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Umsatzsteuer bei Verkäufen über „ebay“

Kau­fen und Ver­kau­fen vom Schreib­ti­sch aus - das In­ter­net macht’s möglich. So ver­mel­den On­line-Shops und In­ter­net-Auk­ti­onshäuser in den letz­ten Jah­ren Re­kord­umsätze. Be­son­de­rer Be­liebt­heit er­freut sich die In­ter­net­platt­form „ebay“: Statt ta­ge­lang auf Flohmärk­ten zu ste­hen, wer­den überflüssige Ge­genstände ins In­ter­net ein­ge­stellt und ei­ner Schar von In­ter­es­sen­ten zum Kauf an­ge­bo­ten. „Doch ist Vor­sicht an­ge­sagt, wenn im­mer wie­der ähn­li­che Ge­genstände oder sehr viele Verkäufe über das In­ter­net ab­ge­wi­ckelt wer­den“, warnt Steu­er­be­ra­ter Marco Bahmüller von Eb­ner Stolz Mönning Ba­chem. Dann be­steht nämlich die Ge­fahr, dass der Verkäufer als Un­ter­neh­mer ein­ge­stuft wird mit der Folge, dass die Ge­winne als ge­werb­li­che Einkünfte der Ein­kom­men­steuer, Ge­wer­be­steuer und der Um­satz­steuer un­ter­lie­gen.

Ganz ak­tu­ell hat der BFH diese Sicht­weise des Fis­kus bestätigt und klar­ge­stellt, dass bei dem Ver­kauf ei­ner Viel­zahl von Ge­brauchs­ge­genständen über meh­rere Jahre über die In­ter­net-Platt­form "ebay" eine nach­hal­tige, un­ter­neh­me­ri­sche und da­mit steu­er­lich re­le­vante Tätig­keit vor­lie­gen kann. Im Streit­fall stellte der BFH fest, dass die frag­li­chen Verkäufe der Um­satz­steuer zu un­ter­wer­fen wa­ren. „Die in dem Ur­teil auf­ge­stell­ten Grundsätze gel­ten aber auch für die Ein­kom­men- und Ge­wer­be­steuer“, erläutert Bahmüller. Für den Fis­kus kommt es letzt­lich dar­auf an, ob nach­hal­tig Verkäufe über „ebay“ ab­ge­wi­ckelt wer­den. Da­bei wird je­der Ein­zel­fall an­hand ver­schie­de­ner - nicht ab­schließend be­stimm­ter - Kri­te­rien für sich be­leuch­tet und auf das Ge­samt­bild der Verhält­nisse ab­ge­stellt. Laut Bahmüller ist da­bei ins­be­son­dere die Dauer, die In­ten­sität und die Planmäßig­keit des Tätig­wer­dens, die Be­tei­li­gung am Markt, die Zahl und die Höhe der aus­geführ­ten Umsätze von Be­deu­tung. Nicht er­for­der­lich ist, dass be­reits beim Ein­kauf der auf „ebay“ an­ge­bo­te­nen Ge­genstände eine Wie­der­ver­kaufs­ab­sicht be­stan­den hat.

In dem vom BFH ent­schie­de­nen Fall wur­den Ge­genstände un­ter­schied­li­cher Pro­dukt­grup­pen (u. a. Brief­mar­ken, Pup­pen, Mo­dell­ei­sen­bah­nen, Kunst­ge­werbe, Schreib­geräte, Por­zel­lan, Soft­ware, Fo­to­ar­ti­kel, Tep­pi­che) so­wie Ge­genstände, die sich kei­ner ge­son­der­ten Pro­dukt­gruppe zu­ord­nen ließen, über „ebay“ ver­stei­gert. Hier­aus wur­den ab 2002 jähr­lich zwi­schen 226 bis 356 Verkäufe getätigt und jähr­li­che Umsätze zwi­schen 21.000 Euro und 35.000 Euro er­zielt. In die­sem Fall hat der BFH eine nach­hal­tige Tätig­keit be­jaht. Der Verkäufer wurde dem­zu­folge als Un­ter­neh­mer ein­ge­stuft - mit al­len steu­er­li­chen Kon­se­quen­zen. So hat er seine Einkünfte als Einkünfte aus Ge­wer­be­be­trieb zu de­kla­rie­ren und der Ein­kom­men­steuer so­wie bei Über­schrei­ten des ent­spre­chen­den Frei­be­tra­ges auch der Ge­wer­be­steuer zu un­ter­wer­fen. Klei­ner Trost: Auf­wen­dun­gen, die anläss­lich der Veräußerung von Ge­genständen über „ebay“ ent­ste­hen, können steu­er­min­dernd gel­tend ge­macht wer­den. Zu den­ken ist etwa an die ebay-Gebühren, an­tei­lige Aus­ga­ben für Com­pu­ter, Dru­cker, Te­le­fon, In­ter­net, Büro­ma­te­rial, Ver­sand­kos­ten und ggf. An­schaf­fungs­kos­ten der ex­tra zum Wei­ter­ver­kauf er­wor­be­nen Wa­ren.

Wer­den die „ebay-Verkäufe“ als un­ter­neh­me­ri­sche Tätig­keit ein­ge­stuft, ist zu­dem bei Ausführung der Umsätze Um­satz­steuer in Höhe von 19 % ein­zu­be­hal­ten und an das Fi­nanz­amt ab­zuführen, gleichgültig, ob diese in ei­ner Rech­nung aus­ge­wie­sen wurde oder nicht. „Um­satz­steuer wird nur dann nicht fällig, wenn die Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung ein­schlägig ist“, weiß Marco Bahmüller als letzte Ret­tung. Da­nach fällt keine Um­satz­steuer an, wenn der Um­satz ein­schließlich der dar­auf ent­fal­len­den Steuer im vor­an­ge­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr 17.500 Euro nicht über­stie­gen hat und im lau­fen­den Ka­len­der­jahr 50.000 Euro nicht über­steigt.

Wer also zu eif­rig über „ebay“ ver­kauft, läuft so­mit Ge­fahr, dass seine Erlöse der Be­steue­rung un­ter­lie­gen. „Mütter, die Se­cond-Hand-Klei­dung ih­rer Spröss­linge oder nicht mehr benötig­tes Spiel­zeug übers In­ter­net ver­scher­beln, brau­chen aber keine schlaf­lo­sen Nächte zu be­kom­men“, be­schwich­tigt Bahmüller, „um in die Ge­werb­lich­keit zu rut­schen, dürfen nicht nur ei­gene Ge­brauchs­ge­genstände ver­kauft wer­den; viel­mehr be­darf es ei­nes ge­ziel­ten An- und Ver­kaufs.“

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