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MasterCard: Multilaterale Interbankenentgelte bleiben verboten

EuGH 11.9.2014, C-382/12 P

Die EU-Kom­mis­sion hat die von Mas­ter­Card prak­ti­zier­ten mul­ti­la­te­ra­len In­ter­ban­ken­ent­gelte zu Recht ver­bo­ten. Das hat der EuGH ent­schie­den und da­mit das erst­in­stanz­li­che Ur­teil des EuG bestätigt.

Der Sach­ver­halt:
Im De­zem­ber 2007 erklärte die EU-Kom­mis­sion die in­ner­halb des Kar­ten­zah­lungs­sys­tems Mas­ter­Card an­ge­wand­ten mul­ti­la­te­ra­len In­ter­ban­ken­ent­gelte (MIF) für wett­be­werbs­wid­rig. Die MIF ent­spre­chen einem Bruch­teil des mit ei­ner Zah­lungs­karte getätig­ten Um­sat­zes, der von der die Karte aus­stel­len­den Bank ein­be­hal­ten wird. Die Kos­ten der MIF wer­den den Händ­lern im Rah­men der all­ge­mei­nen Kos­ten auf­er­legt, die ih­nen von dem Fi­nanz­in­sti­tut, das ihre Trans­ak­tio­nen ab­wi­ckelt, für die Nut­zung der Zah­lungs­kar­ten in Rech­nung ge­stellt wer­den.

Die Kom­mis­sion hatte fest­ge­stellt, dass die MIF zur Fest­le­gung ei­ner Min­desthöhe der den Händ­lern be­rech­ne­ten Kos­ten führ­ten und da­her eine Be­schränkung des Preis­wett­be­werbs zu de­ren Las­ten dar­stell­ten. Es sei u.a. nicht nach­ge­wie­sen, dass die MIF Ef­fi­zi­enz­stei­ge­run­gen mit sich brin­gen könn­ten, mit de­nen sich ihre wett­be­werbs­be­schränken­den Wir­kun­gen recht­fer­ti­gen ließen. Gestützt auf diese Fest­stel­lun­gen hatte die Kom­mis­sion Mas­ter­Card und den Ge­sell­schaf­ten, die sie ver­tre­ten, auf­ge­ge­ben, den fest­ge­stell­ten Ver­stoß da­durch zu be­en­den, dass die MIF bin­nen sechs Mo­na­ten förm­lich auf­ge­ho­ben würden.

Das EuG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Nich­tig­keits­klage ab und bestätigte die Ent­schei­dung der Kom­mis­sion. Das Rechts­mit­tel von Mas­ter­Card hatte vor dem EuGH kei­nen Er­folg.

Die Gründe:
Mas­ter­Card ist als Un­ter­neh­mens­ver­ei­ni­gung ein­zu­stu­fen. Die frag­li­chen Un­ter­neh­men ha­ben bei der An­nahme von Ent­schei­dun­gen über die MIF an­ge­strebt oder zu­min­dest ak­zep­tiert, ihr Ver­hal­ten mit­tels die­ser Ent­schei­dun­gen zu ko­or­di­nie­ren. Ihre ge­mein­sa­men In­ter­es­sen stimm­ten mit de­nen übe­rein, die im Rah­men des Er­las­ses die­ser Ent­schei­dun­gen berück­sich­tigt wor­den sind; zu­mal sie meh­rere Jahre lang, wenn auch in un­ter­schied­li­cher Form, das­selbe Ziel ei­ner Re­gu­lie­rung des Mark­tes im Rah­men der­sel­ben Or­ga­ni­sa­tion ver­folgt ha­ben. Die ne­ga­ti­ven Fol­gen, die sich ohne die MIF für das Funk­tio­nie­ren des Mas­ter­Card-Sys­tems er­ge­ben könn­ten, be­deu­ten als sol­che nicht, dass die MIF als ob­jek­tiv er­for­der­lich an­zu­se­hen sind, denn das Sys­tem bliebe auch ohne diese Ent­gelte funk­ti­onsfähig.

Hin­sicht­lich der wett­be­werbs­wid­ri­gen Aus­wir­kun­gen der MIF hat das EuG die hy­po­the­ti­sche Ana­lyse der Kom­mis­sion bestätigt, wo­nach ei­nige der Pro­bleme, die durch die Ab­schaf­fung der MIF entstünden, durch ein Ver­bot von ex-post-Preis­fest­set­zun­gen (also ein Ver­bot für die aus­stel­len­den und die er­wer­ben­den Ban­ken, die Höhe der In­ter­ban­ken­ent­gelte fest­zu­le­gen, nach­dem ein Kar­ten­in­ha­ber einen Um­satz getätigt hat) be­ho­ben wer­den könn­ten. Das EuG hätte im Rah­men sei­ner Ana­lyse der Aus­wir­kun­gen der MIF auf den Wett­be­werb zwar prüfen müssen, ob ein Ein­tre­ten die­ses Fal­les auf an­dere Art und Weise als durch einen Ein­griff des Ge­setz­ge­bers wahr­schein­lich ist. Die­ser Rechts­feh­ler hat sich je­doch nicht maßgeb­lich auf die Ent­schei­dung des EuG aus­ge­wirkt.

Das Ar­gu­ment, das EuG habe die Aus­wir­kun­gen der MIF auf den Wett­be­werb nicht hin­rei­chend un­ter­sucht, hält der Überprüfung nicht stand. Das EuG hat in sei­nem Ur­teil ein­ge­hend geprüft, ob die MIF den Wett­be­werbs­druck, den die Händ­ler bei der Aus­hand­lung der Händ­ler­gebühren auf die er­wer­ben­den Ban­ken ausüben können, be­gren­zen. Das EuG hat da­her zu Recht fest­ge­stellt, dass die MIF wett­be­werbs­be­schränkende Wir­kun­gen hat­ten.

Das EuG hat zu­dem die Ja­nusköpfig­keit des Sys­tems berück­sich­tigt. Es hat geprüft, wel­che Rolle die MIF im Hin­blick auf den Aus­gleich zwi­schen den Be­rei­chen "Aus­stel­lung" und "Er­werb" des Mas­ter­Card-Sys­tems ha­ben, und zu­gleich an­er­kannt, dass sich beide Be­rei­che ge­gen­sei­tig be­ein­flus­sen. Im Übri­gen brauchte das EuG man­gels je­des Be­legs dafür, dass die MIF auf dem Er­wer­ber­markt spürbare ob­jek­tive Vor­teile für die Händ­ler ha­ben, die Vor­teile, die sich aus den MIF für die Kar­ten­in­ha­ber er­ge­ben, nicht zu prüfen, denn sol­che Vor­teile können für sich al­lein die mit den MIF ver­bun­de­nen Nach­teile nicht auf­wie­gen.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung wird demnächst auf den Web­sei­ten des EuGH veröff­ent­licht.
  • Für die Pres­se­mit­tei­lung des EuGH kli­cken Sie bitte hier.
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