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Rechtsberatung

Unzulässiges Fahrerbewertungsportal

OVG Münster 19.10.2017, 16 A 770/17

Das In­ter­net­por­tal "www.fah­rer­be­wer­tung.de" ist da­ten­schutz­recht­lich un­zulässig. Das in­for­ma­tio­nelle Selbst­be­stim­mungs­recht der be­trof­fe­nen Kraft­fahr­zeug­hal­ter über­wiegt ge­genüber den In­ter­es­sen der Be­trei­be­rin so­wie der Nut­zer des Por­tals.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin be­treibt das On­line-Por­tal www.fah­rer­be­wer­tung.de, mit dem das Fahr­ver­hal­ten von Ver­kehrs­teil­neh­mern un­ter An­gabe des Kfz-Kenn­zei­chens im We­sent­li­chen an­hand ei­nes Am­pel­sche­mas (grün = po­si­tiv, gelb = neu­tral, rot = ne­ga­tiv) be­wer­tet wer­den kann. Die ab­ge­ge­be­nen Be­wer­tun­gen können von je­der­mann ohne Re­gis­trie­rung ein­ge­se­hen wer­den.

Die Lan­des­be­auf­tragte für Da­ten­schutz sieht darin einen Ver­stoß ge­gen das BDSG. Sie gab der Kläge­rin u.a. auf, die Platt­form so um­zu­ge­stal­ten, dass nur noch der je­wei­lige Hal­ter oder die je­wei­lige Hal­te­rin ei­nes Fahr­zeugs die dafür ab­ge­ge­be­nen Be­wer­tun­gen ein­se­hen kann und sich zu die­sem Zweck zu­vor re­gis­trie­ren muss.

Das VG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Die Be­ru­fung der Kläge­rin hatte vor dem OVG kei­nen Er­folg. Die Re­vi­sion zum BVerwG wurde nicht zu­ge­las­sen. Da­ge­gen kann Nicht­zu­las­sungs­be­schwerde er­ho­ben wer­den, über die das BVerwG ent­schei­det.

Die Gründe:
Das BDSG ist vor­lie­gend an­wend­bar, ins­be­son­dere han­delt es sich bei den zu be­stimm­ten Kfz-Kenn­zei­chen ab­ge­ge­be­nen Be­wer­tun­gen um per­so­nen­be­zo­gene Da­ten.

Im Rah­men der vor­zu­neh­men­den Abwägung über­wiegt das in­for­ma­tio­nelle Selbst­be­stim­mungs­recht der be­trof­fe­nen Kraft­fahr­zeug­hal­ter ge­genüber den In­ter­es­sen der Kläge­rin so­wie der Nut­zer des Por­tals, weil eine vollständig an­onyme Be­wer­tung von in der Re­gel pri­vat mo­ti­vier­tem Ver­hal­ten für eine un­be­grenzte Öff­ent­lich­keit ein­seh­bar ist. Dem ste­hen keine ge­wich­ti­gen In­ter­es­sen der Kläge­rin und der Por­tal­nut­zer ent­ge­gen. Ins­be­son­dere das Ziel, die Fah­rer zur Selbst­re­fle­xion an­zu­hal­ten, kann auch un­ter Gel­tung der An­ord­nun­gen er­reicht wer­den.

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