de en
Nexia Ebner Stolz

Branchen

Überarbeitetes BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko

Am 29.3.2019 hat die BaFin einen Entwurf der Neufassung des Rundschreibens 9/2018 (BA) für Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch zur Konsultation vorgelegt. Eine erneute Überarbeitung des Rundschreibens war erforderlich geworden, um die Erweiterungen aus den neuen „Leitlinien zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos bei Geschäften des Anlagebuchs“ der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA auf nationaler Ebene zu implementieren.

Hin­weis

Die Anfor­de­run­gen aus dem Kon­sul­ta­ti­ons­ent­wurf gel­ten sowohl auf Ein­zel- als auch auf Grup­pe­n­e­bene und sind von allen Kre­di­t­in­sti­tu­ten i.S.v. § 1 Abs. 1 KWG, die nicht exp­li­zit von der Anwen­dung aus­ge­nom­men sind, anzu­wen­den. Berech­nung und Mel­dung haben wie bis­her min­des­tens vier­tel­jähr­lich bzw. jähr­lich zu erfol­gen.

Wesent­li­che Neue­run­gen des Kon­sul­ta­ti­ons­ent­wurfs sind:

Zinss­ze­na­rien zur Berech­nung des Frühwarn­in­di­ka­tors

Die bis­he­ri­gen Zinss­ze­na­rien für den Stan­dard­test (Paral­lel­ver­schie­bung um +/- 200 Basis­punkte) wer­den um ins­ge­s­amt sechs zusätz­li­che Zinss­ze­na­rien zur Berech­nung des sog. Frühwarn­in­di­ka­tors erwei­tert, die die BaFin ent­sp­re­chend der EBA-Leit­li­nien wie folgt defi­niert:

  • Paral­lel­ver­schie­bung auf­wärts
  • Paral­lel­ver­schie­bung abwärts
  • Vers­tei­lung
  • Ver­fla­chung
  • Kurz­frist­schock auf­wärts
  • Kurz­frist­schock abwärts

Die Höhe der für die neuen Zinss­ze­na­rien zu ver­wen­den­den Zins­schocks fal­len in Abhän­gig­keit der jewei­li­gen Wäh­rung unter­schied­lich hoch aus und sind im Kon­sul­ta­ti­ons­ent­wurf ein­heit­lich vor­ge­ge­ben.

Hin­weis

Für im Rund­sch­rei­ben nicht auf­ge­führte Wäh­run­gen ist die Höhe der Zins­schocks nach den im Anhang III der EBA-Leit­li­nie vor­ge­ge­be­nen Berech­nungs­me­tho­den zu ermit­teln.

Der neue Frühwarn­in­di­ka­tor ergibt sich aus der Ände­rung des Zins­buch­bar­war­tes der neuen Zinss­ze­na­rien und wird durch die BaFin auf 15 % fest­ge­legt. Die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Zins­än­de­rung wer­den abwei­chend zum Stan­dard­test ins Ver­hält­nis zum Kern­ka­pi­tal (Tier 1) und nicht zu den gesam­ten regu­la­to­ri­schen Eigen­mit­teln gesetzt. Beträgt der Ver­lust aus min­des­tens einem der sechs Sze­na­rien mehr als 15 % des Kern­ka­pi­tals, gilt das Insti­tut wie beim Stan­dard­test als „Insti­tut mit erhöh­tem Zins­än­de­rungs­ri­si­ko“.

Hin­weis

Neben der unver­züg­li­chen Mel­dung an die BaFin hat die Über­sch­rei­tung der Schwelle auch eine Über­prü­fung der Kapi­tal­fest­set­zung im auf­sicht­li­chen Über­prü­fungs- und Bewer­tung­s­pro­zess (Super­vi­sory Review and Eva­lua­tion Pro­cess, SREP) und ggf. eine Anpas­sung die­ser zur Kon­se­qu­enz. Eine Anord­nung auf­sicht­li­cher Maß­nah­men ist gemäß BaFin nicht vor­ge­se­hen.

Ein­zu­be­zie­hende Posi­tio­nen

Das Rund­sch­rei­ben kon­k­re­ti­siert dar­über hin­aus fol­gende Posi­tio­nen:

  • Unmit­tel­bare Pen­si­ons­verpf­lich­tun­gen, bei denen han­dels­recht­lich eine Pas­si­vie­rung­s­p­licht besteht, sind künf­tig nur noch dann ein­zu­be­zie­hen, sofern das dies­be­züg­li­che Zins­än­de­rungs­ri­siko nicht bereits über eine andere Risi­ko­mes­sung berück­sich­tigt wird.

Hin­weis

Die bis­he­ri­gen Erleich­te­run­gen - keine Berück­sich­ti­gung und keine vier­tel­jähr­li­che Aktua­li­sie­rung der Cash­f­lows bei ledig­lich unwe­sent­li­chen Aus­wir­kun­gen auf das gesamte Zins­än­de­rungs­ri­siko - schei­nen künf­tig nicht mehr zu gel­ten. Ggf. kann die BaFin die bis­he­rige Aus­nah­me­re­ge­lung im Rah­men der Kon­sul­ta­tion noch­mals auf­g­rei­fen.

  • Not­lei­dende For­de­run­gen (non-per­for­ming expo­sure, NPE) sind als all­ge­meine zins­sen­si­tive Instru­mente ein­zu­be­zie­hen, sofern sie im Ver­hält­nis zum gesam­ten Kre­dit­port­fo­lio wesent­lich sind und die NPE-Quote von 2 % über­s­tei­gen.

Hin­weis

Bei der Bestim­mung der erwar­te­ten Cash­f­lows sol­len bereits vor­ge­nom­mene Wert­be­rich­ti­gun­gen von NPE berück­sich­tigt wer­den.

  • Bei Posi­tio­nen mit unbe­stimm­ter ver­trag­li­cher Zins­bin­dung gilt künf­tig die Fünf-Jah­res-Model­lie­rungs­ober­g­renze für jede Wäh­rung ein­zeln.

Hin­weis

Aus­ge­nom­men hier­von sind auf­grund ihrer Höhe und Zins­rea­gi­bi­li­tät die Ein­la­gen von Finan­z­in­sti­tu­ten. Diese gel­ten als sofort fäl­lig.

  • Die bis­he­rige Zins­un­ter­g­renze von 0 % wird künf­tig durch eine lauf­zei­t­ab­hän­gige Zins­un­ter­g­renze ersetzt. Bei Posi­tio­nen mit sofor­ti­ger Fäl­lig­keit beläuft sich die Zins­un­ter­g­renze auf -100 Basis­punkte und steigt mit jedem Jahr um 5 Basis­punkte an, bis für Lauf­zei­ten ab 20 Jah­ren die Zins­un­ter­g­renze wie­der einen Wert von 0 % erreicht hat.

Hin­weis

Unter­sch­rei­tet der tat­säch­lich beo­b­ach­tete Zins­satz die lauf­zei­t­ab­hän­gige Zins­un­ter­g­renze, ist der nie­d­ri­gere beo­b­ach­tete Zins­satz als Unter­g­renze zu ver­wen­den. Pro­dukt­spe­zi­fi­sche Zins­un­ter­g­ren­zen sind stets ein­zu­hal­ten.

  • Die Fremd­wäh­rungs­po­si­tio­nen sind künf­tig grund­sätz­lich immer dann ein­zu­be­zie­hen, sofern diese min­des­tens 5 % aller finan­zi­el­len Ver­mö­gens­werte (außer Sach­an­la­gen) oder Ver­bind­lich­kei­ten im Anla­ge­buch aus­ma­chen. Min­des­tens 90 % aller finan­zi­el­len Ver­mö­gens­werte (außer Sach­an­la­gen) oder Ver­bind­lich­kei­ten sind hier­bei bei der Berech­nung zu berück­sich­ti­gen, andern­falls greift die 5 %-Schwelle nicht.

Hin­weis

Posi­tive Fremd­wäh­rungs­ve­r­än­de­run­gen dür­fen dabei mit einem Anteil von nur 50 % berück­sich­tigt wer­den, was die Abwei­chung zum bis­he­ri­gen kon­ser­va­ti­ven Vor­ge­hen (Berück­sich­ti­gung nur nega­ti­ver Ver­än­de­run­gen) teil­weise abmil­dert.

Fazit

Auf­grund des Inkraft­t­re­tens der EBA-Leit­li­nien am 30.6.2019 ist mit einer kurz­fris­ti­gen Ver­öf­f­ent­li­chung des neuen Rund­sch­rei­bens zu rech­nen. Die neuen Mess­vor­ga­ben wären spä­tes­tens zum Mel­destich­tag 30.9.2019 und die Vor­ga­ben zum Frühwarn­in­di­ka­tor zum Mel­destich­tag 31.12.2019 zu beach­ten.

Hin­weis

Sofern noch nicht bereits erfolgt, sind kurz­fris­tig ent­sp­re­chende Umset­zungs­maß­nah­men zu pla­nen. Ins­be­son­dere die sys­tem­sei­tige Imp­le­men­tie­rung der wäh­rungs­spe­zi­fi­schen Sze­na­rien zur Berech­nung des Frühwarn­in­di­ka­tors sowie der Zins­un­ter­g­renze für alle nega­ti­ven Schocks­ze­na­rien kann zu zeit- und kos­ten­in­ten­si­ven Umset­zungs­maß­nah­men füh­ren. Dar­über hin­aus ist auch die Berück­sich­ti­gung der neuen Risi­ko­maße im Rah­men der Risi­kobe­rich­t­er­stat­tung zu pla­nen.

nach oben