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Teilwertzuschreibung bei Fremdwährungsdarlehen

FG Baden-Württemberg 8.3.2016, 2 V 2763/15

Bei einem Fremdwährungsdarlehen ist von einer voraussichtlich dauernden Wertänderung auszugehen, wenn die Kursschwankung eine Grenze von 20 % für den einzelnen Bilanzstichtag, bzw. von 10 % für zwei aufeinanderfolgende Bilanzstichtage überschreitet.

Der Sach­ver­halt:
Die Antrag­s­tel­le­rin nahm im August 2006 ein unbe­fris­te­tes ver­zins­li­ches Dar­le­hen mit einem Nenn­be­trag von rd. 820.000 Schwei­zer Fran­ken auf, des­sen Rück­zah­lungs­be­trag sich nach dem dama­li­gen Umrech­nungs­kurs auf rd. 520.000 € belief. Im Zuge der Finanz­krise ab dem Jahr 2008 stieg der Wert des Fran­ken gegen­über dem Euro deut­lich an. Daher erhöhte die Antrag­s­tel­le­rin in ihren Bilan­zen 2008 bis 2010 den Wert­an­satz des Dar­le­hens im Wege einer Teil­wert­zu­sch­rei­bung.

Die hier­durch ver­ur­sachte Gewinn­min­de­rung erkannte das Finanz­amt nicht an. Es bewer­tete das Dar­le­hen wei­ter­hin mit dem ursprüng­li­chen Rück­zah­lungs­be­trag, weil bei einer Rest­lauf­zeit von mehr als einem Jahr nicht mit der erfor­der­li­chen Sicher­heit beur­teilt wer­den könne, ob die Wer­t­er­höh­ung dau­er­haft sei oder sich bis zur Fäl­lig­keit aus­g­lei­chen werde.

Das FG gab dem hier­ge­gen gerich­te­ten Antrag auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung über­wie­gend statt und gab dem Finanz­amt auf, bei der Gewin­ner­mitt­lung von einem erhöh­ten Wert des Fremd­wäh­rungs­dar­le­hens zum Bilanz­stich­tag 31.12.2010 aus­zu­ge­hen.

Die Gründe:
Fremd­wäh­rungs­ver­bind­lich­kei­ten sind grund­sätz­lich mit dem Rück­zah­lungs­be­trag zu bewer­ten, der sich aus dem Kurs im Zeit­punkt der Dar­le­hens­auf­nahme ergibt. Ein höhe­rer Teil­wert der Ver­bind­lich­keit ist nur anzu­set­zen, wenn auf­grund einer vor­aus­sicht­lich dau­er­haf­ten Wert­ve­r­än­de­rung der Teil­wert höher ist als der ursprüng­li­che Rück­zah­lungs­be­trag. Auf den Devi­sen­märk­ten übli­che Wech­sel­kurs­schwan­kun­gen berech­ti­gen noch nicht zu einem höhe­ren Ansatz der Ver­bind­lich­keit. Auch dar­über hin­aus­ge­hende Wech­sel­kurs­ve­r­än­de­run­gen sind nicht zu berück­sich­ti­gen, wenn das Dar­le­hen noch eine Rest­lauf­zeit von ca. zehn Jah­ren hat, weil man davon aus­ge­hen kann, dass sich Wäh­rungs­schwan­kun­gen dann grund­sätz­lich aus­g­lei­chen.

Wird für ein Dar­le­hen wie im vor­lie­gen­den Fall aber keine bestimmte Lauf­zeit ver­ab­re­det und ist auch nicht ernst­haft mit einer bevor­ste­hen­den Kün­di­gung des unbe­fris­te­ten Dar­le­hens zu rech­nen, müs­sen dau­er­hafte Ände­run­gen des Wech­sel­kur­ses sich beim Wert­an­satz des Fremd­wäh­rungs­dar­le­hens aus­wir­ken. Bei einem unbe­fris­te­ten Dar­le­hen mit (ordent­li­cher) Kün­di­gungs­mög­lich­keit zum Ende der (kur­zen) Zins­bin­dungs­frist kann nicht in glei­cher Weise wie bei einem befris­te­ten Dar­le­hen mit hoher Rest­lauf­zeit davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sich Wäh­rungs­schwan­kun­gen bis zum Ende der unbe­stimm­ten Lauf­zeit aus­g­lei­chen wer­den.

Bei Fremd­wäh­rungs­ver­bind­lich­kei­ten kann dann von einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wer­tän­de­rung aus­ge­gan­gen wer­den, wenn die Kurs­schwan­kung eine Grenze von 20 % für den ein­zel­nen Bilanz­stich­tag bzw. von 10 % für zwei auf­ein­an­der­fol­gende Stich­tage über­sch­rei­tet. Gerin­gere Pro­zent­sätze sind hin­ge­gen nicht aus­rei­chend, da der BFH die 5-Pro­zent-Grenze für bör­sen­no­tierte Aktien bei Fremd­wäh­rungs­ver­bind­lich­kei­ten nicht anwen­det. Nach die­sem Maß­stab waren für 2010, nicht aber für die Jahre 2008 und 2009 die Vor­aus­set­zun­gen einer Teil­wer­t­er­höh­ung gege­ben.

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