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OLG Frankfurt a.M. zur rechtsmissbräuchlichen Eintragung einer Spekulationsmarke

Urteil des OLG Frankfurt a.M. vom 7.2.2013 - 6 U 126/12

Die An­mel­dung ei­ner Marke kann rechts­missbräuch­lich sein, wenn der An­mel­der zwar be­haup­tet, die Marke im Zu­sam­men­hang mit dem Be­trieb ei­ner Mar­ke­nagen­tur auf Vor­rat für künf­tige Kun­den an­ge­mel­det zu ha­ben, dem Be­trieb die­ser Mar­ke­nagen­tur je­doch kein nach­voll­zieh­ba­res Ge­schäfts­mo­dell zu­grunde liegt. In die­sem Fall ist die Marke als "Spe­ku­la­ti­ons­marke" ein­zu­stu­fen, de­ren An­mel­dung dar­auf an­ge­legt ist, Dritte durch die Gel­tend­ma­chung von An­sprüchen aus der Marke zu be­hin­dern.

Der Sach­ver­halt:
Die An­trag­stel­le­rin ist eine in Land 1 ansässige Ge­sell­schaft. Ihr Al­lein­ge­sell­schaf­ter und Ge­schäftsführer, B, ist Al­lein­ge­sell­schaf­ter und Ge­schäftsführer der eben­falls in Land 1 ansässi­gen Ge­sell­schaf­ten G und A1 so­wie der in Land 2 ansässi­gen A2 Ltd.. Er ist außer­dem In­ha­ber des ein­zel­kaufmänni­sch geführ­ten Un­ter­neh­mens A3.

Der Ge­schäftsführer der An­trag­stel­le­rin ver­folgt nach ei­ge­nem Vor­trag ein spe­zi­el­les Ver­mark­tungs­kon­zept. Er gibt an, Mar­ken nach einem von ihm selbst ent­wi­ckel­ten Mo­dell zu ent­wer­fen, als Vor­rats­mar­ken an­zu­mel­den und sie dann für den un­mit­tel­ba­ren Ein­satz beim Kun­den be­reit­zu­hal­ten. Die un­ter sei­ner Lei­tung ste­hende Agen­tur A3 sei für die Ent­wick­lung und Ver­mark­tung der Mar­ken ver­ant­wort­lich. Die An­trag­stel­le­rin be­treibe mit ih­ren Schwes­ter­ge­sell­schaf­ten die Mar­ken­ver­wal­tung und -ver­wer­tung.

Die An­trags­geg­ne­rin ist ein nam­haf­ter Her­stel­ler. Die An­trag­stel­le­rin ver­langt von der An­trags­geg­ne­rin Un­ter­las­sung der Nut­zung des Zei­chens "D" und be­ruft sich auf eine Ver­let­zung der zu ih­ren Guns­ten ein­ge­tra­ge­nen Wort­marke "E", re­gis­triert u.a. für Fahr­zeuge, Be­klei­dung, Schuhe und Sport­ar­ti­kel. Diese Marke ist zwi­schen­zeit­lich auf die A2 Ltd. über­tra­gen wor­den.

Das LG wies den Eil­an­trag der An­trag­stel­le­rin zurück. Die hier­ge­gen ge­rich­tete Be­ru­fung der An­trags­geg­ne­rin hatte vor dem OLG kei­nen Er­folg. Das Ur­teil ist rechtskräftig.

Die Gründe:
Das LG hat die Gel­tend­ma­chung des Un­ter­las­sungs­an­spruchs zu Recht als rechts­missbräuch­lich be­wer­tet.

Der Ein­wand des Rechts­miss­brauchs ist dann be­rech­tigt, wenn der Mar­ken­in­ha­ber seine for­male Rechts­stel­lung in missbräuch­li­cher Weise aus­nutzt. Da­von kann man aus­ge­hen, wenn der Mar­ken­in­ha­ber eine Viel­zahl von Mar­ken für un­ter­schied­li­che Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen an­mel­det, kei­nen ernst­haf­ten Wil­len hat, die Marke im ei­ge­nen Ge­schäfts­be­trieb oder für Dritte auf­grund ei­nes be­ste­hen­den oder po­ten­zi­el­len Be­ra­tungs­kon­zepts zu nut­zen und die Mar­ken im We­sent­li­chen zu dem Zweck ge­hor­tet wer­den, Dritte, die iden­ti­sche oder ähn­li­che Be­zeich­nun­gen ver­wen­den, mit Un­ter­las­sungs- und Scha­dens­er­satz­an­sprüchen zu über­zie­hen.

Die An­trag­stel­le­rin hat nicht erklären können, dass den Ak­ti­vitäten der A-Gruppe ein in sich stim­mi­ges, seriöses Ge­schäfts­mo­dell zu­grunde lie­gen würde. Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, wieso das Kon­zept, Mar­ken "im stil­len Kämmer­lein" zu ent­wi­ckeln, als Vor­rats­mar­ken an­zu­mel­den und Mar­ken­ar­ti­kel­un­ter­neh­men an­zu­bie­ten, nach­hal­tig wirt­schaft­lich er­folg­reich sein sollte. Es mag zwar vor­kom­men, dass in Ein­zelfällen Kun­den ohne ein dazu pas­sen­des Mar­ke­ting­kon­zept auch ein­mal eine Marke "von der Stange" kau­fen. Dass diese Art der Mar­ken­ver­wer­tung in größerem Um­fang Er­folg ha­ben könnte, leuch­tet da­ge­gen nicht ohne wei­te­res ein.

Dass mit die­sem Ge­schäfts­mo­dell der A-Gruppe bis­lang keine nach­hal­ti­gen wirt­schaft­li­chen Er­folge er­zielt wor­den sind, be­legt die Tat­sa­che, dass im Zeit­raum von 2001 bis 2012 le­dig­lich sechs Mar­ken veräußert bzw. an Dritte über­tra­gen wor­den sind. Diese Umstände verstärken den Ein­druck, dass die ge­le­gent­li­che Ver­mark­tung ein­zel­ner Mar­ken die hier be­trie­bene Be­vor­ra­tung nicht recht­fer­tigt und da­her nur ein "Ne­ben­ver­dienst" zu dem ei­gent­li­chen Ziel der Be­hin­de­rung Drit­ter mit Spe­ku­la­ti­ons­mar­ken dar­stellt.

Zu­mal die Zwei­fel an der Se­rio­sität des Ge­schäfts­mo­dells wei­ter ge­schürt wer­den durch die Gründung im­mer wie­der neuer Ver­wer­tungs­fir­men mit je­weils mi­ni­ma­lem Stamm­ka­pi­tal, bzw. mi­ni­ma­ler Haf­tungs­summe so­wie durch den Um­stand, dass ein Großteil der ge­hal­te­nen Mar­ken nach frucht­lo­sem Ab­lauf der Gebühren­ein­zah­lungs­frist gelöscht wur­den. In der Ge­samt­schau bestätigt sich da­mit der vom LG aus­ge­spro­chene Vor­wurf des Rechts­miss­brauchs.

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