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Umfangreiche Änderungen im polnischen Steuerrecht ab dem 01.01.2022

Mit der Un­ter­schrift des pol­ni­schen Präsi­den­ten am 15.11.2021 wurde eine Steu­er­re­form („Po­lish Or­der“) ver­ab­schie­det, wel­che um­fang­rei­che Ände­run­gen des pol­ni­schen Steu­er­rechts enthält und größten­teils ab dem 01.01.2022 in Kraft tre­ten wird. Der fol­gende Bei­trag stellt ei­nige der wich­tigs­ten Ände­run­gen des pol­ni­schen Un­ter­neh­mens­steu­er­rechts vor.

Für eine Viel­zahl pol­ni­scher Un­ter­neh­men (oder pol­ni­scher Be­triebsstätten ausländi­scher Un­ter­neh­men) könnte die Einführung ei­ner Min­dest­be­steue­rung re­le­vant wer­den. Diese gilt für körper­schaft­steu­er­pflich­tige Un­ter­neh­men und Be­triebsstätten, wel­che in einem Wirt­schafts­jahr einen steu­er­li­chen Ver­lust er­zie­len oder de­ren Einkünfte (ohne Veräußerungs­ge­winne) we­ni­ger als 1 % der Um­sat­zerlöse be­tra­gen. Der Steu­er­satz für Zwecke der Min­dest­be­steue­rung beträgt 10 %. Die Be­mes­sungs­grund­lage für die Min­dest­be­steue­rung ist ge­son­dert zu be­rech­nen und beträgt 4 % der Erträge aus der ope­ra­ti­ven Ge­schäftstätig­keit, erhöht um be­stimmte Auf­wen­dun­gen aus Ge­schäfts­be­zie­hun­gen mit na­he­ste­hen­den Per­so­nen und ver­min­dert um be­stimmte ab­zugsfähige Auf­wen­dun­gen. Die ent­spre­chende Steuer kann von der re­gulären Körper­schaft­steuer der drei fol­gen­den Jahre ab­ge­zo­gen wer­den. Es be­ste­hen ei­nige Aus­nah­men von der Min­dest­be­steue­rung, z. B. für Start-ups (nicht älter als 3 Jahre), für Un­ter­neh­men in tem­porären wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten und für Un­ter­neh­men aus näher de­fi­nier­ten Bran­chen.

Auch die pol­ni­sche Zins­schran­ken­re­ge­lung erfährt ver­schärfende An­pas­sun­gen, die insb. für pol­ni­sche Kon­zern­ge­sell­schaf­ten re­le­vant sein dürf­ten. Darüber hin­aus sind zukünf­tig Fi­nan­zie­rungs­auf­wen­dun­gen aus Dar­le­hens­gewährun­gen durch na­he­ste­hende Per­so­nen steu­er­lich nicht ab­zugsfähig, in­so­weit diese di­rekt oder in­di­rekt sog. Ei­gen­ka­pi­tal­trans­ak­tio­nen (z. B. der Er­werb von An­tei­len oder Ein­la­gen) zu­ge­ord­net wer­den können.

Da­ne­ben wer­den di­verse steu­er­li­che Förde­run­gen und Begüns­ti­gun­gen ein­geführt. So sind un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen Er­werbs­ne­ben­kos­ten (wie No­tar­gebühren, Steu­ern, öff­ent­li­che Gebühren, An­walts­kos­ten, etc.) beim Er­werb der Mehr­heit von An­tei­len bis zur Höhe der Einkünfte der er­wer­ben­den Ge­sell­schaft und ma­xi­mal bis PLN 250.000 steu­er­lich ab­zugsfähig. Er­wer­ber und die Ziel­ge­sell­schaft müssen seit min­des­tens 24 Mo­na­ten ope­ra­tiv tätig sein und dürfen nicht be­reits na­he­ste­hende Per­so­nen ge­we­sen sein.

Einkünfte aus recht­lich ge­schütz­tem geis­ti­gem Ei­gen­tum (z. B. Pa­tente, Soft­ware), die im Rah­men der F&E-Tätig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen ge­schaf­fen, ent­wi­ckelt oder ver­bes­sert wur­den, wer­den mit einem begüns­tig­ten Steu­er­satz von 5 % be­steu­ert („IP Box“).

Beim Bau von Pro­to­ty­pen oder der Markt­einführung neuer Pro­dukte sind bis zu 30 % der Auf­wen­dun­gen steu­er­lich ab­zugsfähig, höchs­tens je­doch bis zu 10 % der Einkünfte.

Wei­tere steu­er­li­che Begüns­ti­gun­gen er­ge­ben sich fer­ner im Zu­sam­men­hang mit Auf­wen­dun­gen für Ro­bo­ti­sie­rung so­wie für For­schung und Ent­wick­lung.

Auch die pol­ni­schen Vor­schrif­ten zur Do­ku­men­ta­tion von Ver­rech­nungs­prei­sen er­fah­ren An­pas­sun­gen, die zu­min­dest auf for­ma­ler Seite eher ver­schärfend sind (Ab­ga­be­fris­ten, elek­tro­ni­sche Über­mitt­lung, Ab­schaf­fung der Um­satz­schwelle fürs Mas­ter File).

Wei­tere In­for­ma­tio­nen in eng­li­scher Sprache fin­den Sie hier: www.eb­ner­stolz.de/po­lish-tax2022

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