de en
Nexia Ebner Stolz

Aktuelles

OLG Hamm zum Unterhalt: Tochter muss bei unzureichendem Nachweis der eigenen Leistungsunfähigkeit für Heimaufenthalt der Mutter zahlen

Beschluss des OLG Hamm vom 21.11.2012 - II-8 UF 14/12

Eine er­wach­sene Toch­ter, die ihre feh­lende un­ter­halts­recht­li­che Leis­tungsfähig­keit nicht dar­le­gen oder nach­wei­sen kann, muss sich an den Heim­kos­ten der Mut­ter be­tei­li­gen. Schul­det ein ver­hei­ra­te­ter Un­ter­halts­pflich­ti­ger El­tern­un­ter­halt, komme es für die Frage sei­ner Leis­tungsfähig­keit auf das Fa­mi­li­en­ein­kom­men an, weil der Un­ter­halts­pflich­tige den Un­ter­halt ent­we­der aus sei­nem nicht nur ge­ringfügi­gen "Ta­schen­geld­an­spruch" ge­gen den Ehe­gat­ten oder aus sei­nen ei­ge­nen Einkünf­ten schul­det.

Der Sach­ver­halt:
Die Be­tei­lig­ten strei­ten um El­tern­un­ter­halt aus über­ge­gan­ge­nem Recht ab Fe­bruar 2008.

Die 93 Jahre alte Mut­ter der 64-jähri­gen An­trags­geg­ne­rin lebt in einem Al­ten- und Pfle­ge­heim in Südlohn. Für die durch Rente, Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen und Vermögen der Mut­ter nicht ab­ge­deck­ten Heim­kos­ten gewährt der an­trag­stel­lende Kreis Bor­ken Hilfe zur Pflege i.H.v. mtl. 1.638 €. An den vom An­trag­stel­ler fi­nan­zier­ten Heim­kos­ten ha­ben sich zwei Brüder der An­trags­geg­ne­rin mit Zah­lun­gen von mtl. 704 € zu be­tei­li­gen, zwei ih­rer Schwes­tern leis­ten keine Zah­lun­gen, weil sie un­strei­tig leis­tungs­unfähig sind.

Von der An­trags­geg­ne­rin ver­langt der Kreis Bor­ken nach ge­setz­li­chem For­de­rungsüberg­ang des An­spruchs der Mut­ter auf El­tern­un­ter­halt eine mtl. Zah­lung i.H.v. 113 €. Die An­trags­geg­ne­rin ver­wei­gerte die ver­lang­ten Zah­lun­gen un­ter Hin­weis dar­auf, dass sie ab Fe­bruar 2008 nicht mehr leis­tungsfähig sei.

Das AG wies die Anträge des An­trag­stel­lers zurück. Auf die Be­schwerde des An­trag­stel­lers hob das OLG die Ent­schei­dung des AG auf und gab den Anträgen statt. Die hier­ge­gen ge­rich­tete Be­ru­fung hatte vor dem OLG kei­nen Er­folg.

Die Gründe:
Dem An­trag­stel­ler steht aus über­ge­gan­ge­nem Recht gem. § 94 Abs. 1 S. 1 SGB XII ge­gen die An­trags­geg­ne­rin ein An­spruch auf Un­ter­halt gem. §§ 1601 ff. BGB für die Mut­ter der An­trags­geg­ne­rin i.H.v. mtl. 113 € zu.

Der Un­ter­halts­pflich­tige hat seine Leis­tungs­unfähig­keit dar­zu­le­gen und ggf. auch nach­zu­wei­sen. Hierzu hat er die seine Le­bens­stel­lung be­stim­men­den Tat­sa­chen wie Al­ter, Fa­mi­li­en­stand, Höhe sei­nes Vermögens und Ein­kom­mens, Ver­bind­lich­kei­ten, Wer­bungs­kos­ten und die sons­ti­gen ein­kom­mens­min­dern­den Pos­ten vor­zu­tra­gen. Schul­det ein ver­hei­ra­te­ter Un­ter­halts­pflich­ti­ger El­tern­un­ter­halt, komme es für die Frage sei­ner Leis­tungsfähig­keit auf das Fa­mi­li­en­ein­kom­men an, weil der Un­ter­halts­pflich­tige den Un­ter­halt ent­we­der aus sei­nem nicht nur ge­ringfügi­gen "Ta­schen­geld­an­spruch" ge­gen den Ehe­gat­ten oder aus sei­nen ei­ge­nen Einkünf­ten schul­det. Des­we­gen hat er auch zum Ein­kom­men der an­de­ren Fa­mi­li­en­mit­glie­der vor­zu­tra­gen.

Die An­trags­geg­ne­rin hat ih­rer Dar­le­gungs­last in­so­weit nicht genügt. Be­reits des­we­gen war von ih­rer Leis­tungsfähig­keit zur mo­nat­li­chen Un­ter­halts­zah­lung von 113 € aus­zu­ge­hen. Die An­trags­geg­ne­rin har nicht aus­rei­chend dar­ge­legt, wel­che Einkünfte aus Er­werbstätig­keit sie und ihr als selbständi­ger Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter täti­ger Ehe­mann er­zielt ha­ben, auch nicht, wel­che Miete aus einem ihr ge­mein­sam mit ih­rem Ehe­mann gehören­den Miets­haus ein­ge­nom­men wurde. So­weit sich die An­trags­geg­ne­rin zur Begründung ih­rer feh­len­den Leis­tungsfähig­keit auf das steu­er­lich maßgeb­li­che Ein­kom­men be­ruft, hat sie versäumt, ihre Ein­nah­men und Aus­ga­ben so dar­zu­le­gen, dass die nur steu­er­lich be­acht­li­chen Auf­wen­dun­gen von den un­ter­halts­recht­lich er­heb­li­chen Auf­wen­dun­gen ab­grenz­bar wären.

Link­hin­weis:
nach oben