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Umsatzsteuerbefreiung für medizinisch indizierte fußpflegerische Leistungen durch Podologen

BFH 1.10.2014, XI R 13/14

Bei me­di­zi­ni­sch in­di­zier­ten fußpfle­ge­ri­schen Leis­tun­gen i.S.d. § 3 PodG, die Po­do­lo­gen er­brin­gen, han­delt es sich um um­satz­steu­er­freie Heil­be­hand­lun­gen, während "selbst­in­di­zierte" Be­hand­lun­gen keine Heil­be­hand­lun­gen sind. Als Nach­weis des the­ra­peu­ti­schen Zwecks von Leis­tun­gen können nicht nur ärzt­li­che Ver­ord­nun­gen in Form ei­nes Kas­sen- oder Pri­vat­re­zepts die­nen, son­dern auch an­dere Un­ter­la­gen, die zum the­ra­peu­ti­schen Zweck eine ver­gleich­bare Aus­sa­ge­kraft wie ärzt­li­che Ver­ord­nun­gen ha­ben und von Per­so­nen stam­men, die zur Fest­stel­lung des the­ra­peu­ti­schen Zwecks befähigt sind.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist eine GbR. Sie be­treibt me­di­zi­ni­sche Fußpflege durch ihre bei­den Ge­sell­schaf­te­rin­nen (zwei zu­ge­las­sene Po­do­lo­gin­nen); die Leis­tun­gen um­fass­ten das fach­ge­rechte Schnei­den der Nägel und das Ent­fer­nen der Horn­haut. Die Be­hand­lun­gen er­folg­ten teil­weise auf der Grund­lage von ärzt­li­chen Ver­ord­nun­gen und teil­weise ohne Ver­ord­nung ei­nes Arz­tes oder Heil­prak­ti­kers.

Die Kläge­rin sah ihre Leis­tun­gen im strei­ti­gen Zeit­raum Ja­nuar bis Mai 2012 aus­nahms­los, also auch ohne ärzt­li­che Ver­ord­nung, als um­satz­steu­er­freie Heil­be­hand­lun­gen an. Das Fi­nanz­amt sah das an­ders. Es war der An­sicht, eine Steu­er­be­frei­ung für Leis­tun­gen von Ge­sund­heits­fach­be­ru­fen komme grundsätz­lich nur dann in Be­tracht, wenn diese auf­grund ei­ner Ver­ord­nung ei­nes Arz­tes oder Heil­prak­ti­kers oder im Rah­men ei­ner Vor­sorge- oder Re­ha­bi­li­ta­ti­onsmaßnahme durch­geführt würden.

Das FG gab der Klage wei­test­ge­hend statt. Auf die Re­vi­sion der Fi­nanz­behörde hob der BFH das Ur­teil auf und wies die Sa­che zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das FG zurück.

Gründe:
Das FG hatte zwar zu Recht an­ge­nom­men, dass der Nach­weis dafür, dass eine fußpfle­ge­ri­sche Leis­tung ei­nes Po­do­lo­gen the­ra­peu­ti­schen Zwecken dient, nicht nur durch eine ärzt­li­che Ver­ord­nung in Form ei­nes Kas­sen- oder Pri­vat­re­zepts, son­dern auch durch an­dere Un­ter­la­gen mit ei­ner gleich­wer­ti­gen Aus­sa­ge­kraft geführt wer­den kann. Al­ler­dings hatte es keine aus­rei­chen­den tatsäch­li­chen Fest­stel­lun­gen ge­trof­fen, um be­ur­tei­len zu können, ob dies tatsäch­lich der Fall ist.

Bei me­di­zi­ni­sch in­di­zier­ten fußpfle­ge­ri­schen Leis­tun­gen i.S.d. § 3 PodG, die Po­do­lo­gen er­brin­gen, han­delt es sich um um­satz­steu­er­freie Heil­be­hand­lun­gen, während "selbst­in­di­zierte" Be­hand­lun­gen keine Heil­be­hand­lun­gen sind. Als Nach­weis des the­ra­peu­ti­schen Zwecks von Leis­tun­gen können nicht nur ärzt­li­che Ver­ord­nun­gen in Form ei­nes Kas­sen- oder Pri­vat­re­zepts die­nen, son­dern - wie oben be­reits erwähnt - auch an­dere Un­ter­la­gen, die zum the­ra­peu­ti­schen Zweck eine ver­gleich­bare Aus­sa­ge­kraft wie ärzt­li­che Ver­ord­nun­gen ha­ben und von Per­so­nen stam­men, die zur Fest­stel­lung des the­ra­peu­ti­schen Zwecks befähigt sind. Der Nach­weis des the­ra­peu­ti­schen Zwecks ei­ner Leis­tung muss grundsätz­lich für jede Leis­tung ge­son­dert er­bracht wer­den.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des FG han­delt es sich so­wohl beim Schnei­den der Fußnägel als auch beim Ent­fer­nen der Horn­haut um Leis­tun­gen, die nicht nur the­ra­peu­ti­schen, son­dern auch an­de­ren Zwecken (nämlich der all­ge­mei­nen Körper­pflege oder kos­me­ti­schen Zwecken) die­nen können. Das FG hat § 3 PodG und da­mit den Um­stand nicht be­ach­tet, dass fußpfle­ge­ri­sche Leis­tun­gen durch Po­do­lo­gen auch an­de­ren als the­ra­peu­ti­schen Zwecken die­nen können und des­halb in je­dem Ein­zel­fall ent­spre­chende me­di­zi­ni­sche Fest­stel­lun­gen von dazu befähig­tem Fach­per­so­nal zu tref­fen sind.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
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