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Sanierung: Treugeberkommanditisten können Ausgleichsanspruch gegen Mit-Treugeber haben

BGH 29.9.2015, II ZR 403/13

Leistet die Gesellschaft den Treugeberkommanditisten keinen Aufwendungsersatz, können diejenigen, die im Rahmen eines Sanierungskonzeptes Verbindlichkeiten der Gesellschaft getilgt haben, von Mit-Treugebern, soweit diese für die getilgten Gesellschaftsverbindlichkeiten (mittelbar) hafteten und sich nicht durch Tilgungszahlungen an der Sanierung beteiligt haben, entsprechend § 426 Abs. 1 BGB einen deren Beteiligung an der Gesellschaft adäquaten anteiligen Ausgleich verlangen. Den Mit-Treugebern ist ein Haftungsausschluss nach § 242 BGB verwehrt.

Der Sach­ver­halt:
Der Beklagte war seit 1982 über die A-GmbH als Treu­hand­kom­man­di­tis­tin mit einer Ein­lage von 100.000 DM zzgl. 5 % Agio an der K-KG betei­ligt. Deren Zweck war die Errich­tung und Ver­wal­tung von Immo­bi­lien im öff­ent­lich geför­der­ten Woh­nungs­bau. Da die Erlöse der KG nicht genüg­ten, um die Ver­bind­lich­kei­ten zu bedie­nen und des­halb die Insol­venz drohte, wurde u.a. in einer Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung im April 2008 ein Bestands­si­che­rungs­kon­zept besch­los­sen, das neben Moder­ni­sie­run­gen und Instand­set­zun­gen auch eine Umfi­nan­zie­rung vor­sah.

Die Treu­ge­ber­ge­sell­schaf­ter soll­ten sich an der Sanie­rung durch Rück­zah­lung der von ihnen unmit­tel­bar bezo­ge­nen Aus­schüt­tun­gen betei­li­gen. Die Zah­lun­gen soll­ten an den Klä­ger, einen Rechts­an­walt, als Sanie­rung­s­t­reu­hän­der geleis­tet wer­den, der auf Wei­sung der Treu­ge­ber mit den auf dem Treu­hand­konto ein­ge­gan­ge­nen Mit­teln Gesell­schafts­ver­bind­lich­kei­ten beg­lei­chen sollte. Es wur­den aller­dings nur 56,2585 % der Aus­schüt­tun­gen zurück­ge­zahlt. Diese Zah­lun­gen ermög­lich­ten aber die Sanie­rung. Im Jahr 2009 wur­den die zurück­ge­führ­ten Aus­schüt­tun­gen in vol­lem Umfang an Gesell­schafts­gläu­bi­ger gezahlt.

Aller­dings lehnte es die K-KG ab, den Treu­ge­bern, die sich an der Sanie­rung betei­ligt hat­ten, die geleis­te­ten Beträge zu erstat­ten. Diese Treu­ge­ber­ge­sell­schaf­ter tra­ten im Rah­men sog. "Inkas­so­zes­si­ons­ve­r­ein­ba­run­gen" ihre Ansprüche gegen die Treu­ge­ber, die sich - wie der Beklagte - nicht an der Sanie­rung betei­ligt hat­ten, an den Klä­ger ab. Die­ser nahm den Beklag­ten, der Aus­schüt­tun­gen i.H.v. 6.004 € erhal­ten hatte, letzt­lich noch auf Zah­lung von 3.377 € in Anspruch, was 56,2585 % der vom Beklag­ten bezo­ge­nen Aus­schüt­tun­gen ent­sprach.

Das AG wies die Klage ab; das LG gab ihr statt. Die Revi­sion des Beklag­ten blieb vor dem BGH erfolg­los.

Gründe:
Der Klä­ger hat gegen den Beklag­ten einen Aus­g­leichs­an­spruch aus § 426 BGB, §§ 110, 161 HGB.

Der über die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin an der K-KG betei­ligte Beklagte hatte im Innen­ver­hält­nis die Stel­lung eines unmit­tel­ba­ren Kom­man­di­tis­ten erlangt. Denn es ent­spricht der gefes­tig­ten BGH-Recht­sp­re­chung, dass im Fall einer sog. offe­nen oder qua­li­fi­zier­ten Treu­hand, gerade bei der treu­hän­de­ri­schen Zusam­men­fas­sung zahl­rei­cher Geld­ge­ber, die an der Gesell­schaft Betei­lig­ten ihr gesell­schaf­ter­li­ches Innen­ver­hält­nis so gestal­ten kön­nen, als ob die Treu­ge­ber selbst Gesell­schaf­ter wären. Til­gen Treu­ge­ber­kom­man­di­tis­ten ohne Verpf­lich­tung im Innen­ver­hält­nis zur Gesell­schaft Gesell­schafts­ver­bind­lich­kei­ten, kön­nen sie von der Gesell­schaft jeden­falls dann nach § 110 HGB Auf­wen­dungs­er­satz ver­lan­gen, wenn sie im Innen­ver­hält­nis zur Gesell­schaft, den ande­ren Treu­ge­bern und Gesell­schaf­tern eine einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter ent­sp­re­chende Rechts­stel­lung haben.

Zwar lagen hier die Vor­aus­set­zun­gen für eine - unmit­tel­bare - Anwen­dung des § 426 Abs. 1 BGB nicht vor. Dies lag daran, dass der Beklagte und die an der Sanie­rung teil­neh­men­den Treu­ge­ber­ge­sell­schaf­ter für die Ver­bind­lich­kei­ten der K-KG nicht gesamt­schuld­ne­risch haf­te­ten. Leis­tet die Gesell­schaft den Treu­ge­ber­kom­man­di­tis­ten kei­nen Auf­wen­dungs­er­satz, kön­nen jedoch die­je­ni­gen, die im Rah­men eines Sanie­rungs­kon­zepts Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft getilgt haben, von Mit-Treu­ge­bern, soweit diese für die getilg­ten Gesell­schafts­ver­bind­lich­kei­ten (mit­tel­bar) haf­te­ten und sich nicht durch Til­gungs­zah­lun­gen an der Sanie­rung betei­ligt haben, ent­sp­re­chend § 426 Abs. 1 BGB einen deren Betei­li­gung an der Gesell­schaft adäqua­ten antei­li­gen Aus­g­leich ver­lan­gen.

Den Mit-Treu­ge­bern, die sich wie der Beklagte nicht an der Sanie­rung betei­ligt haben, ist es auf­grund der hier getrof­fe­nen ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen, ins­be­son­dere der Ver­zah­nung von Treu­hand- und Gesell­schafts­ver­trag, nach Treu und Glau­ben gem. § 242 BGB ver­wehrt, sich gegen­über ihren Aus­g­leich for­dern­den, in glei­cher Weise wie sie haf­ten­den Mit­ge­sell­schaf­tern, die Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft getilgt haben, dar­auf zu beru­fen, dass sie ledig­lich mit­tel­bare Gesell­schaf­ter sind und des­halb im Außen­ver­hält­nis nicht haf­ten. Die Aus­g­leichs­an­sprüche der Zeden­ten schei­ter­ten im vor­lie­gen­den Fall letzt­lich auch nicht daran, dass die Vor­aus­set­zun­gen einer - mit­tel­ba­ren - Haf­tung des Beklag­ten nach §§ 171 f. HGB für die getilg­ten Gesell­schafts­ver­bind­lich­kei­ten nicht vor­lag.

Link­hin­weis:

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