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Studie: Mittelstand sieht Compliance als Chance

Mit dem Begriff „Compliance“ verbinden Unternehmer häufig negative Assoziationen. Gleichzeitig sitzt spätestens seit den schwerwiegenden Compliance-Verstößen bei etwa Siemens, Telekom, ADAC und Volkswagen die Angst vor wesentlichen Compliance-Vorfällen bei Unternehmenslenkern tief: Drohen doch massive Konsequenzen für das Unternehmen und die eigene Person.

Dabei ist Com­p­li­ance nicht nur ein Thema für die (DAX-) Kon­zerne, son­dern auch für mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men. Gemäß einer aktu­el­len Stu­die, die Ebner Stolz gemein­sam mit dem F.A.Z.-Insti­tut und dem Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Forsa durch­ge­führt hat, haben Recht­st­reue und Haf­tungs­ver­mei­dung auch bei mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men höchste Prio­ri­tät im Zusam­men­hang mit Com­p­li­ance. Mehr und mehr mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men wis­sen aber auch, dass Com­p­li­ance einen Zusatz­nut­zen bie­ten kann. An vor­ders­ter Stelle stan­den der Sicher­heits­ge­winn mit 90 %, eine Tran­s­pa­renz­s­tei­ge­rung mit 88 % sowie ein Repu­ta­ti­ons­ge­winn mit 78 %. Gute Com­p­li­ance erzeugt Ver­trauen, das zwar mone­tär nicht greif­bar, aber doch ein kla­rer Wett­be­werbs­vor­teil im Markt ist, wie Dr. Uta-Maria Ohn­dorf, Gene­ral-Mana­ge­rin bei Roche Diag­nostics in Bel­gien im Rah­men unse­rer Stu­die aus eige­ner Erfah­rung berich­tet.

Compliance© Thinkstock

In wel­chen Berei­chen ist für den Mit­tel­stand die Ein­füh­rung von Com­p­li­ance-Struk­tu­ren am wich­tigs­ten? Hier wur­den am Häu­figs­ten der Daten­schutz mit 98 % und die IT-Sicher­heit mit 92 %, dicht gefolgt vom Arbeits- und Steu­er­recht (86 % und 82 %) genannt. Keine Über­ra­schung, denn die Finanz­ver­wal­tung hat nach unse­rer Ein­schät­zung für ihre Betriebs­prü­fun­gen stark auf­ge­rüs­tet und wer­tet mit Hilfe einer Prüf­soft­ware sys­te­ma­tisch die Daten des betrieb­li­chen Buch­hal­tungs­sys­tems aus. Damit bestä­tigt Stef­fen Demuß, Lei­ter Steu­ern und Com­p­li­ance bei dem Druck­ma­schi­nen­her­s­tel­ler König & Bauer AG, von Unter­neh­mens­seite unsere eige­nen Wahr­neh­mun­gen und führt im Rah­men unse­rer Stu­die aus, wie ein Tax Com­p­li­ance Mana­ge­ment Sys­tem bei König & Bauer aus­sieht. Ein beson­de­res Augen­merk rich­ten Betriebs­prü­fer dabei auf sog. Volu­men­steu­ern, wie Umsatz­steuer, Lohn­steuer und Ver­rech­nung­s­p­reise, ergänzt Sönke Gooß, CFO der edding AG.

Wie setzt der Mit­tel­stand die Com­p­li­ance-Anfor­de­run­gen unter­neh­mens­in­tern um? Hier sind die Unter­neh­men wei­t­aus hemds­är­m­e­li­ger auf­ge­s­tellt als die gro­ßen Kon­zerne. So sind umfas­sende Com­p­li­ance-Mana­ge­ment-Sys­teme in weni­ger als der Hälfte der Unter­neh­men vor­han­den. Ansons­ten über­wie­gen Ein­zel­maß­nah­men, denen sich in ers­ter Linie die Geschäfts­füh­rung oder die Abtei­lungs­lei­ter anneh­men. Eine der­ar­tige Vor­ge­hens­weise ist aus der Struk­tur des Mit­tel­stan­des mit fla­chen Hier­ar­chien und direk­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­gen her­aus gerecht­fer­tigt: So kön­nen Com­p­li­ance-Maß­nah­men hier je nach Risi­ko­grad schritt­weise in ein­zel­nen Modu­len imp­le­men­tiert wer­den. Ins­be­son­dere der klei­nere Mit­tel­stand hat hier sei­nen Nach­hol­be­darf erkannt. 58 % der Unter­neh­men haben ange­ge­ben, dass die Com­p­li­ance-Inves­ti­tio­nen in Zukunft stei­gen wer­den.

Wenn es um die Ein­füh­rung von Com­p­li­ance-Struk­tu­ren geht, sind die Unter­neh­men im Vor­teil, die ihre Pro­zesse bereits klar beschrie­ben haben. Dann braucht man nur noch an den Pro­zes­sen ent­lang­zu­ge­hen und zu schauen, wo Ima­ge­the­men, Wer­te­flüsse und Haf­tungs­ri­si­ken beste­hen, erläu­terte Dr. Ulrich Schulz, Exe­cu­tive Direc­tor u.a. für Com­p­li­ance bei COR­PUS SIREO, im Rah­men unse­rer Stu­die.

Mit den rich­ti­gen Hilfs­mit­teln las­sen sich Com­p­li­ance-Struk­tu­ren noch bes­ser imp­le­men­tie­ren. Je nach Unter­neh­mens­größe rei­chen hier­für Unter­la­gen in Excel, Doku­men­ten­ma­na­ge­ment­sys­teme oder umfas­sende Com­p­li­ance-Mana­ge­ment-Sys­teme. Pro­zesse wer­den dadurch ver­ein­facht und effi­zi­en­ter für die Mit­ar­bei­ter sowie nach­voll­zieh­ba­rer etwa für die Wirt­schafts­prü­fer, erläu­tert Det­lef Bräuer, Ver­triebs­lei­ter der SER Solu­ti­ons Deut­sch­land GmbH, im Rah­men eines Gesprächs mit Peter Ring­beck, Lei­ter IT und Orga­ni­sa­tion der DG HYP in Ham­burg, über die Imp­le­men­tie­rung eines Doku­men­ten­ma­na­ge­ment­sys­tems.

Der Mit­tel­stand wird schon allein nicht umhin kom­men, Com­p­li­ance-Struk­tu­ren in den Unter­neh­men ein­zu­füh­ren, um dem Vor­wurf fahr­läs­si­gen oder gar vor­sätz­li­chen Han­delns zu ent­ge­hen (letz­te­res kann schon bei einer „bil­li­gen Ink­auf­nah­me“ des Ein­tritts des Vor­falls  vor­lie­gen). So ver­laut­barte etwa das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­rium in einem aktu­el­len Sch­rei­ben, dass ein steu­er­li­ches inter­nes Kon­troll­sys­tem ein Indiz gegen das Vor­lie­gen von Vor­satz oder Fahr­läs­sig­keit dar­s­tel­len kann. Doch dür­fen Com­p­li­ance-Struk­tu­ren und Richt­li­nien nicht zu einem Papier­ti­ger dege­ne­rie­ren. Viel­mehr muss Com­p­li­ance „Tone from the top“ gelebt wer­den. So betrach­tet Ulrich Roth­fuchs, Com­p­li­ance-Ver­ant­wort­li­cher bei der DEKRA, Com­p­li­ance als Füh­rungs­auf­gabe. Denn Kom­mu­ni­ka­tion, Authen­ti­zi­tät und Glaub­wür­dig­keit sind ent­schei­dend dafür, ob Men­schen mit der jewei­li­gen Bot­schaft erreicht wer­den. Wenn das gelingt, kön­nen Kon­troll­maß­nah­men auch wie­der in den Hin­ter­grund tre­ten.

Hin­weis

Die voll­stän­dige Stu­die steht Ihnen auch als PDF zum Down­load bereit.

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