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Neue Herausforderungen an das Reporting der Unternehmen

Die Bundesregierung hat am 21.9.2016 den vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz) beschlossen. Mit diesem Gesetzentwurf will die Bundesregierung die Richtlinie 2014/95/EU des Europäischen Parlaments („CSR-Richtlinie“) in nationales Recht umsetzen, was bis spätestens 6.12.2016 erfolgen muss.

Das neue Gesetz trifft bestimmte große, ins­be­son­dere bör­sen­no­tierte Unter­neh­men, Kre­di­t­in­sti­tute und Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men, die mehr als 500 Mit­ar­bei­ter beschäf­ti­gen und deren Umsatz ent­we­der 40 Mil­lio­nen Euro oder deren Bilanz­summe 20 Mil­lio­nen Euro über­sch­rei­tet. CSR steht dabei für Cor­po­rate Social Res­pon­si­bi­lity, also für die Ver­ant­wor­tung von Unter­neh­men hin­sicht­lich der Aus­wir­kun­gen ihrer Tätig­keit auf die Gesell­schaft. Das Gesetz gibt vor, über wel­che nicht­fi­nan­zi­el­len Infor­ma­tio­nen Unter­neh­men berich­ten sol­len. Zunächst geht es darum, Share- und Sta­ke­hol­dern Ein­bli­cke in die Mana­ge­ment­st­ra­te­gie von Unter­neh­men zu gewäh­ren. Des Wei­te­ren wird gefor­dert, über Risi­ken und Fol­gen unter öko­lo­gi­schen, sozia­len und mit­ar­bei­ter­re­le­van­ten Aspek­ten Aus­kunft zu geben, sowie die Ach­tung von Men­schen­rech­ten zu dekla­rie­ren. Nicht zuletzt sol­len auch Infor­ma­tio­nen zur Hal­tung gegen­über Kor­rup­tion und Bes­te­chung und zu den Bemüh­un­gen zu deren Bekämp­fung offen gelegt wer­den.

Neue Herausforderungen an das Reporting der Unternehmen© Thinkstock

Im Ver­g­leich zum vor­he­ri­gen Refe­ren­ten­ent­wurf gibt es - wie bereits zu erwar­ten war - keine wesent­li­chen Über­ra­schun­gen. Zwei Ände­run­gen sind jedoch her­vor­zu­he­ben: Zum einen ist eine inhalt­li­che Prü­fung der Anga­ben in der nicht­fi­nan­zi­el­len Erklär­ung oder dem geson­der­ten nicht­fi­nan­zi­el­len Bericht durch den Abschluss­prü­fer unve­r­än­dert nicht verpf­lich­tend, kann aber frei­wil­lig erfol­gen. Wenn eine frei­wil­lige Prü­fung durch­ge­führt wird, hat das Unter­neh­men gemäß dem nun vor­lie­gen­den Regie­rungs­ent­wurf ledig­lich das Prü­fung­s­ur­teil zu ver­öf­f­ent­li­chen. Im Refe­ren­ten­ent­wurf war in die­sem Fall noch die Ver­öf­f­ent­li­chung des voll­stän­di­gen Prü­fungs­be­richts vor­ge­se­hen, was jedoch mit Ver­weis auf die Ver­öf­f­ent­li­chungspf­licht bei der Abschluss­prü­fung Kri­tik aus­löste. Zum ande­ren sieht der Regie­rungs­ent­wurf nun­mehr in § 289 b Abs. 1 HGB-E die Mög­lich­keit zum Ver­weis auf an ande­rer Stelle im Lage­be­richt ent­hal­tene nicht­fi­nan­zi­elle Anga­ben vor, sofern die nicht­fi­nan­zi­elle Erklär­ung einen beson­de­ren Abschnitt im Lage­be­richt bil­det. Dies soll Dop­pe­lun­gen von Berichtspf­lich­ten ins­be­son­dere mit Blick auf nicht­fi­nan­zi­elle Leis­tungs­in­di­ka­to­ren ver­mei­den.

Diese Infor­ma­tio­nen sind nicht nur für Share- und Sta­ke­hol­der wert­voll, son­dern auch für die Unter­neh­men selbst. Kri­ti­siert wird dabei aller­dings immer wie­der, dass die Beschaf­fung und Bewer­tung die­ser Infor­ma­tio­nen einen enor­men admi­ni­s­t­ra­ti­ven Auf­wand und damit ent­sp­re­chend hohe Kos­ten mit sich bringt.

Jedoch sind bei wei­tem nicht alle Unter­neh­men auf die zukünf­ti­gen Anfor­de­run­gen an die Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung und an das interne Repor­ting vor­be­rei­tet. Einige Unter­neh­men sind inzwi­schen bereits in der Vor­be­rei­tungs­phase, andere haben das Thema noch gar nicht auf der Agenda.

Es bleibt jedoch nicht mehr viel Zeit, denn die Neu­re­ge­lun­gen sind bereits ab Januar 2017 zu beach­ten. Die Geschäfts­lei­tung sollte daher unbe­dingt jetzt schon ent­sp­re­chende Vor­keh­run­gen tref­fen, um den Berichtspf­lich­ten im kom­men­den Jahr nach­kom­men zu kön­nen. Denn der Auf­bau der not­wen­di­gen Repor­ting-Struk­tu­ren im Unter­neh­men ist sehr zeit­auf­wen­dig und sollte daher sch­nellst­mög­lich ange­sto­ßen wer­den, denn viele Infor­ma­tio­nen, die ab dem Jahr 2017 berich­tet wer­den müs­sen, wer­den momen­tan noch gar nicht erho­ben. Zudem ist in eini­gen Berei­chen noch unklar, wie den Berichtspf­lich­ten am bes­ten nach­zu­kom­men ist (z. B. im Bereich Kor­rup­tion oder Geld­wä­sche). Auch bei Unter­neh­men mit vie­len Aus­land­s­töch­tern kann der Auf­bau der not­wen­di­gen Berichts­struk­tu­ren hohen Anpas­sungs­be­darf her­vor­ru­fen, da viele Kenn­zah­len, die bis­her von den ein­zel­nen Gesell­schaf­ten nicht erho­ben wur­den, ein­ge­holt wer­den müs­sen.

Unter­neh­men müs­sen außer­dem Kon­zepte ent­wi­ckeln, wie sie sich in einem Bereich, über den berich­tet wird, ent­wi­ckeln wol­len. Das heißt: Unter­neh­men, die z. B. über ihren Ener­gie­ver­brauch berich­ten, müs­sen auch ihre stra­te­gi­sche Ziel­vor­stel­lung in die­sem Bereich dar­s­tel­len. Sie müs­sen erläu­tern, um wie viel sie den Ener­gie­ver­brauch in wel­chem Zei­traum sen­ken wol­len und wie die­ses Ziel zu errei­chen ist.

Viel Zeit bleibt den betrof­fe­nen Unter­neh­men nicht mehr, um sich auf die Berichtspf­licht vor­zu­be­rei­ten. Es gibt keine Über­gangs­zei­ten, das heißt, wer die Zeit jetzt nicht nutzt, könnte Ende 2017 beim Sch­rei­ben des Berichts ins Strau­cheln gera­ten. Des­halb gilt: Je eher das Thema von den Unter­neh­men ange­gan­gen wird, desto weni­ger Pro­b­leme erge­ben sich am Ende bei der Bericht­s­er­stel­lung.

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