­de­ri­sche Rücklage der Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG ein­ge­legt. An die­ser sind die Ehe­leute und deren Kin­der betei­ligt. Wegen der ver­deck­ten Ein­lage des Ehe­man­nes setzte das Finanz­amt gegen seine Ehe­frau Schen­kung­steuer fest.

Hier­ge­gen wandte die Ehe­frau ein, nicht sie, son­dern allen­falls die Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG sei durch die ver­deckte Ein­lage berei­chert. Auf­grund der Recht­sp­re­chung zur Teil­rechts­fähig­keit von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten sei die Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG als Per­so­nen­ge­sell­schaft auch schen­kung­steu­er­recht­lich ein Steu­er­sub­jekt. Im Übri­gen sei es zu einer Kon­fu­sion der Kauf­p­reis­for­de­run­gen (im Son­der­be­triebs­ver­mö­gen der Ehe­leute) und der Kauf­p­reis­schul­den (Ver­bind­lich­kei­ten der Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG) gekom­men. Die­ses Erlö­schen der bei­der­sei­ti­gen For­de­run­gen sch­ließe eine Berei­che­rung der an der Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG betei­lig­ten Gesell­schaf­ter aus.

Das FG lehnte den Antrag auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung des Schen­kung­steu­er­be­scheids ab.

Die Gründe:
Vor­lie­gend beste­hen - nach sum­ma­ri­scher Prü­fung - keine ernst­li­chen Zwei­fel daran, dass der Schen­kung­steu­er­be­scheid recht­mä­ßig ist. Die Voll­st­re­ckung aus die­sem Bescheid muss daher nicht aus­ge­setzt wer­den.

Es beste­hen keine ernst­li­chen Zwei­fel, dass im Erb­schaft- und Schen­kung­steu­er­recht bei Zuwen­dun­gen an eine Per­so­nen­ge­sell­schaft deren Gesell­schaf­ter und nicht die Gesell­schaft selbst Zuwen­dungs­emp­fän­ger sind. Auch nach Erge­hen der Recht­sp­re­chung des BGH zur Teil­rechts­fähig­keit der GbR im Zivil­recht ist im Erb­schaft- und Schen­kung­steu­er­recht die Per­so­nen­ge­sell­schaft als tran­s­pa­rent zu behan­deln und damit deren Gesell­schaf­ter die Berei­che­rungs­emp­fän­ger.

Ist eine Gesamt­hands­ge­mein­schaft zivil­recht­lich als Beschenkte am Schen­kungs­vor­gang betei­ligt, ergibt eine eigen­stän­dige schen­kung­steu­er­recht­li­che Prü­fung, dass nicht die Gesamt­hand, son­dern die Gesamt­hän­der durch die frei­ge­bige Zuwen­dung schen­kung­steu­er­recht­lich als berei­chert anzu­se­hen sind. Die Per­so­nen­ge­sell­schaft ist von der Per­sön­lich­keit der Gesell­schaf­ter nicht - wie eine juris­ti­sche Per­son - zu tren­nen. Geht des­halb durch Erban­fall oder Schen­kung Ver­mö­gen auf eine Gesamt­hands­ge­mein­schaft über, wird die­ses stets gesamt­hän­de­ri­sches Ver­mö­gen der Gesamt­hän­der, die allein durch den Ver­mö­gens­über­gang berei­chert wer­den.

Die ver­deckte Ein­lage der Ehe­leute in die Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG sind daher als Zuwen­dung an die Gesell­schaf­ter der Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG zu wer­ten. Die Zuwen­dung war auch unent­gelt­lich. Eine der Schen­kung­steu­erpf­licht ent­ge­gen­ste­hende gesell­schafts­recht­li­che Ver­an­las­sung ist nicht erkenn­bar. Die ver­deckte Ein­lage der Ehe­leute in die Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH & Co KG ist nicht gesell­schafts­recht­lich ver­an­lasst, weil sich die Gewinn­ver­tei­lung an der Betei­li­gungs­höhe ori­en­tiert hat und Nach­schusspf­lich­ten, ins­be­son­dere für die Kin­der der Ehe­leute, im Gesell­schafts­ver­trag nicht vor­ge­se­hen waren. Es gab auch sonst keine gesell­schafts­ver­trag­lich ange­leg­ten Aus­g­leichs­me­cha­nis­men, die die ver­deck­ten Ein­la­gen der Ehe­leute wie­der auf­ge­wo­gen hät­ten.

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