de en
Nexia Ebner Stolz

Themen

OLG Düsseldorf: Kosten für Gas- und Stromnetze: Berechnungsmethode der Bundesnetzagentur unzutreffend

Entscheidungen des OLG Düsseldorf vom 6.6.2012 - VI-3 Kart 245/07 (V) u.a.

Das OLG Düssel­dorf hat in 19 Pi­lot-Be­schwer­de­ver­fah­ren ent­schie­den, dass die Be­rech­nungs­me­thode der Bun­des­netz­agen­tur zur Er­mitt­lung der An­la­gen­kos­ten un­zu­tref­fend ist. In den Ver­fah­ren wird um die Frage ge­strit­ten, in­wie­weit Gas- und Strom­netz­be­trei­ber die Preis- und Lohn­ent­wick­lung bei den Her­stel­lungs­kos­ten ih­rer Lei­tun­gen und An­la­gen berück­sich­ti­gen dürfen.

Der Sach­ver­halt:
Die be­klagte Bun­des­netz­agen­tur, die als Bun­des­ober­behörde die Durch­lei­tungs­ent­gelte im Gas- und Strom­markt fest­setzt, be­stimmte 2007 die Be­rech­nungs­me­thode, nach der Netz­be­trei­ber für die Jahre bis 2006 ihre An­la­gen­kos­ten und Ab­schrei­bun­gen be­rech­nen konn­ten (In­de­xie­rung der Ta­ges­neu­werte). Sie stützte sich für die Be­rech­nung der kal­ku­la­to­ri­schen Neu­werte auf In­dex­rei­hen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes. Da je­doch nicht für alle der vie­len teils netz­spe­zi­fi­schen Gerätschaf­ten und An­la­gen In­dex­rei­hen zur Verfügung ste­hen, kom­bi­nierte die Bun­des­netz­agen­tur ins­bes. ei­nige Ma­te­rial- und Lohn­in­di­zes, um für be­stimmte An­la­ge­grup­pen zu nach ih­rer Auf­fas­sung sach­ge­rech­ten Er­geb­nis­sen zu kom­men.

Hier­ge­gen und ge­gen die Fort­schrei­bung des In­dex bis zum Jahr 2010 weh­ren sich vor dem OLG fast 300 Gas- und Strom-Netz­be­trei­ber aus dem ge­sam­ten Bun­des­ge­biet, dar­un­ter zahl­rei­che Stadt­werke. Die 19 Pi­lot-Ver­fah­ren be­tref­fen die Fest­set­zun­gen bis zum Jahr 2006. Die Netz­be­trei­ber hal­ten die von der Bun­des­netz­agen­tur an­ge­wen­de­ten Preis­in­di­zes für un­zu­tref­fend. Sie mei­nen, der von der Bun­des­netz­agen­tur gewählte An­satz sei feh­ler­haft, hin­sicht­lich der Lohn­kos­ten auf den In­dex der Löhne und Gehälter des "Pro­du­zie­ren­den Ge­wer­bes" statt etwa auf den Ge­halts­in­dex des Bau­ge­wer­bes ab­zu­stel­len. Da die Lohn­ent­wick­lung im Bau­ge­werbe höher als im "Pro­du­zie­ren­den Ge­werbe" ist, könn­ten die Netz­be­trei­ber bei An­wen­dung des Bau­ge­wer­be­in­dex höhere Kos­ten gel­tend ma­chen und diese dann auf die En­er­gie­ver­sor­ger und letzt­lich den End­ver­brau­cher um­le­gen.

Der Lohn­in­dex "Pro­du­zie­ren­des Ge­werbe" ent­halte i.Ü. über­wie­gend sach­fremde Bran­chen. Es fehle fer­ner an ei­ner Plau­si­bi­li­sie­rung der In­dex­rei­hen. Außer­dem sind die Netz­be­trei­ber der Auf­fas­sung, dass die Bun­des­netz­agen­tur von einem zu ho­hen Pro­duk­ti­vitätsfort­schritt aus­ge­gan­gen sei. Sie mei­nen, dass etwa das Ver­le­gen von Lei­tun­gen nur ge­ringe und da­mit kaum kos­ten­min­dernde Pro­duk­ti­vitätsfort­schritte ermögli­che. Die Aus­wir­kun­gen der un­ter­schied­li­chen Be­rech­nungs­weise be­tref­fen alle Gas- und Strom­netz­be­trei­ber in Deutsch­land und be­tra­gen pro Jahr je nach Netz­be­trei­ber je­weils bis zu meh­rere Mil­lio­nen Euro.

Das OLG hob die ent­spre­chen­den Be­scheide der Bun­des­netz­agen­tur auf. Ge­gen die Ent­schei­dun­gen kann die Bun­des­netz­agen­tur bin­nen ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung Rechts­be­schwerde zum BGH ein­le­gen.

Die Gründe:
Die Be­rech­nungs­me­thode der Bun­des­netz­agen­tur zur Er­mitt­lung der An­la­gen­kos­ten ist un­zu­tref­fend. Die Be­scheide der Bun­des­netz­agen­tur wa­ren da­her auf­zu­he­ben.

Die Ver­fah­ren be­tref­fen ins­bes. die Frage, in­wie­weit Gas- und Strom­netz­be­trei­ber die Preis- und Lohn­ent­wick­lung bei den Her­stel­lungs­kos­ten ih­rer Lei­tun­gen und An­la­gen berück­sich­ti­gen dürfen. Im Er­geb­nis war vor­lie­gend fest­zu­hal­ten, dass die Bun­des­netz­agen­tur die Be­rech­nungs­grund­la­gen nicht aus­rei­chend er­mit­telt und plau­si­bi­li­siert hat. Außer­dem wur­den sich aus der Be­rech­nungs­me­thode er­ge­bende Un­si­cher­hei­ten nicht genügend berück­sich­tigt, so dass im Er­geb­nis zum Nach­teil der Un­ter­neh­men kal­ku­liert wor­den ist. Da­bei sind etwa Pro­duk­ti­vitäts­stei­ge­run­gen zu hoch an­ge­setzt wor­den.

nach oben