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Nachhaltigkeit - zunehmend auch ein Thema im Mittelstand

Erste börsennotierte Konzerne machen ernst - Presseberichten zufolge hat der Vorstand eines großen Automobilherstellers beschlossen, ab dem 1. Juli 2019 Nachhaltigkeit zu einem verpflichtenden Vergabekriterium für Zulieferer zu machen und kündigt bei Verstößen gegen Menschenrechte und Sorgfaltspflichten Strafen an, die bis zu einer Auslistung als Vertragspartner reichen sollen.

Neben der Über­prü­fung der Ein­hal­tung inter­ner Kri­te­rien in den Berei­chen Umwelt und Sozia­les würde auch die Ein­hal­tung von Stan­dards in den Berei­chen Com­p­li­ance und Anti-Kor­rup­tion bewer­tet.

Nachhaltigkeit - zunehmend auch ein Thema im Mittelstand © Unsplash

Das Recht zu sol­chen „sup­p­lier audits“ ist schon lange in den meis­ten Lie­fer­ver­trä­gen des deut­schen Mit­tel­stands ver­an­kert und inso­fern keine neue Anfor­de­rung. Diese ver­trag­li­chen Verpf­lich­tun­gen gewin­nen jedoch zuneh­mend an Bedeu­tung. Dies liegt daran, dass bör­sen­no­tierte Unter­neh­men im Rah­men ihrer Geschäfts­be­richt­s­er­stat­tung auch eine sog. nicht­fi­nan­zi­elle (Kon­zern-)Erklär­ung dar­über abzu­ge­ben haben, wie sie mit Umwelt-, Sozial- und Arbeit­neh­mer­be­lan­gen umge­hen und wie sie Kor­rup­tion und Bes­te­chung bekämp­fen.

Wenn sich ein Auto­mo­bil­kon­zern bei­spiels­weise stra­te­gisch neu auf Elek­tro­mo­bi­li­tät aus­rich­tet, geht das ein­her mit der Frage, wie der Bedarf an Roh­stof­fen wie Lithium oder auch Kobalt gedeckt wird. Letz­te­rer wird ins­be­son­dere in poli­tisch insta­bi­len Regio­nen wie etwa der Demo­k­ra­ti­schen Repu­b­lik Kongo und unter kon­f­likt­träch­ti­gen Bedin­gun­gen gewon­nen. Da im Rah­men der nicht­fi­nan­zi­el­len Berich­t­er­stat­tung auch über Risi­ken zu berich­ten ist, die sich aus der eige­nen Lie­fer­kette und der Lie­fer­kette von Sub­un­ter­neh­mern erge­ben, bleibt den kapi­tal­mark­t­o­ri­en­tier­ten Unter­neh­men also gar nichts ande­res übrig, als den Umgang sei­ner Zulie­fe­rer mit die­sen Roh­stof­fen ver­stärkt zu über­wa­chen und auch zu über­prü­fen.

Doch auch mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men, die nicht (mit­tel­bar) an ein bör­sen­no­tier­tes Unter­neh­men lie­fern, wer­den sich ver­stärkt mit dem Thema Nach­hal­tig­keit aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Denn jen­seits der poli­ti­schen Dis­kus­sion betrifft die Nach­hal­tig­keit zuneh­mend die Zukunfts­fähig­keit bestimm­ter Geschäfts­mo­delle, deren Erfolg stark von der Dekar­bo­ni­sie­rung betrof­fen oder vom Ein­satz soge­nann­ter Kon­f­likt­mi­ne­ra­lien abhän­gig ist.
Letz­tere sind Gegen­stand einer EU-Ver­ord­nung, die ab Januar 2021 die Finan­zie­rung von Kon­f­lik­ten und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen durch den Han­del von Zinn, Wol­fram, Tan­tal und Gold ver­hin­dern möchte. Hierzu wer­den alle EU-Importeure die­ser Mine­ra­lien (bei Über­sch­rei­tung bestimm­ter Schwel­len­werte) zu Sorg­falts­prü­fun­gen ihrer Lie­fe­r­an­ten verpf­lich­tet. Große Her­s­tel­ler müs­sen außer­dem offen­le­gen, wie sie sicher­s­tel­len wol­len, dass die neuen Vor­schrif­ten schon an der Quelle – zumeist in Schwel­len- und Ent­wick­lungs­län­dern – ein­ge­hal­ten wer­den.

Aber auch jen­seits von Kon­f­likt­mi­ne­ra­lien ist mit wei­ter­ge­hen­den Aufla­gen zur Ein­hal­tung der Men­schen­rechts­ver­ant­wor­tung von Unter­neh­men zu rech­nen. So unter­sucht die Bun­des­re­gie­rung der­zeit, wie es um die Ach­tung der Men­schen­rechte ent­lang der Lie­fer- und Wert­sc­höp­fungs­ket­ten deut­scher Unter­neh­men ins­ge­s­amt steht. Das Ziel: Bis 2020 soll min­des­tens die Hälfte aller deut­schen Unter­neh­men mit mehr als 500 Beschäf­tig­ten wesent­li­che Ele­mente men­schen­recht­li­cher Sorg­falt in ihre Unter­neh­men­s­pro­zesse inte­griert haben. Wie im Koa­li­ti­ons­ver­trag ange­kün­digt, plant die Bun­des­re­gie­rung für den Fall, dass die Unter­neh­men die Ziel­vor­ga­ben nicht ein­hal­ten, gesetz­lich tätig zu wer­den und sich für eine EU-weite Rege­lung zur Siche­rung der Men­schen­rechte ein­zu­set­zen.

Es emp­fiehlt sich also, das eigene Risi­ko­ma­na­ge­ment um die Iden­ti­fi­ka­tion von Risi­ko­län­dern zu erwei­tern, in denen das Unter­neh­men Geschäfts­be­zie­hun­gen unter­hält und die poten­ti­ell mit umwelt-, kor­rup­ti­ons- oder men­schen­recht­li­chen Risi­ken ver­bun­den sein könn­ten. Glei­ches gilt für die Iden­ti­fi­ka­tion wesent­li­cher (Vor)Pro­dukte und Dienst­leis­tun­gen, die mit einem sol­chen wesent­li­chen Risiko ver­bun­den sein könn­ten. Und auch das eigene Pro­dukt- und Leis­tungs­port­fo­lio ist im Hin­blick auf die vor­ge­nann­ten Nach­hal­tig­keits-Aspekte zu ana­ly­sie­ren. Denn Nach­hal­tig­keit ist keine neue Anfor­de­rung an den deut­schen Mit­tel­stand, aber ihre Beach­tung wird zuneh­mend wich­ti­ger für sei­nen wei­te­ren Erfolg.

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