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Mittelverwendungskontrolleur haftet Kapitalanlegern von Dubai-Immobilienfonds für Zeichnungsschaden

OLG Koblenz 19.2.2016, 8 U 1268/14 u.a.

Ein Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur haf­tet auf Scha­dens­er­satz we­gen Zeich­nung ei­ner Fonds­be­tei­li­gung, wenn er den An­le­ger nicht auf er­heb­li­che re­gel­wid­rige Auffällig­kei­ten und pro­spekt­wid­rige Umstände hin­ge­wie­sen hat.

Der Sach­ver­halt:
Die vor­lie­gen­den Ver­fah­ren be­fas­sen sich mit der Frage, ob eine Wirt­schaftsprüfungs­ge­sell­schaft, die als Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur tätig war, den Scha­den er­set­zen muss, der An­le­gern durch die Zeich­nung der An­la­gen ent­stan­den ist.

Hun­derte von An­le­gern aus ganz Deutsch­land be­tei­lig­ten sich an ge­schlos­se­nen Im­mo­bi­li­en­fonds, die Ge­winne durch An- und Ver­kauf von Im­mo­bi­lien in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten, ins­be­son­dere im Emi­rat Du­bai, er­zie­len soll­ten. Die be­klagte Wirt­schaftsprüfungs­ge­sell­schaft war für die Fonds­ge­sell­schaf­ten als Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur tätig. Sie hatte da­mit zu über­wa­chen, ob die Ein­la­gen der An­le­ger von der Fonds­ge­sell­schaft gemäß den Be­stim­mun­gen des Ge­sell­schafts­ver­trags ver­wen­det wer­den.

In den mit den Fonds­ge­sell­schaf­ten ge­schlos­se­nen Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­verträgen war nur die Kon­trolle der deut­schen Fonds­kon­ten vor­ge­se­hen, wo­hin­ge­gen die Emis­si­ons­pro­spekte der Fonds­ge­sell­schaf­ten mit ei­ner dop­pel­ten und ob­jekt­be­zo­ge­nen Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trolle war­ben ("alle fi­nan­zi­el­len Trans­ak­tio­nen der Fonds­ge­sell­schaft ... bis hin zur In­ves­ti­tion in die kon­kre­ten Ziel­ob­jekte ... durchgängig in Deutsch­land und den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten").

Der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur kon­trol­lierte die Fonds­gel­der auf den deut­schen Kon­ten nur ein­ge­schränkt; eine Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trolle in Du­bai fand nicht statt. Alle be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men - mit Aus­nahme des be­klag­ten Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leurs - sind mitt­ler­weile in­sol­vent. Der In­itia­tor der Un­ter­neh­mens­gruppe wurde vom LG Ko­blenz we­gen Ver­un­treu­ung von An­le­ger­gel­dern in Mil­lio­nenhöhe rechtskräftig zu ei­ner mehrjähri­gen Frei­heits­strafe ver­ur­teilt.

Das LG wies in zahl­rei­chen Fällen die Scha­dens­er­satz­kla­gen be­reits des­halb ab, weil die An­le­ger keine ei­ge­nen Rechte aus den Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­verträgen her­lei­ten könn­ten. Auf die Be­ru­fung der An­le­ger änderte das OLG die Ur­teile ab und ver­ur­teilte den Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz an die An­le­ger.

Die Gründe:
Die Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­verträge schützen auf­grund ih­res kon­kre­ten Wort­lauts und ih­res Zwecks (auch) die An­le­ger. Der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur hätte die An­le­ger vor der Zeich­nung darüber aufklären müssen, dass ihm die mit den Fonds­ge­sell­schaf­ten ver­ein­barte Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trolle von vorn­her­ein keine aus­rei­chende Hand­habe bie­ten konnte, eine Ver­un­treu­ung der Ein­la­gen zu ver­hin­dern. Es be­stan­den er­heb­li­che re­gel­wid­rige Auffällig­kei­ten und pro­spekt­wid­rige Umstände (Wi­der­sprüche zwi­schen Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag und Emis­si­ons­pro­spekt, nur wi­der­ruf­li­che Kon­to­voll­macht des Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leurs, keine Ein­flussmöglich­keit  des Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leurs auf die Fonds­gel­der in Du­bai).

Während der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur den kon­zep­tio­nell an­ge­leg­ten Wi­der­spruch zwi­schen Emis­si­ons­pro­spekt und Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag ken­nen mus­ste, konnte der durch­schnitt­li­che Klein­an­le­ger auch bei sorgfälti­ger Lektüre des  Emis­si­ons­pro­spekts die Wi­der­sprüche und Un­klar­hei­ten nicht hin­rei­chend deut­lich er­fas­sen. In­folge der un­ter­las­se­nen Aufklärung hat der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur die ge­schädig­ten An­le­ger so zu stel­len, wie sie stünden, als ob sie den Fonds­ge­sell­schaf­ten nicht bei­ge­tre­ten wären (Zeich­nungs­scha­den: Ein­la­ge­sum­men ab­zgl. et­wai­ger Aus­schüttun­gen).

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