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Umsatzsteuer goes digital - der internationale Mittelstand muss nachziehen

Die Finanzverwaltungen zahlreicher Staaten setzen auf Digitalisierung, insbesondere im Bereich der Umsatzsteuer. Grenzüberschreitend tätige mittelständische Unternehmen sind damit gezwungen, technisch Schritt zu halten und den digitalen Weg einzuschlagen bzw. konsequent weiterzugehen. Die digitalen Innovationen der Fisci europäischer Nachbarländer überschlagen sich dabei förmlich:

Rumä­nien hat mit Wir­kung zum 1.1.2018 das sog. Split VAT Sys­tem für die Umsatz­steuer ein­ge­führt, an wel­chem bestimmte in Rumä­nien umsatz­steu­er­lich regi­s­trierte Unter­neh­men - insb. säu­mige Steu­er­zah­ler - teil­neh­men müs­sen. Allen ande­ren ist die Teil­nahme frei­ge­s­tellt, wobei als Anreiz eine Ermä­ß­i­gung von 5 % auf die Kör­per­schaft­steuer oder Ertrag­steuer gewährt wird. Dabei über­weist der Leis­tungs­emp­fän­ger den Brutto-Rech­nungs­be­trag nicht mehr in einer Summe an den Leis­ten­den, son­dern zahlt viel­mehr den Netto-Rech­­nungs­­­be­trag und die aus­ge­wie­sene Umsatz­steuer auf sepa­rate Kon­ten. Letzt­lich muss der Leis­tungs­emp­fän­ger vor jeder sei­ner Zah­lun­gen über ein von staat­li­cher Seite bereit­ge­s­tell­tes Inter­net-Por­tal prü­fen, ob das leis­tende Unter­neh­men am Split VAT Sys­tem teil­nimmt.

Umsatzsteuer goes digital - der internationale Mittelstand muss nachziehen© Thinkstock

In Ungarn tritt zum 1.7.2018 die Pflicht zur Über­mitt­lung von elek­tro­ni­schen Rech­nun­gen in Kraft. Dann müs­sen Unter­neh­mer die Rech­nungs­in­for­ma­tio­nen zu Rech­nun­gen über in Ungarn steu­erpf­lich­tige Lie­fe­run­gen mit einer aus­ge­wie­se­nen Umsatz­steuer von mehr als 100.000 HUF unver­züg­lich elek­tro­nisch an die Finanz­be­hörde über­mit­teln. Nicht betrof­fen sind steu­er­f­reie Leis­tun­gen oder Leis­tun­gen, für die das Reverse-Charge-Ver­fah­ren Anwen­dung fin­det. Glei­ches gilt für Rech­nun­gen im B2C-Bereich. Von dem neuen elek­tro­ni­schen Mel­de­sys­tem sind alle in Ungarn regi­s­trier­ten Unter­neh­men betrof­fen.

Bereits seit 1.1.2017 besteht in Spa­nien eine ähn­li­che elek­tro­ni­sche Mel­depf­licht insb. für große Unter­neh­men mit einem Umsatz von mehr als 6 Mio. Euro.

In Polen sind die Unter­neh­men seit Januar 2018 verpf­lich­tet, die Daten aus den Umsatz­steu­er­re­gis­tern über Ein­käufe und Ver­käufe elek­tro­nisch auf einer monat­li­chen Basis in dem sog. SAF-T-For­mat („Stan­dard Audit File for Tax”) zu über­mit­teln. Diese Pflicht betrifft auch aus­län­di­sche Unter­neh­men, die in Polen umsatz­steu­erpf­lich­tig regi­s­triert sind, sowie in Polen bele­gene Betriebs­stät­ten aus­län­di­scher Rechts­trä­ger. Wer die Vor­lage der Buchungs­be­lege als SAF-T-Dateien unbe­grün­det ver­wei­gert bzw. diese nicht frist­ge­recht vor­legt, kann mit einer Geld­buße bestraft wer­den. Zudem wird ab Juli 2018 das Split-Pay­ment-Sys­tem in Polen imp­le­men­tiert, was (ver­g­leich­bar mit dem rumä­ni­schen Split VAT Sys­tem) eine Auf­tei­lung der Zah­lung durch den Leis­tungs­emp­fän­ger erfor­der­lich macht. Die Anwen­dung des Sys­tems ist frei­wil­lig, wobei hier­über aller­dings - anders als in Rumä­nien - der Käu­fer ent­schei­det.

Ita­lien verpf­lich­tet Unter­neh­men ab 1.1.2019, Rech­nun­gen sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich elek­tro­nisch über das staat­li­che Aus­tausch­sys­tem „Sis­tema di Inter­s­ca­mio“ zu ver­sen­den. Andern­falls gel­ten die Rech­nun­gen als nicht zuge­s­tellt, was mit Sank­tio­nen ver­bun­den ist. Betrof­fen von der Neu­re­ge­lung sind sowohl alle Unter­neh­men in Ita­lien als auch in Ita­lien für Umsatz­steu­er­zwe­cke regi­s­trierte Unter­neh­men. Wer­den Rech­nun­gen über Lie­fe­run­gen von Mine­ral­öl­pro­dukte und von Sub-Zulie­fe­rern öff­ent­li­cher Auf­trag­ge­ber ers­tellt, gel­ten die Vor­ga­ben bereits zum 1.7.2018.

Noch einen Schritt wei­ter gehen - wie Pres­se­mit­tei­lun­gen zu ent­neh­men ist - die litaui­schen Steu­er­auf­sichts­be­hör­den, die der­zeit ein „Intel­li­gen­tes Steu­er­ver­wal­tungs­sys­tems” (i.MAS) ein­füh­ren. Steu­er­zah­ler müs­sen der Steu­er­ver­wal­tung künf­tig umfas­send Infor­ma­tio­nen über ihre Tätig­keit zur Ver­fü­gung stel­len. Neben der elek­tro­ni­schen Über­mitt­lung von Daten über emp­fan­gene und aus­ge­s­tellte Rech­nun­gen mit Umsatz­steu­er­aus­weis umfasst dies ab einem bestimm­ten Umsatz­vo­lu­men sogar die Buch­hal­tungs­da­ten in einer vor­ge­ge­be­nen Datei­form.

Die Bei­spiele zei­gen: gerade in der Umsatz­steuer ist es von immen­ser Bedeu­tung, dass Unter­neh­men ihre inter­na­tio­na­len und zuneh­mend digi­ta­len Verpf­lich­tun­gen ken­nen. Ggf. sind die Buch­hal­tungs­sys­teme an die ent­sp­re­chen­den natio­na­len Bestim­mun­gen der invol­vier­ten Staa­ten anzu­pas­sen. Zudem fin­den sich gerade im Bereich der Umsatz­steuer lei­der in der Pra­xis immer noch erheb­li­che steu­er­li­che Risi­ken, denen es vor­zu­beu­gen gilt. Sei es bei­spiels­weise bei der Abbil­dung von steu­er­f­reien Umsät­zen (z. B. bei grenz­über­sch­rei­ten­den Lie­fe­run­gen), nicht steu­er­ba­ren Leis­tun­gen oder auch bei der Gel­tend­ma­chung von Vor­steu­er­be­trä­gen.

Hel­fen kann betrof­fe­nen Unter­neh­men das Ebner Stolz Umsatz­steuer Audit Tool. Mit die­sem Tool prü­fen wir Ihre Sys­teme dahin­ge­hend, ob die wesent­li­chen Geschäfts­vor­fälle Ihres Unter­neh­mens natio­nal und inter­na­tio­nal plau­si­bel abge­bil­det wer­den. Im Kern erfolgt eine indi­vi­du­elle Mas­sen­da­ten­ana­lyse auf Basis moder­ner Tech­nik in Kom­bi­na­tion mit dem Umsatz­steu­er­wis­sen von Ebner Stolz. Das Tool kann modu­lar ver­wen­det und spe­zi­fisch für das jewei­lige Geschäfts­mo­dell ein­ge­setzt wer­den. Einen gro­ben Über­blick und unsere Ansp­rech­part­ner kön­nen Sie der bei­ge­füg­ten Bei­lage ent­neh­men


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